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Vereinigte Staaten

Der Opioid-Konzern will als gute Stiftung neu geboren werden

Von Winand von Petersdorff
 - 07:09
Medikamente des Schmerzmittelherstellers Purdue

Die juristische Aufarbeitung der tödlichen Rauschgift-Krise um süchtig machende Schmerzmittel in den Vereinigten Staaten schreitet voran: Vertreter der Firma Purdue Pharma haben offenbar in Vergleichsverhandlungen 10 bis 12 Milliarden Dollar angeboten, um mehr als 2.000 Klagen von Kommunen, Bundesstaaten und Privatpersonen beizulegen. Das haben Staatsanwälte und Verteidiger nach einer Gesprächsrunde in Columbus berichtet.

Der Plan sieht offenbar vor, dass Purdue Pharma in Konkurs geht, bei dem die Sackler-Familie, die die bisher Anteile hält, ihr Eigentum aufgibt. Danach lebt Purdue Pharma als öffentliches Stiftungsunternehmen wieder auf, das ihre Gewinne verwendet, um Opfer zu entschädigen.

Lange Jahre der Klagen

Das Unternehmen selbst allerdings bestätigte nur, dass es an einer globalen Lösung arbeite im engen Austausch mit den Klägern. Es wolle lange Jahre der Klagen und Gegenklagen vermeiden. Im März hatte Purdue Pharma bereits einen Vergleich mit dem Bundesstaat Oklahoma erreicht, der gegen Zahlung von 270 Millionen Dollar seine Klage zurücknahm.

In den vergangenen 20 Jahren sind in den Vereinigten Staaten mehr 400.000 Menschen an einer Überdosis von Schmerzmitteln und Rauschgiften gestorben. Opium-ähnliche Schmerzmittel, oft vom Arzt verschrieben, haben sich als Einstiegsdroge erwiesen: 80 Prozent der Heroin-Konsumenten haben vorher verschreibungspflichtige Betäubungsmittel missbraucht. Das heißt: Sie haben mehr davon genommen als vom Arzt erlaubt. Knapp 30 Prozent der Patienten, die starke Schmerzmittel mit Opioiden einnahmen, wurden davon nach Angaben des Nationalen Instituts für Drogenmissbrauch süchtig.

Purdue ist bei weitem nicht der einzige Produzent von Medikamenten dieser Klasse. Das Unternehmen hat aber das besonders beliebte Oxycontin entwickelt und mit aggressiven Marketing-Methoden vermarktet: Es hat Ärzte dazu gebracht, das Mittel zu verschreiben. Auffällig ist, dass das Opioid-haltigen Medikament auch in anderen Ländern verfügbar ist, ohne das dort vergleichbare Krisen aufgetreten sind.

Urteil gegen Johnson & Johnson

Das Interesse der Firma, den Fall ein für alle Mal beizulegen wird verständlich vor dem Hintergrund einer Gerichtsentscheidung in Oklahoma: Zu Beginn der Woche hat ein Richter dort die Firma Johnson & Johnson zu einer Strafe in Höhe von 572 Millionen Dollar verurteilt für falsche, irreführende und gefährliche Verkaufsstrategien opioidhaltiger Mittel.

Unklar ist noch, ob die Kläger bereit sind, das Privatvermögen der Sackler-Familie unangetastet zu lasten. Die letzten Familien-Mitglieder haben voriges Jahr den Verwaltungsrat des Unternehmens verlassen. In den finanziell guten Jahren haben die Familien-Mitglieder dreistellige Millionenbeträge ausgeschüttet bekommen. Familienmitglieder haben viel Geld an kulturelle Institutionen in New York und Boston gespendet.

Quelle: FAZ.NET
Winand von Petersdorff-Campen - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitun
Winand von Petersdorff-Campen
Wirtschaftskorrespondent in Washington.
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