Nach Pandemie und Unfällen

Das sind die Probleme der Freizeitparks

Von Jakob Arnold
16.08.2022
, 10:38
Nervenkitzel: Der Europa-Park Rust kann, anders als viele kleinere Vertreter der Branche, regelmäßig in neue Attraktionen investieren.
Während der Pandemie mussten Vergnügungsparks als erstes schließen. Jetzt kam es in zwei Parks zu Unfällen. Wie geht es weiter?
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Als hätte die Branche nicht schon genug Sorgen: Nachdem sich die Vergnügungsparks in Deutschland langsam von den Folgen der Corona-Pandemie erholten, kam es zuletzt im Legoland in Günzburg zu einem Achterbahnunfall; dabei verletzten sich 31 Personen, eine davon schwer. In Klotten in Rheinland-Pfalz verunglückte eine Frau nach einem Sturz aus einer Bahn; sie überlebte nicht. Die Unglücke treffen die deutschen Freizeitparks in einer Phase anhaltender Unsicherheit.

Im Jahr 2021 lagen die Besucherzahlen etwa 65 Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau. In diesem Jahr dürfte der Branchenumsatz wieder deutlich ansteigen, zumindest auf rund 80 Prozent des Wertes von 2019. Das ist die Prognose von Chris Merklein, Branchenanalyst für das Marktforschungsunternehmen IbisWorld. Genaue Umsatzzahlen der Branche liegen nicht vor. Seiner Einschätzung nach geht unter vielen Betreibern die Furcht vor einer abermaligen Schließung im Herbst und Winter um. „Die Parks haben sich auf Hygienemaßnahmen eingestellt und könnten leichte Verschärfungen wie begrenzte Besucherzahlen einigermaßen gut verkraften“, sagt er. Am stärksten betroffen wären Merklein zufolge vor allem kleine Betriebe.

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Leuchttürme auf dem Land

Würde man alle Einrichtungen zusammenzählen, in denen Menschen ihre Freizeit verbringen, käme man hierzulande auf eine vierstellige Zahl. Der Verband Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen (VDFU) vertritt die größten Unternehmen des Sektors. Darunter zählt der Verband Parks, die jedes Jahr von mindestens 100.000 Menschen besucht werden. Davon gibt es in Deutschland mehr als 100, die zusammen 150.000 Mitarbeiter beschäftigen und im Schnitt 40 Millionen Gäste im Jahr anziehen. Fast jeder fünfte Gast kommt aus dem Ausland.

Der Geschäftsführer des VDFU, Jürgen Gevers, betont die wirtschaftliche Bedeutung seiner Mitgliedsunternehmen: „Freizeitparks stehen häufig im strukturschwachen, ländlichen Raum und sind dort touristische Leuchttürme und regionale Jobmotoren.“ Etwa 15 Prozent aller Besucher gehen in den Europa-Park im baden-württembergischen Rust. Gemessen an der Besucherzahl, ist er der größte Erlebnispark Deutschlands. Neben dem Branchenprimus kommt auch der älteste Freizeitpark aus dem Ländle. Der Erlebnispark Tripsdrill wird in sieben Jahren 100 Jahre alt.

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Riskante Investitionen

Wie der Europa Park Rust und Tripsdrill ist das Gros der Branche inhabergeführt. Da die meisten Betreiber für einen Park verantwortlich sind, ist die Marktkonzentration innerhalb der Branche gering. „Die vier größten Betreiber von Freizeitparks kommen gemeinsam auf einen Marktanteil von 31,7 Prozent“, sagt Branchenkenner Merklein.

Er beobachtet eine wachsende Beliebtheit der Parks: „Bis zur Corona-Krise haben sich die Besucherzahlen in deutschen Vergnügungs- und Themenparks, trotz Preiserhöhungen bei Eintrittskarten, fast stetig erhöht.“ Davon profitieren auch die kleineren Parks. Langfristig würden es diese aber schwer haben. „Um am äußerst umkämpften Markt erfolgreich zu sein, müssen die Anbieter regelmäßig in neue Attraktionen investieren.“ Diese sind allerdings teuer, und je kleiner der Park, desto riskanter die Investitionen. Wer einmal danebengreift, kann schnell vom Markt verschwinden. Während der Pandemie mussten Merklein zufolge viele kleine Betriebe diese schmerzhafte Erfahrung machen. Er erwartet deshalb, dass die Marktkonzentration in den nächsten Jahren zunehmen wird.

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Branchenkreisen zufolge erfreuen sich vor allem die großen Parks hoher Gewinnmargen jenseits der 15 Prozent, die als Durchschnittswert gelten. In die Taschen der Betreiber wandert jedoch nur ein geringer Teil davon. Häufig wird stattdessen direkt reinvestiert, entweder in neue Publikumsmagnete oder um Rücklagen für die Zukunft zu bilden. Verbandschef Gevers beobachtet aktuell drei steigende Kostenfaktoren: Energie-, Lohn- und Baukosten. „Der akute Mangel an Arbeitskräften stellt manche Freizeitparks vor enorme Herausforderungen, gastronomische Serviceangebote aufrechterhalten zu können“, sagt er.

Neue Technologien als Lichtblicke

Auch gestörte Lieferketten belasten die Branche. „Die Lieferzeiten für Lebensmittel und Verbrauchsgüter, aber auch Merchandisingartikel haben sich enorm verlängert. Ich habe erst neulich mit einem Betreiber gesprochen, der schon jetzt für den nächsten Januar Bestellungen aufgeben musste.“ Politisch spürt Gevers kaum Rückenwind. Viele Bäder, Zoos, Wildparks und andere Freizeiteinrichtungen würden kommunal subventioniert und profitierten darüber hinaus von reduzierten Mehrwertsteuersätzen oder der Mehrwertsteuerbefreiung bei Eintrittsentgelten. „Unsere Mitgliedsunternehmen zahlen 19 Prozent und bekommen keinen Cent.“

Der Zukunft schauen Merklein und Gevers trotzdem positiv entgegen. Grund dafür ist die ständige Weiterentwicklung der Branche. Beispiele hierfür sind die Kombination von Virtual Reality und herkömmlichen Fahrgeschäften, außerdem Apps, die einen aktuellen Überblick über Parks mit virtuellen Karten und Warteschlangen liefern, sowie Investitionen in überdachte Attraktionen, um ganzjährig Besucher anzulocken.

Quelle: F.A.Z.
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