Vor der Wahl zum EU-Parlament

Fünf Dinge, die wir an Europa lieben

22.05.2014
, 10:36
Frieden, Freizügigkeit, freier Handel: Europa hat uns viel gebracht.
Alle schimpfen auf Europa. Fünf FAZ.NET-Redakteure hatten davon die Nase voll. Sie haben aufgeschrieben, wofür sie der Europäischen Union dankbar sind - und das ist ganz schön viel.
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Einkaufen über Grenzen hinweg

Die DVDs kommen aus Großbritannien, die Hemden aus Italien, das Auto aus Spanien. Und manchmal ein bisschen Käse aus Frankreich. Alles ist billiger als zu Hause. Das hat Europa nicht nur dem Internet zu verdanken, sondern auch dem Binnenmarkt – seinem eigenen großen Freihandelsabkommen. Viele Lieferungen aus Amerika und Asien bleiben beim Zoll hängen und kosten Extra-Gebühren, aber die Sendungen aus der EU sind völlig unproblematisch. Bestellt bei Amazon in Großbritannien, verschickt aus dem Lager in Bad Hersfeld – den Preisvorteil gibt’s trotzdem. Am besten funktioniert das tatsächlich mit Großbritannien. Die haben nämlich keinen Euro. Und wenn das Pfund schwach ist, werden gleich alle Produkte auf einmal billiger. Patrick Bernau

Die Pflege für Oma

„Pflegenotstand“ - so nennen wir es in Deutschland. Gemeint ist die bedauernswerte Situation, dass wir hierzulande viel zu viele alte und kranke Menschen haben und viel zu wenige junge, gesunde. Viel zu wenige Menschen also, um Oma und Opa zu pflegen, ihnen die Wäsche zu waschen, für sie einzukaufen, zu putzen oder einfach mit ihnen Mensch-ärgere-dich-nicht zu spielen. Doch dank der beruflichen Freizügigkeit für osteuropäische Staaten können viele Familien mittlerweile aufatmen. Egal ob sie sich eine Pflegekraft für zu Hause wünschen oder ob sie Oma und Opa im Heim gut aufgehoben sehen wollen: Die Zuwanderung bringt immerhin etwas Entspannung in den Markt. Und nicht nur im Pflegebereich. Deutschland braucht an vielen Ecken und Enden Arbeitnehmer aus dem EU-Ausland: Krankenhäuser auf dem Land versuchen, die Lücken in der Ärzteschaft durch Zuwanderer aus Osteuropa zu stopfen. In der Industrie sind Informatiker und Ingenieure herzlich willkommen. Die Liste lässt sich fortsetzen - wegen des demographischen Wandels gibt es unter den Einheimischen schlicht nicht genügend geeignete Bewerber. Und über die Arbeitnehmerfreizügigkeit zu schimpfen, weil es so viele Geschichten über ausgebeutete polnische Pflegerinnen gibt, geht am Kern der Sache vorbei. Schuld an nicht gezahlten Löhnen oder nicht eingehaltenen Arbeitszeiten sind keineswegs die offenen EU-Grenzen. Sondern diejenigen, die Zuwanderer unter solchen Bedingungen beschäftigen. Die Schlagbäume wieder hochzuziehen würde dieses Problem sicherlich nicht lösen. Nadine Bös

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Frieden, der den Wohlstand sichert

Frieden in Europa, das ist gerade für junge Menschen eine Selbstverständlichkeit. Wer heute 30 Jahre alt ist, muss schon seine Großeltern fragen, wenn er wissen will, wie das ist, wenn Krieg ist. Wenn alles kaputt geht. Wenn Menschen sterben, Bomben fallen, Nahrung knapp wird. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts befand sich Europa zwei Mal im Krieg – gar nicht so lange her. Dass nun seit gut 60 Jahren nahezu überall auf unserem Kontinent Friede herrscht, liegt vor allem auch an der EU. An der innerhalb dieses Länderverbunds etablierten Art und Weise, wie die Staaten miteinander umgehen. Am wichtigen gemeinsamen Markt, der die einzelnen Volkswirtschaften miteinander verbunden und voneinander abhängig gemacht hat – wer handelt, schießt nicht aufeinander. Und schließlich an der Fähigkeit, den Staaten ihre durch zunehmende freihändlerische Verflechtung angenagte Souveränität so gut es geht zu erhalten, gerade auch durch ein bestimmtes Maß an gemeinsamen Standards und Zentralisierung. Ja, das bleibt ein ständiges Ringen, und die Frage, was soll „Brüssel“ machen und was die Staaten in Eigenregie, gehört immer auf die Tagesordnung. Gut ist aber in jedem Fall, dass wir in EU-Europa unsere Krisen heute durch (unzählige) Nachsitzungen und oft anstrengende Kompromisse lösen. Und nicht mit der Waffe. Frieden ist vielleicht die wichtigste Voraussetzung für allgemeinen Wohlstand. Alexander Armbruster

Dass wir leicht an unser Geld kommen

Haben Sie schon einmal in Spanien Wein bestellt? Oder in Griechenland Oliven? Was, wenn es Ärger gibt? Wegen 20 Euro für Oliven vor ein griechisches Gericht zu ziehen, ist wohl ebenso absurd wie mutig. Liegt der Streitwert unter 2000 Euro, hilft aber das „Europäische Verfahren für geringfügige Forderungen“. Beim Europäischen Justizportal können Verbraucher sich ein Formblatt herunterladen oder online ausfüllen – in der eigenen Muttersprache. Das Formular kann der geprellte Kunde in der jeweils erforderlichen Landessprache ausdrucken und mit Beweisunterlagen wie Quittungen oder Rechnungen an das zuständige Gericht schicken. Dieses leitet die Klage innerhalb von 14 Tagen weiter. Der Beklagte hat für die Antwort dann 30 Tagen Zeit. Innerhalb von weiteren 30 Tagen muss das Gericht entweder ein Urteil erlassen, weitere Angaben anfordern oder zu einer mündlichen Verhandlung einladen. Bei der mündlichen Verhandlung muss der Verbraucher nicht zwingend einen Rechtsbeistand haben. Mit dem Formblatt und einer Kopie des Urteils kann der Kunde sein Recht ohne weitere Formalitäten in allen anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union vollstrecken lassen. Denn das anerkannte Urteil können die Mitgliedstaaten nicht anfechten. Natürlich ist es dennoch nicht einfach, Forderungen in Slowenien oder Bulgarien einzutreiben. Aber die Grenzen der Justiz könnten hier kaum durchlässiger geworden sein – dank der EU. Martin Hock

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Vielstimmig durch Schule und Studium

Ich bin Europa dankbar für seine Schul- und Uni-Programme „Comenius“ und „Erasmus“. Das fing schon in der Schulzeit an: Wir waren in der Stadt als Reise-Gymnasium bekannt und es gab immer mindestens eine Klasse, die nicht am Unterricht teilnahm, weil sie irgendwo in Europa unterwegs war. Europäischen Schulpartnerschaften verdanke ich tolle Klassen-Austausche, etwa mit Norwegen, Belgien und Polen. Schon als junger Mensch zeitweise in Familien aus anderen Ländern der EU zu leben, hat mich sehr geprägt – und mir schon früh ein Gefühl dafür vermittelt, wo die Unterschiede zwischen uns liegen und wie viel wir doch gemeinsam haben. Im Studium an der Tübinger Universität hat sich diese Erfahrung noch vertieft: Während die schwäbischen Mitbewohner spätestens am Donnerstag in die umliegenden Städte mit -ingen am Ende aufbrachen, blieben wir im Wohnheim zurück: Die Erasmus-Studenten und alle, die so weit weg von Zuhause studierten, dass sie nicht jedes Wochenende zu den Eltern fuhren – also auch ich. Mit der Zeit kamen mir die Schwaben weitaus exotischer vor als Giuseppe aus Italien, Conceição aus Portugal und Pelo aus Griechenland. Von ihnen habe ich viel gelernt: Etwa wie man portugiesische Creme de leite macht oder dass das deutsche und das griechische Strafrecht sich sehr ähnlich sind. Und wir haben gesungen: „Nessun Dorma“ aus der Oper Turandot - mehrstimmig, mit einem Griechen, einem Italiener, einer Deutschen und einem Halbindonesier. Auch so manche eigene Komposition hatten wir im Repertoire. Danke Europa, dass ich mit diesen coolen Menschen eine so tolle Zeit verbringen konnte! Anne-Christin Sievers

Quelle: FAZ.net
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