FAZ plus ArtikelU-Boot-Milliardenvertrag

So hart trifft Frankreich die strategische Neuausrichtung Australiens

Von Christian Schubert
16.09.2021
, 18:32
Neuer Sicherheitspakt mit Amerika und Großbritannien: Australien erhält amerikanische U-Boote der Virginia-Klasse wie das USS Illinois mit Atomantrieb.
Die Regierung in Canberra sagt bei der französischen Naval Group ab und orientiert sich Richtung Amerika und Großbritannien. In Frankreich sitzt der Schock tief.

In Frankreich nannten sie ihn den „Vertrag des Jahrhunderts“. Die französische Militärwerft Naval Group sollte Australien ursprünglich für umgerechnet 35 Milliarden Euro zwölf U-Boote des Typs Barracuda liefern, wie es der Vertragsabschluss 2016 nach mühsamen Verhandlungen vorsah. Jetzt aber machen die Australier einen überraschenden Rückzieher. Nicht den Franzosen wollen sie U-Boote abkaufen, sondern den Amerikanern und Briten. Der australische Premierminister Scott Morrison, der amerikanische Präsident Joe Biden und der britische Premier Boris Johnson kündigten am späten Mittwoch in einer Online-Konferenz eine Sicherheitspartnerschaft an, die zu der neuen Geschäftsorientierung führe. Er wisse, dass die Entscheidung für Frankreich enttäuschend sei, doch „das strategische Umfeld hat sich geändert“, sagte Morrison. Damit meinte er die wachsende Bedrohung durch China.

Australien hatte 2016 bei den französischen U-Booten keinen Nuklearantrieb bestellt; Frankreich exportiert sie grundsätzlich nicht; sie werden nur von der französischen Marine genutzt. Nun aber setzt Australien im Rahmen der Sicherheitspartnerschaft auf nuklearbetriebene U-Boote amerikanischer Herkunft. Diese Option habe es 2016 nicht gegeben, sagte Morrison, Amerika habe seine Technologie jahrzehntelang nur mit Großbritannien geteilt. Nuklearbetriebene U-Boote sind nicht nur leiser als solche mit einem Dieselmotor, sie können auch längere Strecken ohne Auftauchen zurücklegen. Dieselgetriebene U-Boote müssen öfter an die Oberfläche, um Batterien aufzuladen, und sind dann angreifbar. Für die langen Fahrten von Australien zu einem möglichen Konfliktherd im Pazifik sei das ein Nachteil, hieß es in Australien.

Testen Sie unser Angebot.
Jetzt weiterlesen.
Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

: Wir feiern 3 Jahre F+

Diese und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schubert, Christian
Christian Schubert
Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot