Vereinigte Staaten

Der Arbeitsmarkt in Amerika enttäuscht abermals

08.10.2004
, 18:31
Keine Wahlhilfe von der Wirtschaft: Bush
Schlechte Zahlen für George W. Bush: Im September haben Amerikas Unternehmen deutlich weniger neue Stellen geschaffen als erwartet. Es ist die letzte verfügbare Arbeitsmarktstatistik vor der Wahl.
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Die Unternehmen in den Vereinigten Staaten haben im September deutlich weniger Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. Außerhalb der Landwirtschaft seien im vergangenen Monat 96.000 Stellen entstanden, teilte das Amt für Arbeitsmarktstatistik mit. Volkswirte an der Wall Street hatten mit einem Zuwachs von rund 150.000 Stellen gerechnet.

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Die Arbeitslosenquote verharrte den Angaben zufolge auf 5,4 Prozent, dem niedrigsten Niveau seit rund 3 Jahren. An den Finanzmärkten sanken nach Bekanntgabe der Arbeitsmarktdaten die Aktienkurse und die Anleiherenditen. Der Dollar verlor gegenüber dem Euro deutlich an Wert.

Das Amt revidierte zugleich die Arbeitsmarktzahlen für Juli und August geringfügig. In diesen beiden Monaten seien 217.000 (bisherige Schätzung: 213.000) Stellen geschaffen worden. Ebenfalls revidiert wurden die Daten für die Monate März 2003 bis März 2004. Während dieses Zeitraums seien rund 236 000 Arbeitsplätze mehr geschaffen worden als bisher angenommen.

Stellenzuwachs zu gering

Seit der jüngsten Wende auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt im August sind damit inzwischen 1,8 Millionen neuer, zusätzlicher Stellen entstanden. Mehr als die Hälfte dieses Zuwachses entfällt auf die Monate März bis Mai dieses Jahres. In den vergangenen vier Monaten hat sich der durchschnittliche Stellenzuwachs allerdings auf 101.000 Arbeitsplätze verlangsamt. Das ist weniger, als zur Kompensation des Bevölkerungswachstums notwendig ist.

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Befürchtungen, die verschiedenen Wirbelstürme insbesondere in Florida in den zurückliegenden Wochen hätten den Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt gebremst, haben sich indes nach Einschätzung des Amtes nicht bestätigt. Landesweit hätten die Wetterbedingungen kaum Einfluß auf die Entstehung neuer Arbeitsplätze gehabt, hieß es. Im Verarbeitenden Gewerbe seien im September 18.000 Stellen abgebaut, im Baugewerbe seien 4000 zusätzliche Kräfte eingestellt worden.

600.000 Stellen weniger als bei Bushs Amtsantritt

Die Zahlen vom Freitag sind die letzte verfügbare Arbeitsmarktstatistik vor der Präsidentschaftswahl am 2. November. Derzeit sind in der amerikanischen Wirtschaft noch rund 600.000 Stellen weniger vorhanden als zum Amtsantritt von Präsident George Bush im Januar 2001. Die Prognose der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses vom Jahresbeginn, nach der bis zur Wahl durchschnittlich deutlich mehr als 200.000 Stellen im Monat neu geschaffen würden, hat sich nicht erfüllt. Grund dafür ist unter anderem eine Wachstumsdelle der Konjunktur im Frühjahr.

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Der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry hat Bush prophezeit, der erste Präsident seit Herbert Hoover in den dreißiger Jahren zu sein, während dessen Amtsperiode im Saldo keine zusätzlichen Arbeitsplätze geschaffen würden. Die relativ schwache Verfassung des Arbeitsmarktes wird eines der Themen in der letzten Debatte der Bewerber Mitte kommender Woche sein.

Quelle: ctg. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2004, Nr. 236 / Seite 11
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