Erste Öffnungen

Wo aus Urlaubsträumen Reisen werden

Von Timo Kotowski
06.05.2021
, 14:24
Leuchtturm auf Hiddensee: Mecklenburg-Vorpommern ist für Urlauber noch nicht offen.
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Schleswig-Holstein macht den Pfingsturlaub möglich, anderswo sind Touristen noch nicht willkommen. Tests und Maske gehören meist zu den Ferien dazu, manchmal auch die Quarantäne. Ein Überblick.
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Urlaub, mehr als nur ein Traum. Noch im Mai öffnen sich Regionen nach langer Corona-Pause für Touristen. Schon Pfingsten am Ostseestrand, am Nordseedeich oder am Plöner See – das wird in Schleswig-Holstein möglich. Das nördlichste Bundesland gibt den Urlaub für Landkreise frei, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz weniger als 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner ausweist.

Und das heißt bei den aktuellen Zahlen: Das ganze Bundesland ist wieder bereisbar. Anderswo gibt es noch nicht so viele Lockerungen, regiert die Vorsicht. Vorerst führt die Urlaubsplanung zu einem Flickentepppich – sowohl für das Inland, erst recht für das Ausland.

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Schleswig-Holstein öffnet hierzulande am stärksten. Im Gespräch mit der „Bild“-Zeitung erklärte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), dass nicht nur Hotels, Gaststätten und Ferienwohnungen vom 17. Mai öffnen dürfen. Auch Freizeitparks und Ausflugsschiffe sollen – unter Schutzmaßnahmen – wieder starten dürfen. Schleswig-Holstein weist auch seit Wochen durchgehend die niedrigste Sieben-Tage-Inzidenz aller 16 Bundesländer aus.

Für das gesamte Land lag der Wert am Mittwoch bei 55 Neuinfektionen je 100.000 Bürger in einer Woche. Doch schon im benachbarten Hamburg, das mit einer Inzidenz von 86 die zweitniedrigsten Werte liefert, wird noch nicht über den großen Tourismus gesprochen. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hält Hotels für Privatreisende weiter geschlossen.

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Einfach losfahren und ankommen gilt nirgendwo

Mit den Lockerungen ganz im Norden zieht auch Bayern ganz im Süden mit. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat das Anlaufen des Tourismus zum 21. Mai – dem Freitag vor Pfingsten – angekündigt. Allerdings liegt das Land bei der Inzidenz mit zuletzt 131 eher im deutschen Mittelfeld. Die Öffnung soll dort auch nur für Gebiete mit weniger als 100 Neuinfektionen gelten, das Ostallgäu, Teile des Bayerischen Waldes und des Alpenvorlands wären nach den aktuellen Zahlen nicht bereisbar.

Auf nach Sylt: Der Autozug zur Insel füllt sich wieder mit Wagen von Besuchern.
Auf nach Sylt: Der Autozug zur Insel füllt sich wieder mit Wagen von Besuchern. Bild: dpa

Einfach losfahren und ankommen gilt trotz der Öffnungen aber nirgendwo. Schleswig-Holsteins Regierungschef Günther hat schon klargemacht, dass für die Anreise und für den Restaurantbesuch ein Nachweis für einen negativen Test oder ein Impfbeleg nötig sein wird. Auch eine Maske wird vielerorts zu tragen sein. Niedersachsen erlaubt Beherbergungsbetrieben zunächst bis Ende Mai sogar nur, Bürger aufzunehmen, die in dem Bundesland wohnen, das allerdings von den Bergen im Harz bis zu den Stränden der Ostfriesischen Inseln reicht. Da für Hotels zusätzlich eine Auslastungsgrenze gelten soll, zweifelt der Hotelverband Dehoga schon, ob unter den Auflagen die Öffnung für jeden Betrieb überhaupt lohnt.

Kein Urlaub ist zunächst in Mecklenburg-Vorpommern möglich, das zuletzt Schleswig-Holstein und Niedersachsen den Rang als beliebteste Küstenziel abgenommen hatte. Seit Mittwoch dürfen vollständig Geimpfte aus anderen Bundesländern als Tagestouristen kommen oder ihre Zweitwohnung aufsuchen, Quartier beziehen in Hotel oder Ferienwohnung ist aber noch ausgeschlossen. Wie Landesgesundheitsminister Harry Glawe (CDU) sagte, sollen zum 22. Mai – und somit gerade noch rechtzeitig für Pfingsten – weitere Schritte erfolgen.

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Zumindest bislang galt das Ziel, erst eine Sieben-Tage-Inzidenz von 50 zu erreichen, bevor das große Urlauben wieder losgehen darf. Allerdings wächst der Druck, davon abzuweichen. Der CDU-Landesvorsitzende Michael Sack warnte schon, dass das Bundesland im Tourismus abhängt werden könnte. „Während jedermann mit einem negativen Testergebnis auf Sylt im Restaurant essen darf, darf man Mecklenburg-Vorpommern nur in Ausnahmefällen überhaupt betreten“, sagte er.

Noch freie Zimmer für den Sommer

Die Tourismusbranche wartet derweil noch auf die große Buchungswelle. Der Deutsche Ferienhausverband meldete, dass 63 Prozent der Anbieter weniger Sommerbuchungen bekommen haben als vor einem Jahr. Und Erfahrungen in schon laufenden Modellprojekten in Schleswig-Holstein, zum Beispiel in Nordfriesland mit Sylt, hatten gezeigt, dass zwar Gäste kommen, ein Ansturm wie nach dem Ende der ersten Lockdowns vor einem Jahr blieb aber aus.

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Unumstritten waren die Öffnungen nicht, vor allem auf Sylt fürchteten Einheimische, mit zu viel Öffnung Anfang Mai das wichtigere Sommergeschäft aufs Spiel zu setzen, falls die Infektionszahlen wieder steigen sollten. Die Buchungszurückhaltung dürfte bald enden, ist man zumindest im Reisekonzern Tui überzeugt. „Insbesondere in den Küstenregionen und in den Bergen wird es einen Run auf Urlaubshotels geben“, sagt Nicole Sohnrey, bei Tui für Auto- und Städtereisen zuständig.

Urlaub am liebsten mit dem Auto

2020 war laut Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) der Anteil der Urlauber, die mit dem eigenen Wagen Ziele im Inland oder näheren Ausland ansteuerten, auf 61 Prozent gestiegen. Der höchste Wert seit fünf Jahrzehnten. Der Anteil der Flugreisen brach hingegen von mehr als 40 Prozent auf 26 Prozent ein, der niedrigste Wert seit mehr als 25 Jahren.

Auch 2021 dürfte das Inland hoch im Kurs stehen. Zwei Drittel der Reiseveranstalter, die eher auf Auslandsurlauber fokussiert sind, rechnen laut einer Umfrage des Deutschen Reiseverbands (DRV) mit einem Umsatzrückgang von 75 Prozent gegenüber dem Vorkrisenniveau. Für sie ist 2021 damit nicht besser verlaufen als 2020.

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Mallorca: Urlauber brachten keine Corona-Welle

Vor Auslandsreisen steht auch noch ein Regelungswust, von Testauflagen vor der Hinreise, bis zu Quarantäne-Pflichten nach der Rückkehr aus Risikogebieten mit Inzidenzen über 50. Mallorca ist derweil für Touristen schon seit Ende März wieder erreichbar. Über Ostern hatte es einen Erregungssturm geben, da Ferien am Mittelmeer möglich, an der Ostsee aber untersagt waren. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass der erste Urlaubsschwung des Jahres die Infektionen auf Mallorca nicht hat steigen lassen. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist seit mehr als zwei Monaten unter dem Wert von 35 Fällen je 100.000 Bürger geblieben.

Ein Hauch von Sommer: Familie am Strand von Mallorca
Ein Hauch von Sommer: Familie am Strand von Mallorca Bild: dpa

Allerdings haben Urlauber eine Reihe von Einschränkungen hinzunehmen: Die Pflicht zum PCR-Test für den Hin- und dem Rückflug, Innenplätze in Restaurants sind weiter gesperrt, und im öffentlichen Raum sind Masken zu tragen. Einen Streit gibt es aktuell über die trotz der niedrigen Infektionswerte noch bestehende nächtliche Ausgangssperre. Der Alarmzustand in Spanien, der die Sperre ermöglicht, läuft zum Ende der Woche aus. Die Regionalregierung der Balearen würde gern im Alleingang die Beschränkung verlängern, um die Infektionszahlen bis zum Sommer niedrig zu halten.

Ausgangssperre erschwert Flugreisen

Vor Flugreisen steht zudem in Deutschland eine besondere Hürde, gegen die die Luftfahrtbranche Sturm läuft. Die hiesige Ausgangssperre in Gebieten mit Inzidenz über 100 bis 5 Uhr morgens gilt auch für Reisende, die eigentlich in der Nacht aufbrechen müssten, um ihren Frühflug zu erreichen. Sogar der Weg am Abend zum Flughafen, um die Nacht im Terminal zu verbringen, ist streng genommen untersagt. Auch eine Nacht im Flughafenhotel scheidet wegen des Verbots für touristische Übernachtungen aus. Solange die Notbremse im Infektionsschutzgesetz greift, empfiehlt es sich, nur Flüge zu buchen, für die man erst nach 5 Uhr am Morgen das Haus verlassen muss.

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Nichtsdestotrotz setzen mehrere Länder auf ein Wiederanlaufen des Tourismus. Griechenland plant den Neustart des Tourismus zum 15. Mai für Ankommende mit negativem PCR-Test oder Geimpfte. Ähnliche Wege gehen Kroatien und Malta. In Hellas liegt die Sieben-Tage-Inzidenz allerdings – trotz fallender Tendenz – noch über 100.

Für Urlauber aus Deutschland bedeutet das aktuell, dass sie sich nach der Heimkehr in Quarantäne begeben müssen, für Getestete gibt es nur in einzelnen Bundesländern Ausnahmen. Nicht nur mit Blick auf Griechenland hoffen Reise- und Luftfahrtbranche auf den angekündigten EU-Impfnachweis, den sogenannten „grünen Pass“. Die Quarantänepflicht greift derzeit auch noch nach Autoreisen nach Österreich.

Italien hat derweil den Urlaubsstart zum 2. Juni angekündigt. Allerdings sind die genauen Modalitäten für die Ankunft noch unklar. Und dann gibt es noch Portugal: Zu Jahresbeginn kamen alarmierende Schlagzeilen von dort, mittlerweile zählt der Staat zu den Ländern mit den niedrigsten Infektionszahlen in ganz Europa. Der Ausnahmezustand wurde nicht mehr verlängert. Viele Freizeiteinrichtungen haben wieder geöffnet. Aber Ankünfte von Touristen aus Staaten mit deutlichen höheren Inzidenzwerten sind untersagt – und dazu zählt zumindest aktuell auch noch Deutschland.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Kotowski, Timo
Timo Kotowski
Redakteur in der Wirtschaft.
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