Europäische Union

Der Abschied von der Glühbirne naht

Von Bernd Freytag
16.07.2009
, 08:49
100 Watt sehen verboten aus
Eine Ersparnis in Höhe des jährlichen Stromverbrauchs von Rumänien verspricht sich die EU vom Verbot der Glühbirne. Doch Kritiker bemängeln, die eingesparten Emissionsmengen würden von den Herstellern schlicht weiterverkauft.
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Von Fidel Castro lernen heißt siegen lernen. Der Máximo Líder hat mit Verweis auf die Energieknappheit - und mit dem unterbliebenen Verweis auf die maroden Stromnetze - schon 2005 Energiesparlampen an seine Landsleute verteilen lassen. Und er forderte ein Verbot von Leuchtmitteln mit mehr als 15 Watt Leistungsaufnahme. 15 Watt machen zwar nicht wirklich hell, aber immerhin gehen die Lichter auf Kuba auch nicht vollständig aus. Castros Beispiel machte Schule: Der venezolanische Präsident Hugo Chávez schickte umgehend eine „Energie-Armee“ übers Land, um die stromfressenden Glühbirnen zu ersetzen. Und erst dieser Tage hat die panamaische Regierung nachgezogen und sechs Millionen Energiesparlampen aus chinesischer Produktion kostenlos unters Volk verteilt. Weil sie damit den Kohlendioxid-Ausstoß senkt, hofft sie freilich auf entsprechende EU-Beihilfen von bis zu 2,8 Millionen Euro.

Die EU-Bürger selbst saßen, lasen und aßen derweil weiter unter ihren stromfressenden Höhensonnen. Doch damit ist jetzt Schluss. Gott sei Dank, die Europäer haben auf die Vorgaben aus Übersee reagiert und auch dieses Geschäft ein für alle Mal neu geregelt. Von September an dürfen matte Glühbirnen innerhalb der Union überhaupt nicht mehr produziert und importiert werden. Und auch klare Glühlampen mit 100 Watt werden sofort verbannt. Stufenweise bis September 2012 werden dann auch die niedrigeren „Wattagen“ aus dem Verkehr gezogen.

Ein Konjunkturprogramm für Hornbach und Co.

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Den Grundsatzbeschluss hatten Europas Staats- und Regierungschefs schon im März 2007 getroffen. Das Europaparlament wurde allerdings sehr zum Unmut mancher Parlamentarier nicht gefragt. Nach umfangreicher Kritik ging die Vorlage zwar nochmals in eine Arbeitsgruppe. Den neu ausgearbeiteten Plan winkte der rot-grün dominierte Umweltausschuss des Europaparlaments im Februar aber mit deutlicher Mehrheit durch, und zwar ohne die geforderte Diskussion im Plenum. Seit Mitte April 2009 ist die entsprechende Verordnung nun in Kraft. Die Meinungen über die Wirksamkeit des Verbots gehen auseinander: Während die EU auf ein Sparpotential von 40 Terawattstunden im Jahr verweist - immerhin der Stromverbrauch von Rumänien -, argumentieren Kritiker mit Fehlanreizen: Die eingesparten Emissionsmengen würden von den Herstellern schlicht verkauft und führten dann an anderer Stelle zu Emissionen. Dazu kommen Sorgen um mehr Elektrosmog und steigende Quecksilberbelastungen.

Für den Handel und die Produzenten wirkt das stufenweise Verbot schlicht wie ein Konjunkturprogramm. Die Baumarktbetreiber Hornbach und Praktiker berichten übereinstimmend für das erste Halbjahr von einem Absatzplus bei 100-Watt-Glühbirnen von um die 150 Prozent. Praktiker überlegt dem Vernehmen nach sogar einen besonderen Marketingcoup: Es ist zwar juristisch noch nicht eindeutig geklärt, ob schon produzierte Glühbirnen auch nach dem 1. September noch verkauft werden dürfen. Das Unternehmen geht aber offensichtlich davon aus, dass das erlaubt ist. Die cleveren Saarländer wollen der Regulierungswut von Brüssel ein Schnippchen schlagen und weiter Glühbirnen verkaufen. Auch die ganz hellen Stromfresser. Trotz Fidel und Brüssel. Bis die Lager leer sind.

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Quelle: F.A.Z.
Bernd Freytag  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Bernd Freytag
Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.
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