Gesundheitssystem

Ärzte wollen weniger Patienten behandeln

Von Andreas Mihm
19.05.2009
, 08:28
Die Deutschen gehen zu oft zum Arzt - das soll sich ändern
Zu Beginn des Deutschen Ärztetages an diesem Dienstag in Mainz spitzt sich die Debatte um die Rationierung medizinischer Leistungen zu. Nirgendwo gehen Menschen so häufig zum Arzt wie in Deutschland. Das sei teuer und ineffizient, klagt die Kassenärztliche Vereinigung.
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Die Deutschen sind nicht öfter krank als Bürger anderer Staaten, gehen aber öfter zum Arzt. Nirgendwo auf der Welt sei die Zahl der Arzt-Patienten-Kontakte so hoch wie in Deutschland, klagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, auf der Vertreterversammlung der knapp 150.000 Kassenärzte und Psychotherapeuten am Montag in Mainz. Das sei teuer und ineffizient. Deshalb müssten Patienten besser durch das Gesundheitssystem geführt werden.

Damit sollen überflüssige Arztbesuche und Behandlungen vermieden und das knappe Geld für die Behandlung Kranker gesichert werden. Kassenpatienten sollten durch Eigenbeteiligungen und neue Tarife zu einem wirtschaftlicheren Verhalten animiert, das sogenannte Doktor-Hopping unterbunden werden. Ziel sei nicht, mehr Geld für die Kassenärzte herauszuschlagen, sagte Köhler. Man wolle vielmehr die Versorgung fördern, ohne mehr Geld zu verlangen. Vorschläge, die 10 Euro Praxisgebühr statt einmal je Quartal künftig je Arztbesuch zu kassieren, wie sie in der Vorwoche erhoben worden waren, machte Köhler sich nicht zu eigen.

Mit Drei-Tarife-Modell Anreize schaffen

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Ginge es nach Köhler, sollen die Krankenkassen ihren Versicherten künftig drei Tarife anbieten: einen Grundtarif, der dem heutigen System mit freier Arztwahl entspricht. Bei Tarif II würde der Patient einen Facharzt nur mit Überweisung seines allerdings unbeschränkt frei wählbaren Hausarztes aufsuchen dürfen, als Anreiz könnte die Praxisgebühr entfallen. Beim dritten Tarif würde die freie Arztwahl nicht eingeschränkt, der Patient aber wie ein Privatpatient mit einer Rechnung nach Hause gehen, die die Kasse (teils) erstatten würde. Köhler nannte keine Einzelheiten, wie er sich die Tarifgestaltung vorstelle. „Versorgungssteuerung erfolgt rational durch Überweisungsvorbehalte, Eigenbeteiligung der Patienten und einer Vertragspolitik von Ärzten und Krankenkassen, die dem Ziel der Versorgungsverbesserung verpflichtet ist.“

Diese Forderungen sind Teil eines Katalogs, mit dem die Kassenärzte den alten Zustand wiederherstellen wollen, als die KV allein für die Honorarverteilung und -abrechnung der Kassenärzte zuständig waren und es keine speziellen Hausarztverträge gab. Wenn immer mehr Kassen mit einzelnen Ärztegruppen Versorgungsverträge an der KV vorbei abschlössen, sei es nicht mehr möglich, rund um die Uhr und flächendeckend die Notfallversorgung für alle Patienten aufrechtzuhalten, sagte Köhler. Zehn Jahre nach Ausrufung des Wettbewerbs im Gesundheitswesen müsse das „unkoordinierte Nebeneinander von Selektiv- und Kollektivverträgen“ beendet werden.

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Zum Forderungskatalog gehören auch der Schutz des freien Berufs, die Hoheit über die Sozial- und Abrechnungsdaten der Patienten und eine rationellere Arzneimittelversorgung. Sie sollen Bestandteil von Wahlprüfsteinen werden, mit denen die KBV den Kassenärzten Handreichungen für ihre Entscheidung bei der Bundestagswahl geben will.

Quelle: F.A.Z.
Andreas Mihm - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Andreas Mihm
Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.
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