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FAZ plus ArtikelPolen wirbt um Ausgewanderte

„Gebt uns unsere Leute zurück!“

Von Gerhard Gnauck und Philip Plickert
Aktualisiert am 26.02.2020
 - 22:08
Beschwingtes Warschauer Stadtleben: Warum gehen viele Polen ihre Heimat zurück?
Erstmals seit Jahrzehnten gibt es in England mehr polnische Rückwanderer als Auswanderer. Das liegt an der Wirtschaftslage, der Regierungspolitik – und an persönlichen Gründen.

Über dem Eingang prangt ein Schild mit weißem Adler auf rotem Grund und großer Aufschrift „Mleczko Delikatesy – Polish Delicatessen“. In dem engen Laden in Ealing in West-London stapeln sich Kisten mit Obst und Gemüse, dahinter eine Wursttheke, Süßigkeiten, Tütensuppen. An der Kasse stehen Tyskie-Bierflaschen und Schnapsflaschen der Marken Soplica und Krupnik. Seit elf Jahren existiert der Supermarkt. „70 Prozent in der Gegend sind Polen“, behauptet der junge Mann hinter der Kasse. Das ist wohl übertrieben. Wahr ist aber, dass sehr viele Polen nach Großbritannien gezogen sind. In manchen Städten haben sie ganze Straßenzüge in „Little Poland“ verwandelt.

Mit 820.000 Personen stellen Polen – knapp hinter Menschen mit indischem Pass – die zweitgrößte Ausländergruppe im Vereinigten Königreich, vor den Pakistanern, Rumänen und Iren, so die offizielle britische Statistik. Nach inoffiziellen Schätzungen leben wohl rund eine Million Polen auf der Insel. Im Zuge der EU-Osterweiterung vor 15 Jahren öffnete Großbritannien sofort seinen Arbeitsmarkt. Die Folge war ein starker Zustrom aus Polen und dem Baltikum, später aus Rumänien und Bulgarien. Viele Osteuropäer fanden Stellen in der Bauwirtschaft oder als selbständige Handwerker. Der „Polish Plumber“ (Klempner) wurde sprichwörtlich.

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Ein britischer Pass aus Polen Es war der „Polish Plumber“, der symbolisch für die starke Zuwanderung aus Osteuropa steht und der für nicht wenige Briten im Brexit-Referendum eine Rolle spielte. Die neuen Pässe, die das nun aus der Europäischen Union ausgetretene Vereinigte Königreich gerade herstellen lässt, kommen aber wieder aus Osteuropa, genauer gesagt: aus Polen. Einige britische Zeitungen bemerkten diese feine Ironie. Die Londoner Regierung hat den 260-Millionen-Pfund-Auftrag für die Produktion der künftigen blauen Pässe mit goldener Schrift einem französischen Tochterunternehmen der Thales-Gruppe erteilt, das sie nach Presseberichten von einer Druckerei in der nordpolnischen Stadt Tczew, nicht weit entfernt von Danzig (Gdansk), produzieren lässt. Der britische „Passport“ ist also tatsächlich ein französisch-polnischer Pass, zumindest was die Herstellung angeht. Innenministerin Priti Patel betonte indes, der neue Pass ohne Aufschrift „Europäische Union“ sei ein Zeichen für die neue Unabhängigkeit und die Wiederherstellung der nationalen Identität. Die neuen Ausweisdokumente werden vom nächsten Monat an Antragstellern ausgegeben. ppl.
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Gnauck, Gerhard
Gerhard Gnauck
Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.
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Philip Plickert
Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.
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