FAZ plus ArtikelPrekäre Lebensverhältnisse

Russlands Armut hinter dem schönen Schein

Von Katharina Wagner
18.09.2021
, 16:56
Bedürftig: Gegen eine kleine Spende bekommen Menschen in Moskau Brot in einem Hilfszentrum.
Unter Putin hat die Armut in Russland offiziell abgenommen. Doch jenseits der Statistik leben viele Russen prekär – besonders hart trifft es Familien mit Kindern.
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Dass Russland ein reiches Land ist, wird nirgends so deutlich wie im Zentrum von Moskau. Bentleys, Maybachs und getunte Mercedes-Geländewagen mit verdunkelten Scheiben warten vor Luxuskaufhäusern und Edelrestaurants; über den blitzsauberen Fußgängerzonen hängen pompöse Leuchtgirlanden. Von Armut keine Spur: Die alten Mütterchen, die noch in den Neunzigerjahren an den Metroeingängen saßen, um mit dem Verkauf von Zigaretten, Hausrat oder Gurken aus dem eigenen Garten ein paar Rubel zu verdienen, sind verschwunden. Wenn doch einmal jemand in einer der Unterführungen unter den vielspurigen Straßen Geige spielt oder bettelt, ist er meist schnell wieder weg.

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Armut passt nicht zu der erfolgreichen Großmacht, die Russland unter Wladimir Putin sein soll. Aber sie ist noch da, besonders in den Dörfern, weit weg von Moskau, wo Plumpsklos im Garten stehen und frisches Gemüse im Winter ein Luxusgut ist. Und selbst in der privilegierten Hauptstadt kann man sie sehen, man muss gar nicht weit fahren, nur ein paar Viertel weiter stadtauswärts, in die Hochhausburgen mit ihren bröckelnden Plattenbauten und billigen Schnapsläden.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Wagner, Katharina
Katharina Wagner
Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.
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