T-Modell der Mercedes C-Klasse

Der Kombi heißt jetzt „Wellness-Oase“

Von Susanne Preuss, Deidesheim
15.07.2014
, 18:14
Früher war der Kombi ein reines Zweckfahrzeug. Jetzt vermarktet Mercedes ihn als Lifestyle-Produkt. Und das T-Modell der C-Klasse soll auch eine Menge Geld bringen.

Ein Kombi war früher ein klassisches Handwerker- und Vertreter-Modell. Und noch heute denkt man eher an Ladekapazität denn an Lustfaktor, räumt Christian Früh ein, der die Entwicklung des neuen C-Klasse-Kombis von Mercedes verantwortet. Das sei ein bisschen wie mit Deidesheim, jenem pfälzischen Weinstädtchen, das durch Helmut Kohl und seine Vorliebe für Saumagen bekannt ist und doch in Wahrheit die heimliche Genusshauptstadt Deutschlands sei. In Deidesheim hat Mercedes nun die Neuentwicklung des C-Klasse-Kombis vorgestellt, eine „rollende Wellness-Oase“, wie Früh schwärmt.

Einige Ausstattungen des C-Klasse-Kombis entsprechen tatsächlich weniger dem Mittelklasse-Segment als den Ansprüchen von Oberklasse-Käufern. „Mit der Luftfederung, die wir weltweit als erste in diesem Segment anbieten, gehen wir neue Wege beim Komfort“, wirbt etwa Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG für das neueste Mercedes-Modell. Aus der erst vor einem Jahr eingeführten S-Klasse wurden die neuesten Assistenz-Systeme übernommen, und so machen die Fahrer des neuen C-Klasse-Kombis einen gehörigen Schritt in Richtung autonomes Fahren. In brenzligen Situationen kann das Auto eine Teilbremsung vornehmen, und das bei Geschwindigkeiten bis zu 200 Kilometern pro Stunde.

In Sachen digitaler Vernetzung ist das C-Klasse-T-Modell sogar allen anderen Mercedes-Modellen voraus. Übers Internet kann der Fahrer allerlei Anwendungen nutzen: vom Handy aus die Tankfüllung kontrollieren oder die Standheizung starten oder auch das Auto im Umkreis von eineinhalb Kilometern suchen, wenn man die genaue Parkposition vergessen hat. Indem Mercedes die Pionierrolle für diese Innovationen dem C-Klasse-Kombi einräumt, verlässt der Stuttgarter Hersteller das typische Schema der Autoindustrie für Markteinführungen: In der Vergangenheit haben stets die teuersten Autos als Erste von den Innovationen profitiert. Dass man damit S-Klasse-Kunden verärgern könnte, glauben die Mercedes-Verantwortlichen gleichwohl nicht. „Das ist wie in der Mode“, sinniert Claudia Röckle aus der Mercedes-Designabteilung: „Früher war die Haute Couture maßgeblich, heute ist es manchmal umgekehrt. Sogar Karl Lagerfeld bedient sich in der Sportswear.“

In Bremen wird das Auto produziert

Ab September wird das C-Klasse-T-Modell zu Preisen ab 35.224 Euro bei den Händlern zu kaufen sein und vor allem in Deutschland auf große Nachfrage stoßen: zwei von drei Käufern der C-Klasse entscheiden sich hier für das T-Modell.

So nennt Mercedes seine Kombis übrigens seit der Markteinführung 1977 – und das T steht für Touristik und Transport. Die Mercedes-Nomenklatur hat damit die Entwicklung vom reinen Zweckauto zum multifunktionalen Lifestyle-Fahrzeug vorweggenommen, die mittlerweile erkennbar vollzogen ist. Oder wie Dieter Zetsche es heute formuliert: „Mit seinem nochmals vergrößerten Laderaum begleitet das Auto aktive Menschen beim Einkaufen, im Urlaub, beim Sport und ist dabei äußerst familienfreundlich.“ Mit dem Attribut „familienfreundlich“ zielt Zetsche indirekt auf einen weiteren wichtigen Markt für das T-Modell: China. Zwar wurden zuletzt 85 Prozent der Kombis in Westeuropa abgesetzt, doch in China sieht Chefentwickler Christian Früh durchaus große Chancen: „China hat eine Mitnehmkultur, auch Oma und Opa sind überall dabei. Da muss man hinten gut sitzen können“, erklärt er die Vorzüge des Kombis. In Ergänzung zu der speziell für China angebotenen Langversion der C-Klasse-Limousine dürfte das T-Modell im wichtigsten Automarkt der Welt an Bedeutung gewinnen.

Die neuen Varianten des T-Modells, das in Bremen hergestellt wird, brauchen bis zu 20 Prozent weniger Sprit als ihre jeweiligen Vorgänger. Am sparsamsten ist das Hybridmodell C300, das mit 3,8 Litern Diesel auskommt und 99 Gramm CO2-Ausstoß hat. Das dürfte vor allem für Flottenkäufer interessant sein. Schon bisher entfallen 80 Prozent der neu angemeldeten C-Klasse-Kombis auf gewerbliche Kunden – und diese wählten bisher meist den C220 Diesel, ebenfalls wegen der guten Verbrauchswerte, wie es bei Daimler heißt. Aus Sicht von Mercedes ist der Erfolg der verbrauchsarmen Modelle ebenfalls bedeutend, weil sich die Autoindustrie zur Senkung des Flottenverbrauchs verpflichtet hat.

Quelle: F.A.Z.
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