Amerikanische Notenbank

Fed: Erhöhung des Leitzinses „bald angemessen“

Von Winand Petersdorff-Campen, Washington
26.01.2022
, 22:18
Vorsitzender der Federal Reserve: Jerome Powell während einer Anhörung im amerikanischen Senat Mitte Januar
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Noch belässt die Fed den Leitzins bei der Spanne von 0,0 bis 0,25 Prozent. Doch schon bei der nächsten Sitzung im März wird eine Erhöhung des Leitzinses erwartet.
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Die amerikanische Notenbank Federal Reserve bereitet Wirtschaft und Finanzmärkte auf Leitzinserhöhungen im März und später ein Abschmelzen ihres Anleiheportfolios vor, das im Moment den Umfang von knapp neun Billionen Dollar hat. Zudem beendet die Fed ihre Politik der Quantitativen Lockerung schneller als bisher angekündigt. Eine Anhebung des Leitzinses wird nach Erwartung der Notenbanker „bald angemessen“ sein, heißt in der Stellungnahme der Fed, die nach Ende der zweitägigen Sitzung des für die Geldpolitik maßgeblichen Offen-Markt-Ausschuss herausgegeben wurde.

Das weist auf die nächste Sitzung Mitte März als entscheidendes Datum für die Zinswende. „Ich würde sagen, der Ausschuss ist der Meinung, den Leitzins im März anzuheben, vorausgesetzt, die ökonomischen Bedingungen geben das her“, sagte Fed-Chef Jerome Powell. Das Gremium entschied zudem, die Anleihekäufe im Februar auf 30 Milliarden Dollar zu reduzieren und vom frühen März an komplett einzustellen.

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Die Fed begründet die Straffung der Geldpolitik mit einer Inflationsrate, die mit 4,7 Prozent deutlich über der Zielmarke der Fed in Höhe von 2 Prozent liegt. Zudem sei der Arbeitsmarkt in guter Verfassung. Die offizielle Statistik weist für Dezember eine Arbeitslosenquote von 3,9 Prozent aus. Der starke Anstieg von Corona-Fällen, der besonders zuletzt stark erholte Dienstleistungssektoren traf, hat die Zentralbanker aber offenbar bewogen, den Leitzinsschritt noch nicht in dieser Sitzung zu gehen. Der richtungsweisende Zinssatz bleibt damit in der Bandbreite zwischen 0 und 0,25 Prozent. Dort liegt er seit März 2020.

Die Angaben zum Anleiheportfolio, das die Fed im Rahmen der Quantitativen Lockerung aufgebaut hat, lassen den Schluss zu, das noch dieses Jahr dessen Abschmelzung beginnt, nachdem die Leitzinsen mindestens einmal angehoben wurden.

Die Fed hebt in diesem Zusammenhang vor, dass sie die Zinspolitik als entscheidendes Werkzeug ihrer Geldpolitik betrachtet. Über das Tempo oder den Zeitpunkt des Abschmelzens des Portfolios sei keine Entscheidung getroffen worden, langfristig wolle die Fed vorwiegend Staatsanleihen halten. Der Abschmelzungsbedarf sei aber bedeutend, stellte Powell klar.

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Inflation hartnäckiger als erwartet

Er hob hervor, dass die Notenbanker keine Vorentscheidung über Leitzinsanhebungen nach der März-Sitzung gefällt hätten. In früheren Zyklen hatte die Fed in aufeinander folgenden Sitzungen Leitzinsen schrittweise angehoben, um auf Inflation zu reagieren. Die Lage bleibe aber extrem unsicher und zwinge die Notenbanker zu Vorsicht und Bescheidenheit. Powell stellte klar, dass sich die Inflation als beharrlicher erwiesen habe als erwartet und dass der Arbeitsmarkt sehr stark sei.

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Als amerikanische Notenbank ist die Fed ist den Zielen der Preisstabilität und Vollbeschäftigung verpflichtet. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich sehr positiv, aber die Teuerung zwingt die Fed gegenzusteuern. Eine Erhöhung des Leitzinses würde die Inflation bremsen, aber auch die Konjunktur dämpfen. Inmitten der wirtschaftlichen Erholung von den Folgen der Pandemie sind aber die Verbraucherpreise in den USA stark angestiegen. Die Verbraucherpreise in den USA waren im Dezember um 7 Prozent angestiegen, das war der höchste Wert seit vier Jahrzehnten.

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Quelle: FAZ.NET
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