Versprechen der Regierung

Wohnungswahn

EIN KOMMENTAR Von Bernd Freytag
23.05.2022
, 17:29
Lieferengpässe und fehlendes Personal: Die Zahl der gebauten Wohnungen bleibt hinter den Erwartungen zurück.
Die Bundesregierung plant 400.000 Wohnungsneubauten im Jahr. Doch, egal ob Fachkräfte, Energie, Transport, Holz, Ziegeln, Stahl oder Rohre: Alles am Bau ist knapp und teuer. Deshalb kann das nicht gelingen.
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Es reicht nicht, nur ein Ziel auszugeben. Man sollte auch eine Idee davon haben, wie es zu erreichen ist. Schon als die Bundesregierung im November ihr Versprechen von 400.000 Neubauten pro Jahr verkündete, waren die Zweifel in der Branche groß.

Tatsächlich zeigt sich jetzt: 2021 wurden sogar 4,2 Prozent weniger neue Wohnungen gebaut, unter 300.000 ist die Zahl gefallen. Die Realitätslücke ist damit auf 100.000 angewachsen. Dabei treiben Corona und die von Nullzinsen angeheizte globale Immobiliennachfrage schon lange die Preise. Fachkräfte, Energie, Transport, Holz, Ziegeln, Stahl, Rohre – alles am Bau ist teuer und knapp. Die Aufträge stapeln sich immer höher, gebaut wird trotzdem nicht schneller, denn die Firmen kommen schlicht nicht mehr nach.

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Der Ukrainekrieg hat die Misere verschärft, verursacht hat er sie nicht. Jetzt mit steuerlichen Anreizen zu hantieren oder gar über Preisobergrenzen zu reden würde die Nachfrage anheizen, ohne dass eine Wohnung schneller gebaut wäre. Wenn die Realität nicht zu den Zielen passt, ist es ratsam, die Ziele anzupassen.

Quelle: F.A.Z.
Bernd Freytag  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Bernd Freytag
Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.
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