FAZ plus ArtikelItalienische Hotelbranche

Warten auf die Deutschen

Von Tobias Piller, Rom
Aktualisiert am 24.08.2020
 - 06:16
Das Außenrestaurant mit Blick auf das Schwimmbad und den See des historischen Grand Hotel Tremezzo am Comer See.
Zum finanziellen Überleben brauchen italienische Hoteliers eine gute Herbstsaison. Sie hoffen auf Urlauber aus dem Norden – und wenige Corona-Ansteckungen.

Italiens Tourismusbranche hofft weiterhin auf deutsche Besucher, nun für die Monate September und Oktober. Denn nach der Flaute von Mai und Juni, einem Juli oft nur mit Wochenendgeschäft reicht die gute Belegung im August nicht aus, um in den italienischen Badeorten die Saison zu retten. Für Italiener ist mit dem August die Urlaubssaison zu Ende. Traditionell wurden danach die Hotels wieder von den Ausländern in Beschlag genommen. In diesem Jahr gab es bisher vor allem Stornierungen aus dem Ausland. Andererseits hofft die Branche nun, dass die vergleichsweise niedrigen Werte für die Virusinfektion helfen. Im Moment gibt es daher für Rückkehrer aus Italien keine Verpflichtung für Tests und Quarantäne, im Gegensatz zu heimkehrenden Urlaubern aus Spanien, Frankreich oder Kroatien.

Für Marina Pasquini, Hotelbesitzerin in Riccione, brachte schon dieser August eine außerordentliche Anstrengung: In ihrem Hotel hatte sie üblicherweise zu drei Vierteln ausländische Gäste, doch die hatten in der unsicheren Lage die Vorbestellungen storniert. Von Juli an bemühte sich Pasquini um den italienischen Markt. Nun sucht sie mit den Erfahrungen aus dem Marketing gegenüber Italienern für den Herbst noch einmal ausländische Kunden zu gewinnen. Zunächst hatte Pasquini im Juli zehn Familien eingeladen, die sie schon lange als Stammgäste kannte, und diese dann zu ihren Erfahrungen mit dem Virenschutz im Hotel befragt. Deswegen wurde zum Beispiel das Frühstück umgestellt, auf Buffet mit Bedienung. Danach wurden zwei Videos produziert, über das Leben im Hotel und über die Erfahrungen von zwei Hotelmitarbeitern bei Rundgang und Restaurantbesuch in der Stadt. „Die potentiellen Gäste sind verunsichert, deshalb haben wir uns bemüht, mit einer realitätsgetreuen Darstellung der Umstände Zweifel zu zerstreuen“, sagt Pasquini.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Piller, Tobias
Tobias Piller
Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.
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