F.A.Z.-Elite-Panel

Die Chefs setzen voll auf Kanzlerin Merkel

Von Heike Göbel, Berlin
22.07.2017
, 12:43
Gute Nachricht für Angela Merkel: Unter deutschen Spitzenkräften genießt die Kanzlerin hohes Ansehen.
Die Kanzlerin kann in den Chefetagen auf breite Zustimmung bauen. Martin Schulz sehen die Führungskräfte hingegen eher kritisch. Einen wahren Schub erhält eine kleinere Partei.
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SPD-Kandidat Martin Schulz ist es bisher nicht ansatzweise gelungen, die deutschen Eliten von seiner Eignung als Kanzler zu überzeugen. Schon im Januar, noch bevor der Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten feststand, hatten sich in den Führungsetagen 87 Prozent für eine weitere Kanzlerschaft von Angela Merkel ausgesprochen. Nicht einen Punkt hat Schulz hier gutmachen können. Nur zwölf Prozent würden den früheren Präsidenten des Europaparlaments Schulz der CDU-Kanzlerin Merkel vorziehen. Das zeigt die neue Umfrage unter 521 Entscheidern aus Politik, Wirtschaft und Behörden, die das Meinungsforschungsinstitut Allensbach für die F.A.Z. und die Zeitschrift „Capital“ Ende Juni erhoben hat.

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Dass Merkel der „klare Favorit“ sei, überrasche zunächst nicht, sagte Allensbach-Chefin Renate Köcher bei der Vorstellung des Elite-Panels am Freitag in Berlin. Da die Stichprobe gerade auch Wirtschaftsvertreter berücksichtige und diese üblicherweise eine besondere Nähe zu Union und FDP hätten, sei klar, dass Merkel deutlich vor Schulz liege. „Allerdings liegt sie sehr deutlich vor Schulz, deutlicher, als das bei früheren Wahlen der Fall war“, betont Köcher. Auch im Profilvergleich schneide Merkel bestens ab. „Das ist eine Kunst im zwölften Jahr einer Kanzlerschaft“, urteilt die Demoskopin. Die Delle in Merkels Ansehen – durch ihren Umgang mit der Flüchtlingskrise vor zwei Jahren – sei wieder ausgeglichen.

Im Profilvergleich schneidet Schulz in allen Punkten wesentlich schlechter ab als die Amtsinhaberin. Sachkenntnis billigen Schulz nur ein Fünftel der Befragten zu, der Kanzlerin aber vier Fünftel. Großes Problembewusstsein sieht bei der Kanzlerin mehr als die Hälfte, bei Schulz nur ein gutes Viertel. Für einen klugen Strategen hält ihn jeder Zehnte, die strategischen Fähigkeiten der Kanzlerin loben drei Viertel.

Grüne bleiben „weit unter ihrem Potential“

Köcher bescheinigt Schulz denn auch bemerkenswerte Blässe. Das sei erstaunlich, weil Schulz in Kreisen der Führungskräfte besser bekannt sei als im Durchschnitt der Bevölkerung. Als Europapolitiker habe Schulz bei den Eliten keinen schlechten Ruf gehabt. Aber sein Problem sei wohl doch der sehr späte Einstieg in die Bundespolitik und das fehlende Amt, was eine Vermittlung seiner Qualitäten erschwere.

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Kritik an „Zukunftsplan“ von Martin Schulz
© EPA, reuters

Die Führungskräfte schieben den anfänglichen Höhenflug der Sozialdemokraten nach der Nominierung des Kandidaten in erster Linie auf einen „Hype“, weniger auf falsche Themen oder Personen. Aber wie erklärt sich der „Hype“? Dass eine Volkspartei binnen weniger Wochen um sechs oder sieben Prozentpunkte nach oben schieße und dann genauso schnell wieder herunterfalle „habe ich in Jahrzehnten noch nie gesehen“, zeigt sich Köcher ratlos. Das sei unerklärlich und für sie die größte Überraschung in diesem Jahr. Es stimme auch nicht, dass die Meinung der Bevölkerung immer stärker schwanke. Als Reaktion auf die Umfrageschwäche sollte die SPD aber nun bloß nicht stärker nach links rücken, warnen die Führungsspitzen. Selbst von denen, die sich als Anhänger der SPD bezeichnen, sehen zwei Drittel eine bessere Chance in einer Politik, die auf die Mitte zielt.

Auch die Grünen haben schwer zu kämpfen. Waren sie bis vor einem knappen Jahr in Umfragen immer zweistellig, dümpeln sie nun einstellig und damit bei Werten „weit unter ihrem Potential“, ist sich Köcher sicher. Die Entscheider sehen die Gründe vor allem in falscher Themenwahl und falschen Personen. Mehr als die Hälfte nennen diese Ursachen. 40 Prozent glauben, dass die Anliegen der Grünen, ob in der Kernenergie oder Friedensbewegung, weitgehend erfüllt seien. Köcher würde den Grünen dennoch raten, sich wieder mehr um „grüne“ Themen zu kümmern statt um Finanzen oder Steuern. Das habe schon bei der letzten Wahl unter den eigenen Anhängern nicht gezogen. Immerhin sähen die Führungskräfte die Grünen mehrheitlich auch weiter gerne im Bundestag, an der Regierung möchte sie aber nicht einmal jeder Fünfte wissen.

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Gute Noten für die Regierung

Ganz anders als die FDP: Raketenhaft ist der FDP-Vorsitzende im Ansehen der Eliten gestiegen. Christian Lindner ist mit einer Zustimmung von 81 Prozent bei den Chefs fast so beliebt wie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit 84 Prozent, den die Eliten hinter Merkel (91) auf Platz zwei setzen. Lindner liegt damit auch weit vor den grünen Spitzenkandidaten Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt. Schulz’ Ansehen rangiert mit mageren 33 Prozent noch hinter diesen, immerhin aber knapp vor CSU-Chef Horst Seehofer.

Stark bewegt haben sich auch die Koalitionsvorlieben. Mit weitem Abstand von 65 Prozent wünscht man sich in den Chefetagen nun eine schwarz-gelbe Bundesregierung. Noch im vergangenen Dezember hatten nur 25 Prozent diese Kombination bevorzugt. Zwei erfolgreiche Landtagswahlen der Liberalen im Frühjahr haben die Einschätzung gravierend verändert. Schwarz-Gelb geben die Entscheider jetzt eine genauso realistische Chance wie einer Neuauflage der großen Koalition. 38 Prozent erwarten im Herbst eine Regierung aus Union und FDP, 39 Prozent halten eine große Koalition für wahrscheinlicher. „Das hat sich dramatisch verschoben“, sagt Köcher. Noch vor einem guten halben Jahr habe bei den Führungsspitzen niemand Schwarz-Gelb auf dem Schirm gehabt, jetzt gebe es ein Patt in den Erwartungen. Auch das Thema Schwarz-Grün sei aktuell völlig erledigt.

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Die Arbeit der großen Koalition bewerten die Führungsspitzen als befriedigend. „Eine Drei plus ist für die Bilanz einer Legislatur keine schlechte Note“, urteilt Köcher. Der beste Wert, den sie in Erinnerung habe, sei zwei bis drei. Von der neuen Regierung fordern die Eliten im Herbst vor allem auf drei Feldern einen echten Kurswechsel: in Digitalisierung, Bildung und Infrastruktur. In anderen Bereichen hält eine Mehrheit begrenzte Korrekturen für ausreichend, darunter selbst in der Flüchtlingspolitik, mit der man vor zwei Jahren hochgradig unzufrieden war.

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Mit 521 Führungskräften aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung ist das F.A.Z.-Capital-Elite-Panel die am ranghöchsten besetzte repräsentative Umfrage in Europa. Darunter sind 85 Vorstände von Unternehmen mit mehr als 20.000 Beschäftigten, 24 Minister und Ministerpräsidenten und 33 Leiter von Bundes- und Landesbehörden. Was die Eliten zur EU in Zeiten von Trump und Brexit sagen, ist in der F.A.Z. vom 21. Juli erschienen.

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© dpa, reuters
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Göbel, Heike
Heike Göbel
Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.
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