5,5 Milliarden Dollar in 2021

Tesla schafft weiteren Rekordgewinn

Von Roland Lindner, New York
27.01.2022
, 02:46
Hat gut lachen: Tesla-Gründer Elon Musk (Archivbild)
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Der Hersteller von Elektroautos beschreibt das vergangene Jahr als „Durchbruch“ und will nun schnell seine Kapazitäten ausbauen. Dabei soll das Werk in Grünheide eine wichtige Rolle spielen.
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Tesla sieht 2021 als „Jahr des Durchbruchs“. In seinem am Mittwoch nach Börsenschluss vorgelegten Quartalsbericht sagte das von Elon Musk geführte Unternehmen, es sollte nun keine Zweifel mehr daran geben, dass Elektroautos ein profitables Geschäft sein können. Unterstrichen wurde das mit einem Rekordgewinn für das Quartal und auch für das Gesamtjahr.

Die Zahlen waren allgemein besser als von Analysten erwartet. Trotzdem notierte der Aktienkurs nachbörslich zunächst im Minus, wobei er sich später wieder erholte. Die Aktie hatte schon zuvor seit Jahresbeginn in einem allgemein schwachen Börsenumfeld mehr als zwanzig Prozent an Wert eingebüßt. Im vergangenen Herbst hatte Tesla mit seiner Marktkapitalisierung zeitweise die Marke von einer Billion Dollar überschritten. Derzeit liegt das Unternehmen bei rund 940 Milliarden Dollar. Damit bleibt es noch immer mit weitem Abstand der am höchsten bewertete Autohersteller der Welt.

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Insgesamt meldete Tesla für die vergangenen drei Monate einen Nettogewinn von 2,3 Milliarden Dollar. Damit übertraf der Hersteller seinen bisherigen Rekordwert von 1,6 Milliarden Dollar, den er erst im Quartal zuvor erreicht hatte. Im Gesamtjahr 2021 hat er einen Gewinn von 5,5 Milliarden Dollar geschafft. Erst im Jahr zuvor hatte er zum ersten Mal überhaupt einen Gewinn ausgewiesen, damals waren es 721 Millionen Dollar. Elon Musk sagte, Tesla sei nun kumuliert über seine Geschichte hinweg profitabel. „Das macht uns zu einem echten Unternehmen.“

87 Prozent mehr Autos als 2020 ausgeliefert

Anders als noch vor wenigen Quartalen hing der Gewinn zuletzt nicht mehr so stark vom hochprofitablen Nebengeschäft mit Emissionspunkten ab. Tesla bekommt diese Zertifikate von Regierungen für die Produktion von Elektroautos und verkauft sie dann an Wettbewerber, denen dies hilft, gesetzliche Emissionsvorgaben zu erfüllen. Im vergangenen Quartal stand dieses Geschäft für 314 Millionen Dollar, also nur noch einen sehr kleinen Teil des Nettogewinns. Es wird damit gerechnet, dass es weiter an Bedeutung verlieren wird. Je mehr andere Hersteller selbst Elektroautos herausbringen, umso weniger brauchen sie Teslas Zertifikate.

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Im vergangenen Jahr hat Tesla insgesamt 936.000 Autos ausgeliefert, ein Zuwachs von 87 Prozent gegenüber 2020. Dabei leidet das Unternehmen wie auch viele seiner Wettbewerber unter Engpässen in seiner Lieferkette, also zum Beispiel einen Mangel an Halbleitern. Tesla nannte dies den „hauptsächlichen einschränkenden Faktor“. Seit einigen Quartalen hätten die Werke nun nicht mit voller Kapazität arbeiten können, und dies werde sich wahrscheinlich auch 2022 fortsetzen. Alyssa Altman vom Beratungshaus Publicis Sapient sieht Tesla aber im Wettbewerbsvergleich gut aufgestellt. Das Unternehmen sei in der Lage, seine Software und Teilekonfigurationen schnell zu ändern, je nachdem welche Komponenten verfügbar seien. Musk sagte, er rechne auch in diesem Jahr damit, die Zahl der ausgelieferten Autos um deutlich mehr als 50 Prozent ausbauen zu können.

Produktion ausweiten „so schnell wir können“

Tesla beschreibt die Fähigkeit zur Erhöhung von Kapazitäten über die gesamte Lieferkette hinweg als entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit im Geschäft mit Elektroautos. Der Schwerpunkt im neuen Jahr werde daher darauf liegen, die Produktion auszuweiten, „so schnell wir können“. Dabei sollen die neuen Werke im brandenburgischen Grünheide und im amerikanischen Texas eine große Rolle spielen. Tesla wollte in Grünheide eigentlich schon im vergangenen Juli mit der Produktion beginnen. Das Unternehmen hat hier zwar schon zu Testzwecken Autos gebaut, aber die Fertigung ist noch nicht offiziell angelaufen. Noch immer steht die endgültige Genehmigung für das Werk aus, allerdings befindet sich dieser Prozess offenbar in der Endphase.

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Parallel zu Grünheide hat Tesla auch in Austin ein riesiges Werk errichtet, es ist die zweite Produktionsstätte auf dem amerikanischen Heimatmarkt nach der Stammfabrik in Kalifornien. Nach Angaben von Tesla wurden hier zum Jahresende die ersten Fahrzeuge produziert. Auch hier sei noch eine Zertifizierung nötig, bevor die ersten Autos an Kunden ausgeliefert werden. Musk sagte am Mittwoch, Tesla plane weitere Werke und werde womöglich noch vor Ende des Jahres Standorte bekanntgeben.

Während Tesla an der Ausweitung seiner Kapazitäten arbeitet, werden neue Produkte noch auf sich warten lassen. Musk sagte, das Unternehmen werde in diesem Jahr keine neuen Modelle herausbringen. Dies würde die Komplexität erhöhen und ergäbe in einer Zeit des Mangels an Bauteilen keinen Sinn. Teslas letzte Neuheit war das Model Y und kam vor knapp zwei Jahren heraus. Als nächstes wird der Pick-up-Transporter „Cybertruck“ erwartet, dessen Produktion ursprünglich schon Ende 2021 anlaufen sollte. Daneben arbeitet Tesla an dem Lastwagen „Semi“. Das Fahrzeug wurde schon 2017 vorgestellt, damals war von einem Produktionsstart 2019 die Rede. Musk sagte jetzt, diese Produkte würden wahrscheinlich 2023 herauskommen. Noch weiter in der Zukunft liegt offenbar ein Einstiegsmodell zu einem Preis von 25.000 Dollar, über das er in der Vergangenheit gesprochen hat. Am Mittwoch sagte er, das Unternehmen arbeite gegenwärtig noch nicht daran, weil es schon genug um die Ohren habe.

In der Telefonkonferenz hob Musk auch den „Tesla Bot“ hervor, einen menschenähnlich aussehenden Roboter, den er im vergangenen Sommer erstmals vorgestellt hat und den er auch „Optimus“ nennt. Der Tesla-Chef sagte, dies könne im Laufe der Zeit für das Unternehmen ein bedeutenderes Projekt werden als Autos. Bei der Präsentation hieß es, der Roboter solle in der Lage sein, „gefährliche, monotone und langweilige Aufgaben“ zu übernehmen, und Musk beschrieb ihn am Mittwoch als Mittel gegen Personalengpässe. Tesla wolle ihn zuerst in seiner eigenen Fertigung einsetzen, zum Beispiel um Teile innerhalb von Fabriken zu transportieren.

In seinem Markt für Elektroautos sieht sich Tesla verstärkter Konkurrenz gegenüber. Auch viele andere Autohersteller investieren massiv in das Segment. Zu den Herausforderern gehören etablierte Hersteller wie Volkswagen, Tesla oder General Motors, aber auch junge Start-ups wie Rivian.

Quelle: FAZ.NET
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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