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WPP-Chef Martin Sorrell

Eine Legende der Werbewelt tritt ab

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Der Chef der weltgrößten Werbeagentur WPP, Martin Sorrell, nimmt nach einer internen Untersuchung seinen Hut. Der 73-Jährige erklärte am Wochenende, sein Rücktritt sei im besten Interesse der Agentur. Sorrell führt den Konzern seit über 30 Jahren. Dem britischen Unternehmen zufolge, zu dem unter anderem die deutsche Agentur Scholz & Friends gehört, läuft eine interne Untersuchung, ob Sorrell Firmeneigentum unrechtmäßig genutzt habe. Sorrell wies die Vorwürfe zurück.

Martin Sorrell hat einmal gesagt: „WPP ist keine Frage von Leben und Tod. WPP ist wichtiger als das.“ Der Name der Werbeagentur ist untrennbar mit seiner Person verbunden. Der Brite hat vor mehr als 30 Jahren die kleine „Wire and Plastic Products“, die damals noch Einkaufswagen für Supermärkte baute, mit seiner 1-Million-Pfund-Abfindung vom Werbekonzern Saatchi & Saatchi gekauft und über die Jahre zum größten Werbekonzern der Welt mit 130.000 Mitarbeitern und Hunderten Agenturen in 112 Ländern ausgebaut.

200 Millionen Pfund Gehalt in fünf Jahren

Allerdings war er nicht über jede Kritik erhaben. Sein üppiges Einkommen hat in den vergangenen Jahren in Großbritannien regelmäßig hohe Wellen geschlagen. Binnen fünf Jahren hat Sorrell mehr als 200 Millionen Pfund eingestrichen – durchschnittlich rund 40 Millionen. Fürs vergangene Jahr bekam er deutlich weniger, aber immer noch mehr als zehn Millionen Pfund. Das lag daran, dass auch das Geschäftsergebnis von WPP im vergangenen Jahr schlecht ausfiel. Allein am 1. März, als das Unternehmen seine Jahreszahlen veröffentlichte, rutschte die Notierung um 8 Prozent ab.

„Kein schönes Jahr“ habe WPP hinter sich, sagte Sorrell und räumte ein, dass er unter Druck stehe. Aus seinem Mund klangen diese Worte nach Demut. Noch vor einigen Jahren hat er sein damaliges, noch sehr viel höheres Einkommen mit den Worten verteidigt: „Wenn Großbritannien Weltklasse-Champions in der privaten Wirtschaft haben will, dann müssen wir wettbewerbsfähige Gehälter zahlen.“

WPP

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WPP hat auch geschäftlich Schwierigkeiten

Mittlerweile sieht WPP nicht mehr wie ein Champion aus. Die Umsatzentwicklung im vergangenen Jahr war die schwächste seit 2009, als die Weltwirtschaft von der Weltfinanzkrise heimgesucht worden war. Anders als damals kann von einer Krise in der globalen Wirtschaft derzeit nicht die Rede sein. Und dennoch hat WPP Probleme. Gefragt, ob sein Unternehmen mit vorübergehenden zyklischen oder grundlegenden strukturellen Problemen kämpfe, antwortete der Werbeveteran: „Ein bisschen von beidem.“ Auch 2018 werde schwierig.

Der gravierendere Faktor seien die kurzfristigen Belastungen, glaubte Sorrell: Große Konsumgüterkonzerne wie Unilever und Procter & Gamble kürzen ihre Marketingbudgets und machen damit WPP das Leben schwer. Doch die Investoren an der Börse stellen auch eine viel grundlegendere Frage: Ist das traditionelle Geschäftsmodell der Werbeagenturen insgesamt bedroht? Sie befürchten, dass Internetkonzerne wie Google und Facebook als Anbieter von Werbeflächen in Zukunft immer stärker direkt mit werbetreibenden Unternehmen Geschäfte machen, ohne die Werbeagenturen als Intermediäre.

Dann allerdings kamen die persönliche Vorwürfen gegen ihn. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll der Verwaltungsratsvorsitzende Roberto Quarta die Leitung des Unternehmens übernehmen.

Quelle: bern./joja./theu./Reuters
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