Wirtschaft von Morgen

Schwaches Wachstum

EIN KOMMENTAR Von Gerald Braunberger
14.01.2022
, 17:09
Die Industrie 4.0 (hier ein Projekt von Endress+Hauser) bringt digitale und analoge Welt zusammen. Doch Fachkräfte werden bei Großprojekten gebraucht.
Fortschritt entsteht in einer freiheitlichen Wirtschaftsordnung, nicht durch staatliche Planung. Die Suche nach Lösungen in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld wird durch planerische Initiativen erschwert.
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Das im europäischen Vergleich unterdurchschnittliche Wachstum der deutschen Wirtschaft von 2,7 Prozent im vergangenen Jahr ist sicherlich zumindest in Teilen mit der Pandemie erklärbar. Unter den Störungen der globalen Lieferketten leidet eine international eng vernetzte, immer noch erheblich durch die Industrie geprägte Volkswirtschaft nun einmal besonders stark.

Weitaus beunruhigender sehen die langfristigen Aussichten der deutschen Wirtschaft aus. Denn nach allen Prognosen wird vor allem der demographische Wandel das Angebot an Arbeit in den kommenden Jahren spürbar verringern. Damit droht eine Reduzierung des wirtschaftlichen Wachstumspotentials, die in der Theorie durch einen Ersatz menschlicher Arbeit durch Roboter und andere Maschinen sowie durch Produktivitätsfortschritte kompensiert werden könnte.

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In der Praxis ist dies nicht so einfach. Zwar wissen viele Zweige des verarbeitenden Gewerbes, wie sich durch den Industrie 4.0 genannten Wandel menschliche Arbeit substituieren lässt. Aber die zahlreichen vorgesehenen Bau- und Infrastrukturprojekte, ob Brücken, Wohnungen oder Türme für Windkraftanlagen, werden sich nicht einfach durch Roboter erstellen lassen. Qualifizierte Arbeitskraft wird in den kommenden Jahren zunehmend zu einem knappen Gut werden.

Wird kräftiger Produktivitätsfortschritt zu einem Motor dynamischen Wirtschaftswachstums? An Patentanmeldungen fehlt es in Deutschland nicht, auch sind Fortschritte in der Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft unverkennbar. Aber in wichtigen Zukunftsbranchen sieht Deutschlands Zukunft, ebenso wie die Zukunft anderer europäischer Länder, nicht brillant aus.

Eine freiheitliche Wirtschaftsordnung schüfe einen innovationsfreundlichen Rahmen für die Unternehmen. Vor allem in der SPD, den Grünen und bei ihnen nahestehenden Ökonomen sind jedoch zu viele Stimmen zu hören, die sich von einer stärkeren staatlichen Lenkung einen Fortschritt versprechen, der wirtschaftlichen Wohlstand mit Nachhaltigkeit verbindet. Diese Illusionen führen in die Irre.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Braunberger, Gerald
Gerald Braunberger
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