FAZ plus ArtikelNot durch Corona

Ein Reformplan für Afrika

Von Rolf J. Langhammer
Aktualisiert am 02.05.2020
 - 15:02
Zur wirtschaftlichen Not kommt Angst vor Ansteckung: Südafrika versorgt Obdachlose mit Zelten, um das Coronavirus unter Kontrolle zu bringen.zur Bildergalerie
Die Pandemie könnte viele afrikanische Länder in noch größere wirtschaftliche Not stoßen. Doch auch ohne die Corona-Krise hat Deutschland Grund, seine Hilfen zu überdenken. Ein Gastbeitrag.

Die Covid-19-Pandemie drängt Industrie-und Schwellenländer in eine Nabelschau. Europa ist mit sich selbst und seinen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und China beschäftigt, die wiederum ihre gegenseitigen Schuldzuweisungen pflegen. Alle drei sehen in der Corona-Krise die Entwicklungs- und Schwellenländer als Problemherde ausschließlich in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft: Die EU blickt auf Libyen, Syrien und die Türkei, die Vereinigten Staaten auf Mexiko und die zentralamerikanischen Staaten sowie deren Flüchtlinge, und China auf die zentral- und südostasiatischen Länder, die in ihren Lieferketten und in ihrer Geopolitik einen großen Raum einnehmen.

Dabei hat Europa allen Grund, sich nach dem Ende der Corona-Krise nicht nur um sich selbst zu kümmern, sondern sich auch um die wirtschaftliche Zukunft des gesamten afrikanischen Kontinents zu sorgen. Vor allem für die Staaten südlich der Sahara, die nach Länder- und Bevölkerungszahl den Kontinent dominieren, haben sich die Leistungsdaten seit der Finanzkrise 2009 im Vergleich zu den Jahren davor stark verschlechtert. Wuchs das jährliche Pro-Kopf-Einkommen in der Periode zwischen 2004 und 2008 real noch um 4 Prozent, war im Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2018 nur noch ein Wachstum von 1,7 Prozent zu verzeichnen. Für 2019 erwartete der Internationale Währungsfonds vergangenen Oktober ein Wachstum von unter einem Prozent. Und in diesem Jahr wird die afrikanische Bevölkerung im Gefolge der globalen Krise ärmer werden. Gleichzeitig stieg die externe Verschuldung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), von 19 Prozent in der genannten Periode auf 24 Prozent 2018. Der Leistungsbilanzsaldo rutschte von einem Überschuss von 2,1 Prozent in ein Minus von 2,7 Prozent im Jahr 2019.

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Rolf Langhammer...

Rolf Langhammer hat seine Karriere in den siebziger Jahren als erster Feldforscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) im afrikanischen Kamerun begonnen. Dort zieht es den international gefragten Entwicklungsökonomen und Handelsforscher bis heute immer wieder thematisch hin. Auch nach seiner Pensionierung 2012 blieb er dem IfW erhalten – aber so dosiert, dass für große und kleine Radtouren genügend Zeit bleibt.

Von Heike Göbel

Quelle: F.A.Z.
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