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Prinz Charles

„Wollen wir in die Geschichte als die Generation eingehen, die versagt hat?“

Von Gerald Braunberger, Davos
Aktualisiert am 22.01.2020
 - 18:19
Der britische Thronfolger Prinz Charles auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mit der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg.
Der britische Thronfolger skizziert auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ein Programm für nachhaltige Märkte. Dazu gehört die Abschaffung von „perversen Subventionen“ und die Setzung von Anreizen für nachhaltiges Wirtschaften.

Der britische Thronfolger hat auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine „Initiative für nachhaltige Märkte“ vorgestellt, die einen Beitrag zur Versöhnung von Ökonomie und Ökologie leisten soll. „Wir befinden uns in einer mittlerweile hoffentlich verstandenen Krise“, sagte Prinz Charles.

Gekennzeichnet sei diese Krise unter anderem durch den Klimawandel und einen Verlust an Biodiversität. „Wir müssen unser Wirtschaftsmodell ändern“, betonte Prinz Charles, und er fügte hinzu: „Es fehlt nicht an Kapital. Es geht um die Art, wie wir es einsetzen.“ Der Prinz wählte dabei durchaus drastische Worte: „Wir benötigen einen Paradigmenwechsel – und zwar in revolutionärer Geschwindigkeit.“

Der Thronfolger setzt sich bereits seit ungefähr einem halben Jahrhundert für den Schutz der Natur ein. „Die Privatwirtschaft muss durch Innovationen den Wandel vorantreiben“, sagte er nun an das Publikum auf dem Weltwirtschaftsforum gerichtet. Die Fortschritte unter anderem in der Informationstechnologie in den vergangenen zehn Jahren zeigten, dass rasche Veränderungen in der Industrie möglich seien.

Es gehe darum, dass Unternehmen wie Konsumenten sich künftig in „nachhaltigen Märkten“ bewegen. Konsumenten sollten nicht gezwungen, sondern davon überzeugt werden, in ihrem Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen nachhaltige Kriterien anzulegen. Aus der Sicht der Unternehmen seien die Ziele Profitabilität und Nachhaltigkeit vereinbar. Prinz Charles verwies auf die Renditen nachhaltiger Kapitalanlagen, die sich nicht unter den Renditen traditioneller Anlagen bewegten.

Danach skizzierte der Thronfolger ein Zehn-Punkte-Programm. Dazu gehört die Abschaffung „perverser Subventionen“ sowie die Setzung von Anreizen für nachhaltiges Wirtschaften. Mehr Investitionen in Land- und Forstwirtschaft sowie in Fischfang seien notwendig. Hier lockten attraktive Renditen, die nicht nur den Investoren zugute kämen, sondern allen Menschen: „Die Natur ist keine eigenständige Anlageklasse.“ Prinz Charles lehnte Pessimismus entschieden ab: „In vielen Wirtschaftszweigen sind bereits ermutigende Fortschritte erkennbar.“ Er erwähnte unter anderem die Aussicht auf neue und sehr viel umweltfreundlichere Treibstoffe in der Schifffahrt und im Luftverkehr.

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Weltwirtschaftsforum Davos
Prinz Charles trifft Greta Thunberg

Abschließend skizzierte der Thronfolger seine Motivation. „Wollen wir in die Geschichte als die Generation eingehen, die versagt hat?“, fragte er – und gab für sich die Antwort: „Ich will das nicht. Aber ich brauche dafür Ihre Hilfe.“ Alles, was er in den vergangenen 50 Jahren für den Schutz der Natur unternommen habe, das habe er getan, weil er an seine Kinder und Enkel gedacht habe. „Ich will nicht von ihnen dafür verantwortlich gemacht werden, dass wir ihnen keine intakte Natur hinterlassen haben.“

Welt­wirt­schafts­forum in Davos – Jahrestagung 2020

Tag 2

  • 11:40 Uhr
    Rede EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
  • 12:00 Uhr
    Rede EU-Parlamentspräsident Sassoli
  • 14:40 Uhr
    Rede britischer Thronfolger Prinz Charles
  • 18:00 Uhr
    Rede irakischer Präsident Salih
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Braunberger, Gerald
Gerald Braunberger
Herausgeber.
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