FAZ plus ArtikelWeinanbau und Klimawandel

Was wird aus dem Riesling?

Von Bernd Freytag
17.09.2021
, 10:25
Rieslinglese im Rheingau
Der Klimawandel wird den Weinanbau verändern. Erste Weingüter machen schon Schluss mit Riesling, dem König der Weine. Die Angst vor den Folgen der Erderwärmung ist aber nicht bei allen Winzern gleich.

Riesling – das ist unbestritten der König unter den Weinen. Bekannt auf der ganzen Welt, fast ein Synonym für deutschen Wein. Schlank und elegant kann er sein, gehaltvoll und doch leicht. Mit fruchtiger Säure und je nach Terroir einer Fülle von Aromen: Weinbergpfirsich, Apfel, Zitrusfrucht, Honig, Gras. Wenn es ihm zu warm wird, kann er aber auch anders, dann schmeckt er auch schon mal nach „Petrol“. Eine Fehlnote, wie die Winzer es nennen; eine, die an Petroleum erinnert und Kerosin.Das Problem trat lange nur bei Rieslingen von der Südhalbkugel auf.

1,1,6-Trimethyl-1,2-dihydronaphthalin nennt es die Wissenschaft, kurz TDN. Die Verbindung ist ein Abbauprodukt der Carotinoide, die bei erhöhter Sonneneinstrahlung als Schutz in die Beerenhaut eingelagert werden. In geringen Konzentrationen verleiht TDN eine für den Riesling typische und geschätzte „Firne“, in höheren Konzentrationen allerdings wird sie zum geschmacklichen Problem. „Aufgrund der globalen Erwärmung wird erwartet, dass die TDN-Gehalte in Rieslingen weiter steigen werden“, heißt es in einem gemeinsamen Forschungsbericht des Instituts für Weinbau und Oenologie aus Neustadt an der Weinstraße und der Universität Braunschweig. Die Forschenden haben auch schon Maßnahmen entwickelt, mit denen die Winzerinnen und Winzer das Problem in den Griff bekommen können: vor allem Lesegut und Weine kühl halten, auch beim Transport, spezielle Filter nutzen und bei Neuanpflanzungen andere Unterlagsreben verwenden. So könnten deutsche Winzer unter veränderten klimatischen Bedingungen „weiterhin Rieslingweine und -sekte von hoher Qualität erzeugen“.

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Grüner Veltliner und Zweigelt gegen den Corona-Blues

Die Seuche bringt Deutsche verstärkt auf österreichischen Rebensaft. Im vergangenen Jahr wurden rund 33.000 Hektoliter Wein aus Österreich nach Deutschland eingeführt, mindestens 7,1 Prozent mehr als nach endgültigen Daten ein Jahr zuvor, wie das Deutsche Weininstitut mitteilte. Dagegen hat sich die Ausfuhr deutscher Weine nach Österreich auf 10.000 Hektoliter mehr als halbiert.

Möglicherweise trinken die Österreicher mehr deutschen Wein, wenn es mit dem neuen Weinrecht mehr Auskunft über Herkunftsprofile für die 13 deutschen Anbaugebiete gibt. Zwischen Bregenz und Eisenstadt hat seit 2003 bereits der Großteil der eineinhalb Dutzend Weinbaugebiete festgelegt, was ihre jeweils gebietstypischen Qualitätsweine sein sollen. Das Kürzel dafür heißt DAC – nach der lateinischen Bezeichnung „Districtus Austriae Controllatus“. Für den Export ist das DAC wichtig, um eine klare Struktur zeigen zu können, heißt es bei Winzern.

Österreichs Winzer rechnen dieses Jahr mit einer guten Ernte und stabilen Preisen. Die Menge dürfte sich auf dem Vorjahresniveau von 2,4 Millionen Hektoliter einpendeln. Die Haupternte wird in diesem Jahr – witterungsbedingt etwas später als in anderen Jahren – ab dem 20. September starten. In den meisten Weinanbaugebieten wird die Hauptlese Ende September oder Anfang Oktober stattfinden. Die erwartete, qualitativ gute Erntemenge fällt im langjährigen Vergleich durchschnittlich aus. Die klimatische Situation und die Unwetter haben viele Winzer gefordert. Das „extreme Wetter“ im Juni mit vielen Hitzetagen, Unwettern und Hagel habe zahlreiche Rebflächen geschädigt. Eine spätere Blüte und ein vergleichsweise kühler August seien für die langsamere Entwicklung der Reben verantwortlich. Die Winzer blieben aber von Spätfrostschäden verschont. Die aktuelle, nicht zu heiße Hochwetterlage hilft den Weinbauern und lässt die Trauben nun weiter gut reifen. Der Weinbauverband-Präsident hofft „auf einen goldenen Herbst“.

Die coronabedingt geschlossene Gastronomie und Hotellerie hat die Weinbauern im Vorjahr und heuer hart getroffen. Höhere Verkäufe im Lebensmitteleinzelhandel und im Online- sowie Ab-Hof-Geschäft konnten bei vielen Betrieben das Gastro-Absatzminus aber nicht ausgleichen. Seit den Öffnungsschritten hat sich die Lage aber deutlich gebessert. Derzeit gebe es eine stabile Situation am Weinmarkt und bei den Traubenpreisen, heißt es im Weinbau-Verband. Durch die späte Ernte in Österreich könne auch der Jahrgang 2020 noch deutlich länger verkauft werden.

Österreich ist traditionell auf Weißwein ausgerichtet. Fast zwei Drittel der Anbauflächen sind mit weißen Rebsorten bestockt. Grüner Veltliner und Welschriesling sind bekannte Aushängeschilder. Unter den Rotweinsorten dominieren Zweigelt und Blaufränkisch.

Quelle: F.A.Z.
Bernd Freytag  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Bernd Freytag
Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.
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