Geplante Übernahme

Elon Musk wühlt Twitter auf

Von Roland Lindner
18.06.2022
, 13:41
Künftiger Mr. Twitter? Elon Musk will „außergewöhnlichen“ Mitarbeitern Homeoffice-Tage zugestehen.
Der mögliche künftige Twitter-Eigentümer stellt sich Fragen der Mitarbeiter. Elon Musk spricht über Homeoffice, Personalabbau und Aliens – sagt aber wenig zum Stand der Übernahme.
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Homeoffice, Personalabbau, Nutzerzahlen und sogar Aliens: Elon Musk hat erstmals direkt Fragen von Mitarbeitern der Onlineplattform Twitter beantwortet, deren Übernahme er vereinbart hat. Dabei kam ein breites Spektrum von Themen zur Sprache, aber Musk sagte wenig zum Stand der Transaktion, an deren Zustandekommen er in den vergangenen Wochen selbst zunehmend Zweifel geschürt hat. Er klang aber oft wie jemand, der sich als künftiger Eigentümer sieht, bisweilen sagte er „wir“, als er von Twitter sprach.

Musk schlug insgesamt versöhnliche Töne an, nachdem er das Unternehmen und seine Führung in jüngster Zeit oft scharf attackiert hatte. Trotzdem kam sein Auftritt offenbar bei vielen Mitarbeitern nicht gut an, wie amerikanische Medien mit Hinweis auf interne Twitter-Kommunikationsplattformen schrieben.

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Derweil gibt es auch Unruhe in der Belegschaft von Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX. Dort kursierte ein offenbar von einer Gruppe von Beschäftigten verfasster Brief, in dem Musks Verhalten in der Öffentlichkeit als „Ablenkung und Peinlichkeit“ bezeichnet wurde. Medienberichten zufolge hat SpaceX mehrere Mitarbeiter entlassen, die an dem Brief mitgewirkt haben.

Twitter-Belegschaft alarmiert

Musk, der neben SpaceX auch den Elektroautohersteller Tesla führt, hatte im April den Kauf von Twitter für 44 Milliarden Dollar vereinbart, nachdem er sich zuvor schon mit dem Kauf von Anteilen zu einem der größten Aktionäre gemacht hatte. Seine Avancen haben in der Belegschaft für erhebliche Verunsicherung gesorgt, zumal er das Management und das Geschäftsmodell von Twitter wiederholt öffentlich kritisiert hat. Unter anderem warf er Twitter übermäßige Zensur von Inhalten vor und hat suggeriert, dies werde sich unter ihm ändern. Er hat beispielsweise gesagt, er würde die gegenwärtige Twitter-Sperre des früheren US-Präsidenten Donald Trump aufheben.

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Es alarmierte die Twitter-Belegschaft außerdem, als Musk eine strikte Anwesenheitspflicht für Tesla verkündete und mit der Entlassung von Mitarbeitern drohte, die weiter einen großen Teil ihrer Zeit im Homeoffice verbringen wollen. Twitter hat seinen Mitarbeitern versprochen, auch künftig von überall aus arbeiten zu dürfen. Vor wenigen Wochen begann Musk zudem, die Transaktion selbst infrage zu stellen. Er erklärte die Kaufvereinbarung für „vorübergehend ausgesetzt“ und behauptete, er habe das Recht, sie ganz aufzuheben. Zur Begründung verwies er auf „Spam“- oder „Fake“-Konten auf Twitter, hinter denen keine echten Nutzer stecken. Er mutmaßte, deren Zahl könnte viel höher sein, als das Unternehmen zugibt.

Viele Beobachter halten das für vorgeschoben und sehen darin einen Versuch, aus dem Vertrag herauszukommen oder im Nachhinein den Preis herunterzuhandeln. Parallel zu einer allgemeinen Abschwächung des Börsenumfelds ist auch der Aktienkurs von Twitter zuletzt deutlich gefallen, derzeit liegt er unter 38 Dollar und damit weit unter dem vereinbarten Kaufpreis von 54,20 Dollar.

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„Die Leute müssen mir zuhören“

In der Fragerunde wiederholte Musk die Sorge um unechte Nutzerkonten, ohne aber näher auf etwaige Konsequenzen für die Übernahme einzugehen. Er sagte mehrmals, er liebe Twitter, und gab das Ziel aus, die Zahl der Nutzer von zuletzt knapp 230 Millionen auf mehr als eine Milliarde zu erhöhen. Er deutete an, dass es einen Personalabbau geben müsse, um die derzeit über den Umsätzen liegenden Kosten zu senken. Allerdings müssten sich „Leistungsträger“ keine Sorgen machen. „Außergewöhnlichen“ Mitarbeitern würde er auch zugestehen, im Homeoffice zu arbeiten, wobei er grundsätzlich Anwesenheit im Büro bevorzuge. Auf die Frage, ob er selbst Vorstandsvorsitzender von Twitter werden wolle, sagte er, Titel seien ihm nicht wichtig, „aber die Leute müssen mir zuhören“. Zwischenzeitlich rutschte er in ein grundsätzliches Philosophieren, sprach über die Zukunft der menschlichen Zivilisation und Aliens.

Aus der Belegschaft von SpaceX musste sich Musk derweil selbst ungewöhnlich scharfe Kritik anhören. In dem internen Brief, der vom Onlineportal The Verge veröffentlicht wurde, bezeichneten Mitarbeiter Tweets ihres Vorstandschefs als „schädlich“ und forderten das Unternehmen auf, sie öffentlich zu verurteilen: „SpaceX muss sich schnell und ausdrücklich von Elons persönlicher Marke distanzieren.“ Die Autoren des Briefs beklagten auch „eine Kultur, die Mitarbeiter wie konsumierbare Ressourcen behandelt“. Es ist unklar, wie viele Mitarbeiter hinter der Aktion stehen, allerdings kam es schnell zu Konsequenzen. Gwynne Shotwell, die Präsidentin von SpaceX, schrieb Medienberichten zufolge in einer internen Nachricht, das Unternehmen habe eine Gruppe von Mitarbeitern entlassen. Sie kritisierte den Brief als „Aktivismus, der über das Ziel hinausschießt“. Wenn Mitarbeiter Bedenken hätten, sollten sie damit an ihre Vorgesetzten, die Personal- oder die Rechtsabteilung herantreten, anstatt E-Mails an Tausende von Kollegen zu schicken.

Quelle: F.A.Z.
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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