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Corona-Moral

Geld oder Leben?

Von Julia Löhr, Berlin
Aktualisiert am 26.03.2020
 - 08:14
Das Kaufhaus des Westens in Berlin geschlossen: Wie lange geht es den Einzelhändlern und Unternehmen gut? Bild: dpa
Das Virus kostet Menschenleben – eine Rezession birgt aber auch große Gefahren. Was wiegt schwerer, und was folgt daraus? Deutschland steht eine heikle Debatte bevor.

Seit bald zwei Wochen steht das Wirtschaftsleben in Deutschland weitgehend still, und immer deutlicher zeichnet sich ab, welche enormen wirtschaftlichen Schäden die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus nach sich ziehen. Um mehr als 700 Milliarden Euro könnte Deutschland durch eine dreimonatige Teilschließung der Wirtschaft ärmer werden, hat das Münchner Ifo-Institut ausgerechnet. Der jetzt im Eiltempo verabschiedete Nachtragshaushalt von 156 Milliarden Euro kann voraussichtlich nur einen kleinen Teil der Einbußen von Arbeitnehmern und Unternehmen abfedern. Noch will kaum jemand darüber offen diskutieren, aber die Frage nach der Verhältnismäßigkeit drängt sich auf. Rechtfertigt der Schutz einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, für die das Virus lebensbedrohlich ist, erhebliche Teile der Gesellschaft in wirtschaftliche Existenzängste zu stürzen?

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Der amerikanische Präsident Donald Trump, der frühere Goldman-Sachs-Manager Alexander Dibelius, der Ökonom Thomas Straubhaar: Sie alle haben in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, dass sie den Preis der Schutzmaßnahmen für zu hoch halten, dass es aus ihrer Sicht besser wäre, nur hochbetagte oder durch schwere Vorerkrankungen geschwächte Menschen zum Zuhausebleiben aufzurufen. Die Medizin sei schlimmer als die Krankheit, so sieht es nun auch Trump. Er warnt: Auch eine Rezession werde zu vielen Toten führen.

Quelle: F.A.Z.
Julia Löhr
Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
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