Swiss Life

Maschmeyers nächste Scheidung

Von Jürgen Dunsch und Philipp Krohn
08.12.2011
, 18:28
Carsten Maschmeyer kehrt dem Verwaltungsrat von Swiss Life den Rücken zu
Der umstrittene AWD-Gründer Carsten Maschmeyer zieht sich bei der AWD-Mutter Swiss Life zurück - und nennt die nicht abreißende Kritik als Grund.
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Carsten Maschmeyer erfindet sich gern neu. Aus dem Medizinstudenten, der Menschen helfen wollte, wurde einst der Bausparvertreter, der Menschen helfen wollte (in ihrer Finanzanlage). Aus dem erfolgreichen Vertriebler wurde der Firmengründer, aus dem AWD-Chef der Großinvestor. Und aus dem umstrittenen „Strukki“ wurde der Politikerfreund und Schauspielerinnengatte. Am Donnerstag investierte Maschmeyer mehrere Millionen Euro in die Maschinenfabrik Spaichingen. Sie sei ein Vorzeigebeispiel des industriellen Mittelstands, ließ er wissen. Als „vielversprechend“ bezeichnete er die Produkte für Dieselmotoren und für die Verpackungsindustrie, und so erwarb er 5,07 Prozent an der Eigentümerin, der Investmentgesellschaft GCI.

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Dass Maschmeyer das Geld flüssig hat, liegt daran, dass er sich aus einem anderen Unternehmen immer mehr zurückzieht. Er verlässt per sofort den Verwaltungsrat der Swiss Life und vermindert seine Beteiligung von zuletzt 5,05 Prozent auf weniger als 3 Prozent, wie am Vortag bekannt wurde. Damit rutscht sie unter die Meldeschwelle. Für einige Zeit hatte es so ausgesehen, als erringe er eine Schlüsselstellung bei dem größten Schweizer Lebensversicherer.

Jetzt ist alles anders

Mit dem Verkauf seines Finanzvertriebs AWD an Swiss Life für 1,9 Milliarden Franken (1,5 Milliarden Euro) im Jahr 2008 erwarb er zunächst 3 Prozent an der neuen Muttergesellschaft und zog als größter Privataktionär ein Jahr später in den Verwaltungsrat ein. Zusätzlich erwarb er eine Sperrminorität an dem deutschen Konkurrenten MLP, die Swiss Life damit automatisch mitkaufte. Weder mit AWD noch mit MLP hatte der Vorstand in Zürich seine Freude. Im einen Fall stellte sich der Zukauf weit weniger glänzend dar, als der gewiefte Verkäufer Maschmeyer vermittelte, im anderen herrschte als Folge des Aktienkaufs Eiszeit zwischen beiden Unternehmen.

Jetzt ist alles anders. Angeblich werden die Aktien im Wert von rund 53 Millionen Euro außerhalb der Börse verkauft. Der Swiss-Life-Verwaltungsrat quittierte die Entscheidung „mit großem Respekt“. Aufschlussreicher sind die Äußerungen Maschmeyers. Mit seinem Schritt seien falsche Unterstellungen eines operativen Einflusses auf AWD „absolut gegenstandslos“. Zugleich gibt er sich überzeugt, „damit zu einer Versachlichung der öffentlichen Diskussion beizutragen und den Fokus wieder ungetrübt auf die Stärken des AWD zu lenken“. Denn durch einige kritische Medienberichte hat Maschmeyer in diesem Jahr seine Vergangenheit eingeholt. Dabei ging es unter anderem um die Vermittlung von geschlossenen Immobilienfonds an ahnungslose AWD-Kunden.

In diesem Zusammenhang sieht er sich in Österreich sogar mit staatsanwaltlichen Ermittlungen konfrontiert. Dort will eine Verbraucherschutzorganisation mit internen Schulungsunterlagen belegen, dass der Strukturvertrieb systematisch falsch beraten habe. Der Hannoveraner Vertrieb hingegen hat sich von seinem Gründer inzwischen weitgehend emanzipiert. Und welche Wendung auch immer die Maschmeyer-Geschichte als Nächstes nimmt, aus den Schlagzeilen wird er wohl kaum herauskommen.

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Quelle: F.A.Z.
Philipp Krohn  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Philipp Krohn
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.
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