Volkswagen

Mit tausenden Stellenstreichungen in die Zukunft

Von Carsten Germis, Wolfsburg
Aktualisiert am 13.03.2019
 - 08:33
Ein Mitarbeiter zeigt ein VW Logo kurz vor Einbau in einen Volkswagen Touran in der Endmontage im VW Werk.
Europas größter Autobauer arbeitet bereits ein umfangreiches Sparprogramm ab. Aber der Konzern kündigt nun weitere Schritte an, um zusätzliche Millionen-Investitionen stemmen zu können.

Die Marke Volkswagen verschärft ihren Sparkurs, um deutlich höhere Investitionen in die Elektromobilität stemmen zu können. Die Kosten sollen ab 2023 um 5,9 Milliarden Euro im Jahr gesenkt werden, teilte der Vorstand von VW am Mittwoch in Wolfsburg mit.

Dazu sollen bis 2023 etwa 5000 bis 7000 Stellen von ausscheidenden Mitarbeitern nicht wieder besetzt werden. Erste Gespräche mit dem Betriebsrat habe es darüber bereits gegeben. „Beiden Seiten ist bewusst, dass durch die verstärkte Automatisierung von Routineaufgaben künftig weniger Stellen in der Verwaltung benötigt werden“, sagte der Operative Vorstand der Marke VW, Ralf Brandstätter in Wolfsburg. Nur wenn VW effizienter werde, ließen sich die zusätzlichen Investitionen stemmen und eine wettbewerbsfähige Rendite von 6 Prozent erreichen.

Brandstätter nannte drei Herausforderungen, die die Marke zeitgleich in den nächsten Jahren habe. VW müsse die steigenden Kosten für die konsequente Reduzierung des CO2-Ausstoßes abfedern und gleichzeitig die notwendigen, bis 2023 deutlich um 8 auf 19 Milliarden Euro erhöhten Investitionen für den Umstieg auf die Elektromobilität und das autonome Fahren aufbringen. „Und wir müssen unser Renditeniveau weiter in Richtung 6 Prozent verbessern, um unserem strategischen Anspruch in unserer Industrie gerecht zu werden“, sagte Brandstätter. 2022 will er dieses Ziel erreicht haben.

VW steigert Umsatz, aber verfehlt Renditeziel

2018 hat die Marke ihr Renditeziel von 4 Prozent mit 3,8 Prozent verfehlt - auch wegen der gravierenden Probleme bei der Umstellung auf den neuen europäischen Abgas-Prüfzyklus WLTP. Marken-Finanzvorstand Arno Antlitz sagte, die WLTP-Umstellung habe das Ergebnis mit rund 500 Millionen Euro belastet. Dazu kamen die Rabatte mit der Umweltprämie, die mit rund 360 Millionen Euro zu Buche schlugen. Mit 3,7 Millionen ausgelieferten Autos konnte die Marke VW ihren Umsatz 2018 um fast 7 Prozent auf 84,6 Milliarden Euro steigern. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen lag bei 3,2 Milliarden Euro.

Die Marke VW rechnet jetzt bis 2023 mit rund 19 Milliarden Investitionen in die Wende zur Elektromobilität und zum vernetzten Auto. 4,6 Milliarden Euro davon sollen in die sogenannte „Digitalisierungs-Roadmap“ fließen, mit der VW seine Mitarbeiter für das Auto der Zukunft qualifizieren, aber auch die Verwaltung digitalisieren und am Ende mit deutlich weniger Mitarbeitern auskommen will. Brandstätter sprach von 15 Prozent, um die VW in der Verwaltung bis 2023 Personalbedarf und Sachgemeinkosten senken wolle. Von den bereits geplanten 3 Milliarden Euro an jährlichen Kostensenkungen sind nach Angaben des Managers bislang rund 2,4 Milliarden realisiert worden. Netto wurden bei VW mehr als 6300 Stellen bereits im Rahmen des 2016 vereinbarten Zukunftspakts gestrichen, hieß es.

VW will seine Investitionen in die Elektromobilität bis 2023 auf insgesamt 19 Milliarden Euro hochfahren. Das sind 8 Milliarden Euro mehr als ursprünglich für die Jahre 2019 bis 2023 vorgesehen waren. Mit seinen zusätzlichen Sparmaßnahmen will Brandstätter das Ziel erreichen, diese Investitionen aus eigener Kraft zu stemmen.

Stellenabbau wegen Automatisierung

Allein in die Digitalisierung der Verwaltung und neue IT-Systeme steckt VW 4,6 Milliarden Euro. Durch die damit verbundene Automatisierung von Routinearbeiten fallen die zusätzlichen etwa 5000 bis 7000 Stellen weg, die durch sozialverträgliche Altersteilzeit abgebaut werden. Management und Betriebsrat haben bei VW bis 2025 eine Beschäftigungssicherung vereinbart. Die Stellenstreichungen sollen daher entlang der demographischen Kurve möglich gemacht werden.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Germis, Carsten (cag.)
Carsten Germis
Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
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