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Bild: FAZ.NET; Foto: obs
Schneller Schlau

Der Hunger kehrt zurück

Von BASTIAN BENRATH, Grafiken: JENS GIESEL

01.02.2019 · Jahrelang sank die Zahl der mangelernährten Menschen auf der Welt. Nun hungern plötzlich wieder mehr Menschen. Woran liegt das?

A lle fünf Sekunden stirbt auf der Welt ein Kind unter 15 Jahren. Allein im Jahr 2017 starben einer Schätzung der Vereinten Nationen zufolge 6,3 Millionen Kinder und Jugendliche in dieser Altersspanne. Die meisten dieser Tode wären demnach vermeidbar gewesen: durch Impfungen, ausreichende medizinische Versorgung, sauberes Wasser – oder ausreichend zu Essen.

Dass gerade der Hunger immer noch zahlreiche Tote fordert, ist besonders frustrierend. Denn eigentlich schien er jahrelang auf dem Rückzug zu sein. Bis 2014 sank die Zahl der Mangelernährten auf der Welt, seitdem steigt sie wieder. Im Jahr 2017 hatten mehr als 820 Millionen Menschen auf der Welt zu wenig zu essen. Das ist jeder neunte Mensch, der auf der Welt lebt.

Die Wirtschaftskraft der Welt ist indes weiter konstant gewachsen, wie am stetigen Steigen des Welt-Bruttoinlandsprodukts (BIP) abzulesen ist. Der Zuwachs an Wohlstand ist nicht bei allen Menschen angekommen.

Das Wachstum der Zahl der Mangelernährten auf der Welt ist darauf zurückzuführen, dass vor allem in Afrika, aber auch in Ozeanien mehr Menschen hungern. In Afrika ist einer von fünf Menschen unterernährt.

In Ozeanien stieg die Zahl der Hungernden nicht in Australien oder Neuseeland, wohl aber in den armen Inselstaaten, wie den Salomonen, Neukaledonien und den Fidschi-Inseln.

Der wachsende Hunger dort ist vor allem auf den Klimawandel zurückzuführen. Etwa das nördlich von Australien gelegene Papua-Neuguinea war in vier der sechs Jahre von 2011 bis 2016 von Wetterkatastrophen betroffen. Der aktuelle Welternährungsbericht der Nahrungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (FAO) listet auf, dass sowohl Dürren und Hitzewellen wie auch Stürme das sowieso schon bitterarme Land heimgesucht haben.

Neben den Auswirkungen des Klimawandels sind auch bewaffnete Konflikte einer der Haupttreiber des Hungers auf der Welt. Zahlreiche der von starker Unterernährung oder akuten Hungersnöten betroffenen Länder, gerade in Afrika, werden zugleich von Kriegen und Konflikten geschüttelt. Ein weiteres Problem ist das starke Bevölkerungswachstum in Afrika, mit dem die landwirtschaftliche Produktion nicht Schritt hält.

Hat auch der Handel mit Lebensmitteln, verbunden mit der Spekulation auf höhere Preise, Einfluss darauf, dass mehr Menschen auf der Welt hungern? Banken und großen Konzernen wird immer wieder vorgeworfen, die Lebensmittelpreise hochzutreiben. Doch ein Blick auf die entsprechenden Indikatoren widerspricht dieser Interpretation. In der Grafik unten haben wir die Lebensmittel- und Getreidepreisindizes der FAO im Zeitverlauf dargestellt.

Es zeigt sich, dass die Preise für Lebensmittel tatsächlich gestiegen sind, zwischenzeitlich durch Ausschläge nach oben sogar sehr stark. Allerdings begann diese Bewegung wesentlich früher als die Zunahme der Hungernden: Zwischen Sommer 2006 und Frühjahr 2008 verdoppelte sich dem Index zufolge der Preis für als Grundnahrungsmittel gängige Getreidesorten.

In diesen Jahren sank die Zahl der Hungernden aber noch. Ihr Anstieg begann erst im Jahr 2015 – einer Zeit, in der die Lebensmittelpreise nicht mehr stark nach oben ausschlugen. Folglich sind es also wohl eher Kriege und Klimakatastrophen, die verhindern, dass das Essen zu den Menschen kommt, anstatt steigende Preise, welche die Zahl der Hungernden nach oben treiben.

Schaut man auf den Handel, offenbart sich hingegen ein anderes Problem, das speziell Afrika hat: Die Volkswirtschaften des Kontinents sind nicht in der Lage, ihre Bevölkerung selbst zu ernähren – und sind deshalb auf Importe angewiesen. Das ist insbesondere ein Problem, da Afrikas Bevölkerung nach wie vor sehr schnell wächst.

Fast alle Länder Afrikas waren im Jahr 2013 Nettoimporteure von Getreide. Ein Problem dabei ist allerdings auch, dass beispielsweise europäische Länder dank Agrarsubventionen oftmals billiger produzieren können, als afrikanische Staaten. „Subventionierte Agrarprodukte aus Europa überschwemmen afrikanische Märkte und machen lokale Kleinbauernstrukturen kaputt“, kritisiert deshalb beispielsweise Roland Süß, Handelsexperte der globalisierungskritischen Organisation Attac.

Datenrecherche: Matthias Janson (Statista)
Quellen: FAO, Welthungerhilfe

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Quelle: FAZ.NET