Gesundheit

Ein Kassenwechsel spart Hunderte von Euro

Von Dyrk Scherff
12.07.2006
, 15:35
Monatelang hat die Regierung über eine Gesundheitsreform verhandelt, doch heraus kam jetzt vor allem: Es wird noch teurer. Die Beiträge der gesetzlichen Kassen werden steigen. Wer zum billigeren Anbieter wechselt, kann das mehr als ausgleichen.
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Monatelang hat die Regierung über eine Gesundheitsreform verhandelt, doch heraus kam jetzt vor allem: Es wird noch teurer. Die Beiträge der gesetzlichen Kassen werden nicht sinken, wie durch die Reform erhofft, sondern sie sollen im Januar um durchschnittlich 0,5 Prozentpunkte steigen. Manche befürchten gar, daß es noch mehr werden wird. Der Grund: steigende Kosten vor allem bei Arzneimitteln bei stagnierenden oder sinkenden Einnahmen. Immerhin werden die Leistungen nicht zusammengestrichen.

Versicherte und Arbeitgeber müssen die Beitragsanhebung gemeinsam je zur Hälfte tragen. Das kann den Bürger abhängig von seinem Einkommen bis zu 107 Euro im Jahr mehr kosten. Aber: So schmerzlich diese Erhöhung ist, mit dem Wechsel zu einer günstigeren Kasse kann deutlich mehr gespart werden, als im Januar zusätzlich fällig wird.

Beitragsunterschiede könnten sich am Januar ändern

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Denn die günstigsten Kassen verlangen derzeit gerade einmal 11,8 und 12 Prozent vom Einkommen, der Durchschnitt liegt schon bei rund 13,3 Prozent. Dieser Unterschied macht je nach Einkommen bis zu 278 Euro im Jahr aus. Wer gar von der teuersten Kasse (14,6 Prozent) zur günstigsten wechseln würde, könnte bis zu 600 Euro im Jahr sparen.

Etwa elf Millionen Versicherte stellen sich die Frage nach einem Kassenwechsel gerade besonders intensiv. Sie gehören zu den Leidtragenden, die in diesem Jahr schon eine Beitragsanhebung ihrer Kasse erlebten. "55 der rund 240 Kassen haben bisher um durchschnittlich o,47 Prozentpunkte erhöht", sagt Torsten Leidloff vom Informationsdienst krankenkassenratgeber.de. Die Anpassungen variierten zwischen 0,2 und 0,8 Prozentpunkten. Im Januar könnten sich die Beitragsunterschiede zwischen den Kassen abermals ändern. Denn denkbar ist, daß im Rahmen der Reform nicht alle Anbieter einheitlich um rund 0,5 Prozentpunkte anheben müssen, sondern daß sie selbständig anhand ihrer Finanzlage entscheiden dürfen, ob sie weniger oder stärker erhöhen.

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Änderungen hängen von der Gesundheitsreform ab

Eine Umfrage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung unter allen großen Kassen ergab, daß sich kein Anbieter schon festlegen lassen will. Entschieden wird erst im Herbst. Exemplarisch äußerte sich der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Rolf Hoberg: "In diesem Jahr werden wir die Beiträge stabil halten. Was wir im Januar machen, hängt von den Details der Gesundheitsreform ab, die noch gar nicht feststehen. Es wird aber schwierig, Erhöhungen zu vermeiden."

Was Hoberg und seine Kollegen vor allem interessiert, sind die Regelungen zum neuen "Gesundheitsfonds". In ihn werden von 2008 an die Versicherten, die Arbeitgeber und der Staat einbezahlen. Der Beitragssatz wird dann von der Regierung für alle Kassen einheitlich festgelegt. Der Fonds bezahlt den Kassen für jedes Mitglied einen festen Betrag. Reicht der nicht aus, dürfen die Anbieter eine Zusatzprämie von ihren Kunden verlangen. Benötigt die Kasse weniger Geld, als sie vom Fonds bekommt, darf sie die überschüssigen Gelder an ihre Versicherten ausschütten.

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Beitragshöhe nicht einziges Kriterium bei Kassenwahl

Wieviel Euro aber der Fonds jeder Krankenkasse überweist, ist unklar. Erst wenn das geklärt ist, wollen die Anbieter entscheiden, wie hoch der Beitrag Anfang 2007 sein wird. Er muß so bemessen sein, daß sie alle Ende nächsten Jahres schuldenfrei sind. Noch immer gibt es knapp 80 Kassen, die Verbindlichkeiten von rund vier Milliarden Euro abbauen müssen. Ihnen wird es schwerer fallen, die Beiträge bei steigenden Aufwendungen nicht zu erhöhen.

Die Höhe der Beiträge ist wohl das wichtigste Kriterium bei der Kassensuche. "Es sollte aber nicht alleinentscheidend sein. Denn zum einen steigen die Beiträge der Billigkassen auch rasch wieder, wenn der Ansturm der Neukunden nachläßt", betont Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Zum anderen unterscheiden sich die Kassen auch in ihrem Angebot, obwohl es zu mehr als 90 Prozent gesetzlich vorgeschrieben ist." So bezahlen Kassen wie die Securvita, die Techniker oder die IKK Hamburg auch einige naturheilkundliche Behandlungen. Andere kommen für eine Haushaltshilfe zur Betreuung der Kinder auf, wenn die Mutter krank ist. Oder legen spezielle Programme für Rückenleiden oder Herz-Kreislauf-Probleme auf.

Unterschiede bei den Zusatzversicherungen

Die Kassen unterscheiden sich auch im Angebot an Zusatzversicherungen, die in Kooperation mit privaten Versicherern angeboten werden. Solche Policen gibt es etwa für eine Chefarztbehandlung oder für eine höhere Erstattung der Kosten von Zahnersatz. Sie sind bis zu 15 Prozent billiger, als wenn man sie direkt beim Privatanbieter abschließt. Preise und Umfang der Zusatzversicherungen unterscheiden sich aber von Kasse zu Kasse. Manchmal muß etwa die eigentlich überflüssige Versicherung für Brillengläser zusätzlich abgeschlossen werden.

Gerade für Gesunde interessant sind Bonusprogramme und Beitragsrückerstattungen für jene, die nur Vorsorgeuntersuchungen und den Routinecheck beim Zahnarzt vornehmen lassen und den Doktor ansonsten nicht besuchen. In diesen Fällen zahlen einige Kassen bis zu einem Monatsbeitrag im Jahr zurück.

Gewußt wie

Die Krankenkasse wechseln

1. Ein Wechsel der Krankenkasse ist nach einer Mitgliedschaft von mindestens 18 Monaten oder bei einer Beitragserhöhung möglich. Letzteres gilt auch, wenn zwei Kassen fusionieren und durch den gemeinsamen neuen Beitragssatz der verschmolzenen Kasse für einen Teil der Kunden der Beitrag steigen sollte.

2. Nach der Kündigung zum Monatsende muß der Wechselwillige noch zwei Monate warten, bevor er in der neuen Kasse starten kann. Dem Aufnahmeantrag zur neuen Kasse ist das Kündigungsschreiben des alten Anbieters beizufügen.

3. Der Wechsel gilt erst dann als vollzogen, wenn die Bestätigung des neuen Versicherers dem Arbeitgeber vorgelegt wurde.

4. Der Beitrag sollte bei der Kassensuche nicht das alleinige Auswahlkriterium sein. Wichtig sind auch die Zusatzleistungen, die manche Kassen über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus anbieten. Sowie das Angebot an Zusatzversicherungen, etwa für eine Chefarztbehandlung oder für mehr Erstattung bei Zahnersatz.

5. Billige Kassen haben kein Filialnetz. Der Kontakt erfolgt vor allem über Telefon. dys.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.07.2006, Nr. 27 / Seite 47
Autorenporträt / Scherff, Dyrk
Dyrk Scherff
Redakteur im Ressort „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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