FAZ plus ArtikelUmstrittenes Berliner Gesetz

Warum der Mietendeckel eine Lösung nur vortäuscht

Von Carl-Ludwig Holtfrerich
Aktualisiert am 15.09.2020
 - 17:46
Entspannung auf dem Wohnungsmarkt: Kann der Mietendeckel sein Versprechen halten?
Der Mietendeckel soll auf dem umkämpften Berliner Wohnungsmarkt für Entspannung sorgen. Doch dem ist nicht so. In sechs Punkten wird ein Ausweg nur vorgegeben. Ein Gastbeitrag.

Der Morgenthauplan 1944 für die Zukunft Deutschlands in der Nachkriegszeit zielte darauf ab, die deutsche Wirtschaft auf das primär landwirtschaftliche Entwicklungsniveau vor Beginn der Industrialisierung zurückzuentwickeln. Heute erinnert die Berliner Wohnungspolitik an diesen Plan, wirft doch der am 23. Februar 2020 in Kraft getretene „Berliner Mietendeckel“ den Berliner Wohnungsmarkt in seine traurigen Zustände seit der Einführung der Mietpreisbindung während des Ersten Weltkriegs bis zu ihrer allmählichen Lockerung seit den 1980er (West) beziehungsweise 1990er Jahren (Ost) zurück.

Die Wirkung von Preisdeckelungen lässt sich am besten an einem historischen Beispiel erläutern. Während des Ersten Weltkriegs hat die deutsche Regierung aus sozialen Gründen Höchstpreise für Getreide und Grundnahrungsmittel verordnet. Währenddessen hat die englische Regierung ihren Landwirten hohe Abnahmepreise dafür garantiert. Die Folge: der von Hunger geprägte Steckrübenwinter 1917 in Deutschland, während in Großbritannien trotz der ausbleibenden Nahrungsmittelimporte während des deutschen U-Boot-Kriegs keine Engpässe dieses Ausmaßes auftraten.

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Professor Dr. Carl-Ludwig Holtfrerich lehrte als Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft und am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin. Er ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Quelle: F.A.Z.
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