Unternehmensgründer

Mit Koffein, Glück und Geduld

Von Henrike Roßbach
04.05.2009
, 06:35
Mirco Wolf Wiegert und Lorenz Hampl (v.l.), die Erfinder der Fritz-Kola
Hauptsache selbständig sagten sich Mirco Wiegert und Lorenz Hampl während ihres Studiums. Mit ihrer Fritz-Kola wollen sie heute den Getränkeriesen Coca-Cola ärgern. Und genau wie der Über-Konkurrent aus Amerika halten auch die beiden Gründer das Rezept überaus geheim.
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Kennengelernt haben sie sich vor zwanzig Jahren bei den Pfadfindern. In ihrer Kluft, mit Halstuch und Lederknoten waren Mirco Wiegert und Lorenz Hampl allzeit bereit für ein Abenteuer. Damals war „Abenteuer“ für die beiden Freunde gleichbedeutend mit Fährten lesen und Höhlen erforschen. Vor sechs Jahren aber machten sie sich auf zu einem Abenteuer der ganz anderen Art: Sie gründeten ein Unternehmen.

Ihr Büro liegt in einer ehemaligen Seifenfabrik im Hamburger Stadtteil Billbroock. Ein rumpeliger Aufzug ruckelt in den dritten Stock, wo sich mehrere kleine Firmen niedergelassen haben; eine Art Gründer-WG, in der man sich gegenseitig in Ruhe lässt. Hampl, 32 Jahre, und Wiegert, 31 Jahre, sitzen am Konferenztisch im Großraumbüro, vor ihnen eine Schale mit Schokolade. Die Sonne scheint durch die Fabrikfenster, an den Wänden lehnen Holzregale, in der Mitte des Raums steht ein Tischkicker, wie es sich für hippe Jungunternehmen gehört.

Hauptsache selbständig

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Hauptsache selbständig - das war es, was die beiden Hamburger antrieb. „Das Produkt war eigentlich egal“, sagt Hampl. Im eigenen Unternehmen könne man sich verwirklichen, sagen beide, man könne Ideen schneller umsetzen und habe größere Freiheiten - etwa wann man arbeitet und mit wem. Seit sie einmal vier Wochen lang im Zug durch Europa reisten, führten die beiden ein Ideenbuch. Was sie nicht alles gründen wollten: einen Bocadillo-Laden - die spanische Version einer Stulle -, ein Café, eine Bar, ein Hostel, ein Schuhgeschäft, „sogar eine Putzkolonne und einen Hausmeisterservice und so einen Müll“, sagt Wiegert und grinst.

Das Problem mit all dem war - das gab es schon. Dann aber hatten sie einen Einfall, von dem sie sofort wussten: „Das ist es!“ Eine neue Cola wollten sie erfinden, eine für Erwachsene, weniger süß, dafür mit ordentlich viel Koffein. „Von allen Ideen hat das am meisten Spaß versprochen“, sagt Hampl.

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Obskure Zutatenliste

Damals, im Frühjahr 2002, waren sie Studenten, Wiegert studierte Außenwirtschaft, Hampl Medientechnik. Vorher hatten sie beide eine Ausbildung gemacht, als Speditionskaufmann beziehungsweise Elektroniker. Davon, wie eine Cola hergestellt wird, hatten sie keine Ahnung, aber davon, wie sie schmecken sollte, hatten sie sehr genaue Vorstellungen. „Google hilft“, sagt Wiegert über die Suche nach einem Rezept. Doch sie stellten schnell fest, dass ein solches Getränk zu kompliziert ist für die eigene Küche. Der erste Apotheker, bei dem sie ihr Glück versuchten, schmiss sie ob ihrer obskuren Zutatenliste - Kokablätter, Koffein und lauter Aromen in Mini-Dosierungen - raus. Also wandten sie sich an einen Lebensmittelfachmann, der für sie jene Cola entwickelte, die ihnen vorschwebte.

Sie tauften sie „Fritz-Kola“, weil sie das einen „feinen norddeutschen Namen“ fanden, und spürten eine Brauerei auf, die bereit war, die ersten 170 Kisten à 24 Flaschen abzufüllen. „Die Bedingung war, dass wir bar bezahlen“, sagt Hampl. Das Geld schafften sie herbei, indem sie zwei Bausparverträge über zusammen 7000 Euro auflösten. Zunächst lagerten sie die Kisten bei ihren Eltern und Großeltern. Als sie mit dem gemieteten Lastwagen vor dem Haus standen, seien seine Eltern schon erschrocken gewesen, erzählt Wiegert. „Was tut ihr euch da an?“, hätten sie gefragt.

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Logo aus der Not geboren

Im Februar 2003 gründeten die beiden ganz offiziell ihre Firma; die Fritz-Kola Hampl und Wiegert GbR. Das Logo für die Flaschen hatten sie selbst entwickelt. Weil sie kein Geld hatten, um über eine Marketingagentur eventuelle Urheberrechtsprobleme prüfen zu lassen, nahmen sie einfach ihre beiden Köpfe als Logo. Sie zogen los, von Kneipe zu Kneipe, um den Hamburger Wirten ihre Limo vorzustellen. Manch einer setzte sie vor die Tür, viele aber kauften ihnen eine Kiste ab. Von dem Geld ließen sie die nächsten 170 Kisten abfüllen - und die nächsten und die nächsten.

Ein Jahr nach der Gründung wurde die Fritz-Kola-Familie größer, Frucht-Limonaden kamen dazu. Nach drei Jahren brauchten sie den gemieteten Laster nicht mehr, es gelang ihnen, beim Getränkefachgroßhandel unterzukommen. Seither erreichen die Flaschen mit dem schwarzweißen Etikett („vielviel Koffein“) auf diesem Vertriebsweg Gastronomie und Einzelhandel. Daran, wie schwierig es war, diese Hürde zu nehmen, erinnert im Büro das eingerahmte Schreiben eines Großhändlers, der auf zwei Seiten und in zahlreichen Unterpunkten die Vertragsbedingungen aufgelistet hatte.

Nach vier Jahren erstes Gehalt

2005 bezogen die Gründer ihr erstes richtiges Lager, 2007 ein Büro. Da hatten sie schon Angestellte - einen Lageristen und eine Bürokraft - und konnten auch sich selbst ein Gehalt zahlen. Heute hat Fritz-Kola sieben Mitarbeiter, hinzu kommen freie Außendienstler. „Wir sind eine ganz kleine Firma“, sagt Wiegert und meint das durchaus kokett. Denn nichts ist den Hamburgern lieber, als unterschätzt zu werden von der mächtigen Konkurrenz, allen voran von Coca-Cola.

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Genau wie beim Über-Konkurrenten aus Amerika ist auch bei Fritz-Kola das Rezept überaus geheim. „Da haben wir es eingeschlossen“, sagt Wiegert und zeigt auf einen Metallschrank. Überhaupt legen die beiden großen Wert auf Geheimnistuerei. Wer ihr Rezept entwickelt hat, wer ihre Abfüller sind, wie viele Flaschen sie jährlich abfüllen und wie hoch ihr Umsatz ist - alles streng geheim. Der Konkurrenzkampf auf dem Getränkemarkt sei hart, sagen sie, da sei es gut, wenn die anderen nicht genau wüssten, wer ihnen den Platz an der Theke und im Supermarktregal streitig macht. Entlocken lassen sie sich nur, dass sie bei den jährlich abgefüllten Flaschen die Millionengrenze schon länger überschritten haben und dass sich Absatz und Umsatz jedes Jahr verdoppeln.

Auch die eigenen Abfüllanlage ist nicht ausgeschlossen

Fehler, sagen die beiden, hätten sie in den vergangenen Jahren jede Menge gemacht. Noch heute gehe immer wieder etwas schief, wie neulich, als sie ihre Fritz-Kola in Kartons statt Kisten verkaufen wollten, die Großhändler die Charge nicht loswurden, sie ihnen wieder auf den Hof stellten und das Geld zurückverlangten. Sie mussten alles wieder umpacken. „Acht Wochen Lager-Olympiade“, sagt Wiegert. Doch all die Fehler seien „in Ordnung“ gewesen, sagt Hampl, so hätten sie gelernt.

Für die Zukunft gibt es wenig, was die beiden ausschließen, nicht einmal eine eigene Abfüllanlage. „Die kostet doch nur 25 Millionen Euro“, sagt Wiegert und muss selbst lachen über das „nur“ in seinem Satz. Erst einmal aber wollen sie weitere Länder erobern, in einigen, wie Spanien oder der Schweiz, gibt es Fritz-Kola schon jetzt. „Es läuft nicht durch Wunder“, sagt Wiegert, „nur mit Glück und Geduld.“

Quelle: F.A.Z.
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