FAZ plus ArtikelWahlkampf mit Euro und EU

Marine Le Pen auf dem Vormarsch

Von Christian Schubert, Paris
14.06.2021
, 18:58
Forderungen nach einem Austritt aus dem Euro und der EU gehören nicht mehr zum Programm der polarisierenden Französin. Warum Le Pen vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr wieder Hochkonjunktur hat.

Mit der schrittweisen Lockerung des Lockdowns nimmt in Frankreich auch der politische Wettbewerb Fahrt auf. Er zeigt vor allem eines: Die rechtspopulistische Politikerin Marine Le Pen hat wieder Hochkonjunktur. Eine wichtige Wegmarke vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr sind die Regionalwahlen, deren erster Durchgang am kommenden Wochenende stattfindet. Nach den jüngsten Umfragen liegt ihr Rassemblement National (RN, früher: Front National) in sechs der zwölf französischen Regionen vorne. Schon bei den Regionalwahlen 2015 hatte die Partei mit 27,7 Prozent das höchste prozentuale Ergebnis ihrer Geschichte erzielt, auch wenn ihre Kandidaten im zweiten Wahlgang keine einzige Region gewinnen konnten.

Auf nationaler Ebene sehen alle Umfrageinstitute Marine Le Pen in der Stichwahl der Präsidentschaftswahl 2022 – möglicherweise wieder gegen Emmanuel Macron wie fünf Jahre zuvor. Damals stand ihr freilich ein frischer Macron gegenüber, der noch nicht von den schweren Krisen der Pandemie, der „Gelbwesten“-Bewegung und der Rentenproteste gezeichnet war. Zugewinne ergattert Marine Le Pen derzeit vor allem im bürgerlich-konservativen Lager. Nach einer Umfrage sehen sie 42 Prozent der Franzosen dieser politischen Couleur in einem positiven Licht, 12 Punkte mehr als einen Monat zuvor. 39 Prozent der Anhänger der Republikaner-Partei, der eigentlichen Hausmacht der Konservativen, hegen Sympathien für Le Pen, 14 Prozentpunkte mehr als vor vier Wochen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schubert, Christian
Christian Schubert
Wirtschaftskorrespondent in Paris.
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