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Globaler Risikobericht

Weltwirtschaftsforum warnt vor „Planet in Flammen“

Von Philip Plickert, London
Aktualisiert am 15.01.2020
 - 10:36
Das Weltwirtschaftsforum startet am 21. Januar in Davos, Schweiz
Erderwärmung und politische Feuer in den Gesellschaften sind laut einer Umfrage des Davoser Forums die größten globalen Risiken. Es zeigt sich eine neue Sensitivität für die Kraft der Natur.

Der globale Risikobericht 2020 der Organisation Weltwirtschaftsforum (WEF) zeichnet ein düsteres Bild der nahen und mittleren Zukunft der Menschheit. Der Bericht, der auf einer Umfrage beruht, erklärt „ökonomische Konflikte“ und „politische Polarisierungen“ innerhalb der Gesellschaften zu den wichtigsten kurzfristigen Risiken. Das gravierendste längerfristige Problem sei indes der Klimawandel. Die geopolitischen Turbulenzen schwächten dabei die Fähigkeit der Politik, die globalen Risiken anzugehen, heißt es in dem Bericht des WEF, der am Mittwoch in London vorgestellt wurde. Ohne die Spaltungen der Gesellschaften zu heilen und ein nachhaltiges Wachstum zu erzielen, könne man nicht den drohenden Krisen des Klimas oder der Biodiversität begegnen, so der Bericht.

Die PR-Abteilung des WEF hat eine alarmistische Überschrift für die diesjährige Publikation gewählt, die ebenso von Greta Thunberg stammen könnte: „Brennender Planet: Klima-Feuer und politische Flammenkriege toben“, lautet der Titel der Pressemitteilung. Klima, Umwelt- und Naturkatastrophen, aber auch Fragen der Gesundheit und der Technologie scheinen die Hauptsorgen der mehr als 750 „globalen Experten“ und Entscheidungsträger zu sein, die das WEF befragt hat.

78 Prozent der Befragten sagen, dass sie erwarten, dass „wirtschaftliche Konfrontationen“ und „politische Polarisierung“ im Jahr 2020 zunehmen werden. Das wäre sehr schädlich, denn der Klimawandel als längerfristiges Hauptproblem erfordere die Hauptaufmerksamkeit, heißt es in dem Bericht, der in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Beratungsfirma Marsh & McLennan und der Zurich Versicherung erstellt wurde.

Zum ersten Mal im Zehn-Jahres-Ausblick des WEF-Berichts betreffen alle fünf wahrscheinlichsten globalen Risiken die Umwelt. Laut dem Bericht sind dies:

  1. extreme Wetterereignisse, die Sachschäden und Personenschäden zur Folge haben
  2. das Versagen, den Klimawandel zu mildern oder sich anzupassen
  3. menschlich verursachte Umweltdesaster oder Umweltverbrechen, darunter Ölkatastrophen oder radioaktive Kontamination
  4. der Verlust an Biodiversität und der Zusammenbruch von Ökosystemen
  5. große Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüche und geomagnetische Stürme.

Dass auch Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche, die vom Menschen nicht beeinflusst werden könnten, zu den Hauptrisiken gezählt werden, zeigt offenbar eine neue Sensitivität für die Kraft der Natur. Die anderen Faktoren könne der Mensch beeinflussen, meint das WEF.

Der Druck auf Unternehmen steigt

„Die politische Landschaft ist polarisiert, die Meeresspiegel steigen und die Klimafeuer brennen“, sagte der WEF-Präsident Borge Brende, ein früherer norwegischer Umweltminister, der seit anderthalb Jahren als Nachfolger von WEF-Gründer Klaus Schwab amtiert.

Laut dem im September vorgestellten neuesten UN-Klimapanel IPPC steigt der Meeresspiegel derzeit pro Jahr um 3,66 Millimeter, zweieinhalbmal so schnell wie im 20. Jahrhundert. Bei einer Begrenzung der Erderwärmung auf 2 Grad relativ zum vorindustriellen Zeitalter dürfte der Meeresspiegel innerhalb eines Jahrhunderts um etwa einen Meter steigen.

John Drzik, Chef von Marsh & McLennan Insights, sagte, der Druck auf Unternehmen steige von Investoren, Regulatoren, Kunden und Beschäftigten, dass sie ihre Widerstandskraft gegen Klimaschwankungen zeigten. „Die Unternehmenswelt muss sich noch stärker auf die Risiken durch den Klimawandel fokussieren, aber auch auf die potentiellen Chancen.“ Ereignisse wie die Buschfeuer in Australien oder Waldbrände in Kalifornien erhöhten den Druck zum Handeln. Besonders die junge Generation sei alarmiert über den Zustand der Welt. Sie erwarte extreme Hitzewellen und Umweltzerstörung.

Die Risikowahrnehmung schwankt

Peter Giger, Risikochef der Zurich Versicherung, beklagte den Verlust von Biodiversität auf dem Planeten. Die Menschheit habe bis jetzt schon gut 80 Prozent aller wilden Säugetiere und die Hälfte aller Pflanzen ausgerottet. Es gebe einen Teufelskreis, denn die schwindende Biodiversität sei mit dem Klimawandel verbunden und umgekehrt. Intakte Ökosysteme – ein Beispiel wäre etwa ein gesunder Regenwald – hätten auch enorme wirtschaftliche Auswirkungen. Laut Giger produzieren die Ökosysteme auf der ganzen Welt jedes Jahr das Äquivalent von mehr als 30 Billionen Dollar „Wertschöpfung“, das sei mehr als das Bruttoinlandsprodukt von China und den Vereinigten Staaten zusammen.

Ein Blick in frühere Weltrisikoberichte des Weltwirtschaftsforums zeigt, dass die Risikowahrnehmung der Experten durchaus schwankt. 2019 wurde die Gefahr einer Bewegung hin zu einer „stark staatszentrierten Politik“ hervorgehoben. Gemeint waren zunehmender Protektionismus und der Versuch „die Kontrolle zurückzugewinnen“. Im Jahr 2018 wurde das Hauptrisiko in der „systemischen Fragilität“ der Gesellschaften und dem Weltwirtschaftssystem gesehen. Im Jahr davor standen der Aufstieg von Populisten, der Verlust des Vertrauens in die Institutionen und zunehmende Ungleichheit von Vermögen im Zentrum. Frühere Weltrisikoberichte betonten auch die gestiegene Verschuldung oder die Möglichkeit, dass der technische Wandel die Gesellschaften abhänge.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Plickert, Philip
Philip Plickert
Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.
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