Timothy Cook wird Apple-Chef

Der Einspringer übernimmt das Ruder

Von Roland Lindner, New York
25.08.2011
, 14:13
Studierter Wirtschaftsingenieur: Cook kam 1998 zu Apple
Timothy Cook rückt auf. Er ist die logische Wahl als Nachfolger von Steve Jobs - auch wenn die beiden Männer kaum unterschiedlicher sein könnten.
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Nun ist sie also heraus, die lange wie ein Staatsgeheimnis gehütete Nachfolgeregelung für Steve Jobs beim Elektronikkonzern Apple. Bei der Hauptversammlung im Februar wehrte sich der Konzern noch mit aller Macht gegen den Antrag eines Pensionsfonds, der das Unternehmen zwingen wollte, sich zur Besetzung des Chefpostens für den Fall eines Ausscheidens von Jobs zu äußern. Jobs hatte wenige Wochen zuvor zum wiederholten Mal eine krankheitsbedingte Auszeit genommen. Apple wehrte sich gegen den Antrag: Es gebe einen Nachfolgeplan, aber der solle vertraulich bleiben, argumentierte das Unternehmen - und setzte sich damit durch.

Nach dem Rücktritt von Steve Jobs ist das Geheimnis gelüftet: Apple hat keinen Überraschungskandidaten aus dem Hut gezaubert, sondern die „logische“ Alternative gewählt. Timothy Cook, der Jobs schon drei Mal in krankheitsbedingter Abwesenheit vertreten hat, ist auf einmal keine Übergangsbesetzung mehr, sondern wird nun mit sofortiger Wirkung der neue Vorstandsvorsitzende von Apple. Die langjährige Nummer zwei im Unternehmen rückt nun ins Rampenlicht. „Der Verwaltungsrat hat vollständiges Vertrauen, dass Tim die richtige Person ist, um unser nächster Chief Executive Officer zu sein“, hieß es in einer Mitteilung des Konzerns.

Cook blieb die große Bühne bisher verwehrt

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Es ist eine einleuchtende Wahl, die aber in der Branche nicht unbedingt als ausgemachte Sache galt. Zumal Jobs auch während seiner zunächst noch als temporär beschriebenen Auszeit Cook in großen Momenten nicht die Bühne überließ. So enthüllte der geschwächte Jobs im März selbst die zweite Generation des Tabletcomputers iPad, im Juni stellte er das Angebot iCloud zur Verwaltung digitaler Inhalte vor. Cook absolvierte in der Zwischenzeit weiter seine Routineauftritte, etwa in den Telefonkonferenzen mit Analysten bei der Vorlage von Quartalszahlen.

Cook vertrat Steve Jobs bereits mehrfach
Cook vertrat Steve Jobs bereits mehrfach Bild: dapd

In die Fußstapfen von Steve Jobs zu treten, wäre für jeden Manager eine monumentale Aufgabe. Der 50 Jahre alte Timothy Cook muss sich künftig an jemandem messen lassen, mit dem er nicht allzu viel gemeinsam zu haben scheint. Steve Jobs und Timothy Cook sind zwei völlig verschiedene Typen, die bislang bei Apple auch ganz unterschiedliche Aufgaben erfüllten. Jobs ist Technologievisionär und Marketinggenie, der Mann, der einen perfekten Riecher für die Begehrlichkeiten von Verbrauchern hat und sich auf die Inszenierung seiner Person und seiner Produkte versteht wie kaum ein zweiter. Cook ist der Kopf des operativen Geschäfts und hält im Hintergrund die Fäden in der Hand. Im Vergleich zum charismatischen Jobs kommt Cook eher hölzern daher. Er ist innerhalb des Unternehmens eine deutlich ruhigere Präsenz als Jobs, der in der Belegschaft als launischer Tyrann gefürchtet ist.

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Ruf als brillianter Manager

Cook hat sich in seiner Zeit als Chief Operating Officer und damit als rechte Hand von Steve Jobs einen Ruf als brillianter Manager erworben. Er war bislang vor allem für Vertrieb und Produktion verantwortlich, daneben führte er die Traditionssparte des Unternehmens mit Macintosh-Computern. An der atemberaubenden finanziellen Erfolgsgeschichte von Apple in den vergangenen Jahren hat er einen gewaltigen Anteil. Von Steve Jobs mögen die Vision für neue Produkte und die Impulse für deren Design kommen, aber Cook wacht darüber, dass der Produktions- und Verkaufsapparat funktioniert. Er gilt als Meister der Effizienz, der die Kosten in der Lieferkette und der Produktion niedrig hält und damit die hohen Margen der Apple-Produkte sichert.

Tim Cook ist im Jahr 1998 persönlich von Steve Jobs angeworben worden. Er hatte damals schon eine 16 Jahre währende Karriere bei anderen prominenten Unternehmen aus der Technologiebranche wie IBM oder Compaq hinter sich. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Apple noch immer in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Jobs selbst war zwei Jahre zuvor in einer Notaktion ins Unternehmen zurückgeholt worden. Cook ließ sich von Jobs' Visionen begeistern und stieg bei Apple ein, obwohl der Konzern damals als unsichere Adresse galt.

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Seine Aufgabe war es zunächst, in der hoffnungslos ineffizienten Produktionsstruktur aufzuräumen, die für aufgeblähte Bestände sorgte. Cook schloss alle eigenen Produktionsstätten von Apple und lagerte die Fertigung an Vertragshersteller aus. Cook bekam bald mehr Verantwortung und wurde zum engen Vertrauten von Jobs. Bei der ersten krankheitsbedingten Pause von Jobs im Jahr 2004 übernahm Cook bereits übergangsweise die Führung, 2005 wurde er Chief Operating Officer. Als Jobs sich 2009 und in diesem Jahr abermals aus medizinischen Gründen zurückziehen musste, übernahm abermals Cook das Ruder. Die Zwangspausen von Steve Jobs haben die Finanzmärkte jedes Mal aufs Neue verunsichert. Aber jedes Mal entwickelten sich die Geschäfte auch unter Cook weiterhin glänzend, und der Aktienkurs erholte sich wieder.

Als neuer Chef des am höchsten bewerteten Technologieunternehmens der Welt ist Timothy Cook heute weit von seinen Wurzeln in der Kleinstadt Robertsdale im südlichen Bundesstaat Alabama entfernt, wo er aufgewachsen ist. Aber er hat sich seine Verbundenheit zu seiner Heimat bewahrt: So ruft er angeblich noch immer einmal in der Woche bei seinen Eltern an, die bis heute in Alabama leben. Und wegen seiner im Vergleich zu Jobs leiseren und zuvorkommenden Art wird er oft als „Südstaaten-Gentleman“ beschrieben. Aber man sollte sich nicht in ihm täuschen: Auch wenn er kein Polterer ist, gilt er doch als sehr fordernder Chef. So ist eine Episode von ihm überliefert, als einen Mitarbeiter in einer Besprechung direkt und ohne Gelegenheit zum Packen zum Flughafen schickte, damit der nach China fliegt und dort Probleme behebt.

Quelle: FAZ.NET
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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