Batteriefertigung

Tesla und BHP werden Partner

Von Christoph Hein, Singapur
22.07.2021
, 21:17
BHP-Mitarbeiter mit einem Tesla
Hersteller von Elektroautos brauchen Nickel. Weltmarktführer BHP kann es liefern – und profitiert von einem Großauftrag der Amerikaner.

Zwei große Namen des Energiegeschäftes bündeln ihre Kräfte: Tesla wird über Jahre für seine Batterien Nickel von BHP in Westaustralien kaufen. Es handelt sich um einen langfristigen Liefervertrag. Bis 2019 versuchte der Weltmarktführer bei Bodenschätzen noch, Nickel West in Kwinana bei Perth an Chinesen oder Kanadier zu verkaufen, weil er für sein Geschäft keine Zukunft sah. Nicht nur dank des Vorzeigekunden Tesla sieht die Welt heute ganz anders aus.

„Entwicklungen wie Klimawandel und der dramatische Wandel in der Technologie sind Herausforderungen, bieten aber auch Chancen. Um sicher zu sein, dass unser Portfolio auf lange Sicht widerstandsfähig bleibt, testen wir regelmäßig seine Zusammensetzung und die Zukunftsmöglichkeiten unter unterschiedlichen Szenarien und Hypothesen. Nickel West, das wir nun behalten werden, besitzt das Potential hoher Gewinne aufgrund des erwarteten Wachstums im Markt für Batterien und der Enge in der Nickelversorgung“, hatte der damalige BHP-Vorstandsvorsitzende Andrew Mackenzie 2018 erklärt.

Heute reiben sich seine Nachfolger die Hände. In der zweiten Jahreshälfte 2019 gingen schon knapp 80 Prozent des Ausstoßes von Nickel West an die Batterieindustrie. Im Jahr zuvor waren es nicht einmal 60 Prozent gewesen. Die Produktion von Nickelsulfat am Rande des westaus­tralischen Outbacks wird mit größter Eile ausgebaut, soll von zuletzt 89.000 Tonnen auf 300.000 Tonnen verdreifacht werden. Bis 2019 hatte der 46 Jahre alte Betrieb nur rund 45.000 Tonnen geliefert. Das Anfahren einer weiteren Fabrik wurde allerdings um ein Jahr auf Ende September verschoben. Das Sulfat wird entweder zu Briketts verarbeitet oder als Pulver verkauft.

„Gigantischer, lang laufender Liefervertrag“

Nickel aber liefert nicht nur Gewinne, sondern stärkt auch die Klimabilanz des großen Erzproduzenten. Durch die Zusammenarbeit mit den Amerikanern poliert er so seinen Ruf als „grünes“ Unternehmen. Kauft Teslas Vorstandschef Elon Musk nicht gerade Bitcoin, gilt er als Weltverbesserer dank der Elektroautos, die sein Unternehmen verkauft. Das strahlt auf den Marktführer im uralten Gewerbe des Hebens und Verarbeitens von Mineralien ab. Da passt es ins Bild, dass BHP Stunden zuvor berichtete, sein Öl- und Gasgeschäft möglicherweise verkaufen zu wollen – Mackenzie ist inzwischen im Übrigen der Vorsitzende des Verwaltungsrates des Ölriesen Shell.

Schon im vergangenen Jahr hatte Tesla von einem „gigantischen, lange laufenden Liefervertrag“ für Nickel gesprochen. Damals hoffte Indonesien auf eine riesige Produktionslinie für die Amerikaner und kündigte immer wieder einen Besuch Musks an, was sich inzwischen aber zerschlagen zu haben scheint. Nickel wird dort vor allem von chinesischen Herstellern von Elektroautos und der dortigen Stahlindustrie aufgekauft und unter dem Einsatz von Kohle verarbeitet. Tesla schloss aber vor Kurzem ein exklusives Lieferabkommen mit der Goro-Nickelmine von Trafigura in Neukaledonien. Die Branche schätzt, Tesla werde jährlich rund 18.000 Tonnen Nickel von BHP kaufen – knapp ein Viertel der derzeitigen Jahresproduktion von Nickel West. Insgesamt liegt in Australien rund ein Viertel der Nickelvorkommen der Welt.

Die Nachfrage der Batteriehersteller treibt den Preis für Nickel. Mit nun rund 18.300 Dollar je Tonne liegt er schon etwa 20 Prozent über demjenigen Ende vergangenen Jahres. So dürfte es weitergehen: Vandita Pant, die in Singapur ansässige BHP-Vorständin für den Handel, erklärte am Donnerstag, die Nachfrage für Batterie-Nickel werde sich vor allem dank des Bedarfs für Elektroautos innerhalb von zehn Jahren mehr als verfünffachen. Ivan Glasenberg, Chef des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore, sagt, die Nickelproduktion müsse jährlich statt um 100.000 um 250.000 Tonnen zulegen, um die Nachfrage der Batteriehersteller zu decken.

Sinkende Preise

„Wir freuen uns über den Vertrag mit Tesla und auf die Zusammenarbeit dabei, die Lieferkette für Batterien durch die beiderseitige Konzentration auf Technologie und Innovation nachhaltiger zu machen“, sagte Pant. So soll das Material mit Blockchain-Technik vom Heben in den Minen bis zum Einbau in Tesla-Fahrzeuge verfolgt werden. Nickel West will seinen Ausstoß von Treibhausgas bis 2030 durch den Einsatz erneuerbarer Energieträger um 30 Prozent verringern.

Die neuen Partner wollen Drittfirmen an Bord holen, die eine vergleichbare Sicht in der Klimadebatte hätten. Tesla seinerseits werde mit BHP am Lagern „grüner Energie“ arbeiten, was auf den Einsatz von Tesla-Batterien beim Bodenschatzriesen hinweist. Edgar Basto, BHP-Chef für Mineralien, will zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: „Unsere Investitionen auch in das Nickelgeschäft tragen zur Dekarbonisierung der Welt bei und lassen eine langfristige Wertsteigerung unseres Geschäftes zu.“

Autobatterien für Elektrofahrzeuge der neuen Generation, mit einer Leistung von 60 Kilowattstunden, brauchen 9 Kilogramm Kobalt, 11 Kilogramm Lithium und 70 Kilogramm Nickel, heißt es bei den Australiern. Der Wert sollte bald auf 40 Kilogramm fallen. Deshalb werde der Gesamtaufwand für die Automobilhersteller sinken: „Das ganze Paket kostet nun im Durchschnitt weniger als 180 Dollar je Kilowattstunde, gefallen von 290 Dollar vor zwei Jahren. Zu Beginn dieses Jahrzehnts lag der Preis noch bei mehr als 1000 Dollar je Kilowattstunde“, rechnet Eddy Haegel vor.

Der heutige Chef von Nickel West hatte die Vision und dann das Überleben des Nickel-Geschäftes unter dem BHP-Dach durchgesetzt. Heute sagt er: Habe der Preis erst 100 Dollar erreicht, werde ein Elektroauto nicht mehr teurer sein als eines mit Verbrennungsmotor – und das bei viel geringeren Betriebskosten. Typischerweise verwenden Batteriehersteller Nickel, Kobalt und Lithium im Verhältnis von 6:2:2. Die Rezeptur aber ändert sich hin zum preiswerteren Nickel, sodass bald 80 Prozent davon benötigt werden. Der höhere Nickelgehalt soll den Batterien zudem eine größere Leistung erlauben, was zu weiterer Reichweite der Autos führt.

Quelle: F.A.Z.
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Christoph Hein
Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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