FAZ plus ArtikelWürth-Chef im F.A.Z.-Gespräch

Die Welt der Lieferketten spielt verrückt

Von Susanne Preuß
20.10.2021
, 08:50
Eine Welt voller Schrauben: Produkte von Würth sind derzeit äußerst begehrt – doch kann das Unternehmen gar nicht alle Aufträge abarbeiten.
Gut 50 Prozent mehr Bestellungen für Holzschrauben, gestoppte Produktion in China, zehnfache Frachtraten: Der langjährige Würth-Chef Robert Friedmann spricht über die dramatische Liefersituation.
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Herr Friedmann, Engpässe hier, Preisexplosionen da – in diesem Umfeld sitzt man mit Kunden in vielen Branchen doch zwischen allen Stühlen. Können Sie noch ruhig schlafen?

Letztes Jahr hat mir tatsächlich das ein oder andere den Schlaf geraubt. Da ging es ja wirklich um existenzielle Probleme. Man sah die schrecklichen Bilder aus Italien und wusste nicht, wie lebensbedrohlich die Lage durch das Coronavirus noch wird. In dieser Situation kam dann auch noch während einer Führungskräftekonferenz die Sorge auf, dass in Italien unsere Kunden ihre Rechnungen nicht bezahlen könnten. Da machen wir einen Monatsumsatz von über 100 Millionen Euro. Wie lange würde man so etwas aushalten können? Die Zeit im März, April 2020 werde ich nie vergessen. Verglichen damit, wirken die aktuellen Sorgen beherrschbar.

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Eine steile Karriere bei Würth

Nächstes Jahr kann Robert Friedmann 30 Jahre Arbeit bei Würth feiern. Doch es ist gut möglich, dass er auch noch zum 40-Jahr-Jubiläum Würth-Chef sein wird – denn es läuft gut. Seit Friedmann im Jahr 2005 als Würth-Chef berufen wurde, stieg die Zahl der Mitarbeiter von 46.000 auf über 82.000 und der Umsatz von 6 auf 16 Milliarden Euro. Die Corona-Krise hat ihn zwar manchmal um den Schlaf gebracht, aber Friedmann wusste aus der Krise 2009, dass man das Unternehmen am Laufen halten muss, um im richtigen Augenblick durchstarten zu können. So wirkt eine 750-Millionen-Anleihe aus heutiger Sicht zwar wie Ballast, hat vorigen Sommer aber für die nötige Stabilität gesorgt und (zusammen mit der ruhigen Hand des heute 86 Jahre alten Patrons Reinhold Würth) für Zuversicht in der Belegschaft.

Ungewöhnlich ist nicht nur die lange Verweildauer an der Spitze des Konzerns, sondern durchaus schon der Start: Robert Friedmann, geboren 1966 in Lindau, war gerade erst 26 Jahre alt, als er Assistent in der Würth-Konzernführung wurde. Da hatte er schon eine Lehre als Indus­triekaufmann hinter sich, ein Studium an der Hochschule Pforzheim abgeschlossen und einen MBA der Indiana University in Bloomington in der Tasche. Fünf Jahre später bekam er die Verantwortung für eine Tochtergesellschaft übertragen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Preuss, Susanne
Susanne Preuß
Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.
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