Einkommensunterschiede

Die Kluft zwischen Arm und Reich schrumpft nicht weiter

Von Johannes Pennekamp
13.11.2013
, 13:37
Es geht auch ohne Geld: eine sogenannte „Givebox“ in Berlin, in der man gebrauchte Sachen hinterlassen kann, um sie zu verschenken
Die Angleichung der Einkommen der Deutschen ist vorerst gestoppt. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe, sagen die Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Einer wird Deutschland langfristig Probleme bereiten.
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Mehrere Jahre nacheinander haben sich die Einkommen der Deutschen entgegen aller Unkenrufen angeglichen. Dieser Trend ist vorerst gestoppt. „Im Jahr 2011 hat die Entwicklung stagniert“, sagt Markus Grabka, Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW). Das Maß mit dem Statistiker die Ungleichheit der verfügbaren Haushaltseinkommen messen, der Gini-Koeffizient, ist 2011 im Vergleich zum Vorjahr sogar minimal gestiegen. Seit 2005 hatte der Wert, der auf der breiten Datenbasis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) erhoben wird, kontinuierlich abgenommen. Zum verfügbaren Einkommen zählen die Forscher Erwerbs- und Kapitaleinkommen, aber auch Renten und Transfers. Steuern und Sozialbeiträge werden abgezogen.

Zwei Hauptursachen machen die DIW-Forscher in ihrer am Mittwoch veröffentlichen Studie für die Stagnation aus: Die demographische Entwicklung in Deutschland und den Aufschwung an den Börsen. Die Alterung der Gesellschaft führt dazu, dass der Anteil der Rentner in Deutschland kontinuierlich wächst. „Die Neurentner, vor allem im Osten, haben verglichen mit den Bestandsrentnern teils deutlich geringere Einkommen“, sagt Grabka. Der Abstand zwischen einkommensschwachen Rentner und den Berufstätigen wachse somit.

Der Aufschwung an den Finanzmärkten unterstützt die beobachtetet Stagnation der Lohnangleichung, da „von steigenden Kapitaleinkommen üblicherweise nur die obere Hälfte der Einkommensbezieher profitieren kann“, sagt Grabka. Der zunehmende Mangel an geeigneten Arbeitskräften steigere zudem vor allem die Löhne der Höherqualifizierten, während die Einkommen im Niedriglohn stagnierten. Zudem seien vom Arbeitsmarkt vorerst keine weiteren positiven Effekte zu erwarten. Der Abbau der Arbeitslosigkeit um rund zwei Millionen Menschen hatte seit 2005 zu der zunehmenden Einkommensgleichheit geführt. Zuletzt hatte die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwar einen Rekord erreicht, die Zahl der Arbeitslosen stagnierte jedoch.

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Besonders anschaulich wird die Diskrepanz in der Einkommensentwicklung, wenn die Bevölkerung in sogenannte Einkommensdezile, also zehn gleich große Einkommengruppen, aufgeteilt wird. Die Bezieher der höchsten Einkommen (oberstes Dezil) konnten ihre reales Einkommen im Zeitraum von 2000 bis 2011 um etwa 13 Prozent steigern. Im Mittelfeld (fünftes bis siebtes Dezil) stagnierten die Einkommen, in den unteren Einkommensschichten (erstes bis viertes Dezil) gingen die Realeinkommen um bis zu fünf Prozent zurück. Nachdem die Einkommen insgesamt vor allem zwischen 2008 und 2010 spürbar gestiegen waren, gab es 2011 einen leichten Dämpfer.

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Armutsrisiko hat nicht weiter zugenommen

Das mittlere verfügbare Einkommen eines Einpersonenhaushalts betrug 2011 rund 20.700 Euro und damit 200 Euro weniger als im Vorjahr. Das Medianeinkommen, also das Einkommen in der Mitte der Einkommensverteilung, verringerte sich 2011 um 600 Euro auf 17.800 Euro. Forscher Grabka weist jedoch darauf hin, dass diese leichten Veränderung mit Unwägbarkeiten verbunden seien, weshalb er lieber von einer „Stagnation“ als von einem „Rückgang“ spricht. Im Gini-Koeffizient ist die Veränderung nur in dritten Nachkommastelle zu beobachten. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland noch immer weit vor Ländern wie den Vereinigten Staaten oder Großbritannien, wo die Löhne sehr viel ungleicher verteilt sind.

Das Armutsrisiko in Deutschland hat nach Berechnungen des DIW nicht weiter zugenommen. 14 Prozent der Bevölkerung hatten weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens zur Verfügung. Die Chancen, sich aus dieser Gruppe aufzusteigen, sind allerdings gesunken. Die Wahrscheinlichkeit innerhalb von vier Jahren über die Gefährdungsschwelle zu schaffen, sei in den vergangenen Jahrne im 10 Prozentpunkte auf 46 Prozent gesunken

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Pennekamp, Johannes
Johannes Pennekamp
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung.
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