Devisen

Warum der Euro nach Macrons Sieg emporschnellt

Von Alexander Armbruster
24.04.2017
, 08:18
Neuer Hoffnungsträger: Emmanuel Macron kann sich nun gute Chancen ausrechnen darauf, der nächste französische Präsident zu werden.
Video
Sichtbarkeit der Bildbeschreibung wechseln
Wirtschaftsvertreter sind erleichtert: Denn nun ist wahrscheinlicher, dass Emmanuel Macron der nächste französische Präsident wird. Aus mehreren Gründen.
ANZEIGE

Der noch amtierende französische Präsident Francois Hollande strebte einmal danach, Frankreichs Staatsfinanzen auch mit einem Spitzensteuersatz von 75 Prozent zu sanieren. Das kam nicht nur unter den gut verdienenden Franzosen in der freien Wirtschaft schlecht an. Ein aufstrebender Minister kommentierte dies einmal mit den Worten: „Das ist ja wie Kuba nur ohne Sonne.“

Dieser Minister blieb nicht allzu lange im Amt, sagte sich vom ziemlich erfolglosen und glücklosen Staatschef los - und hat nun gute Chancen, selbst in den Élysée-Palast einzuziehen. Die erste Runde der Präsidentschaftswahlen hat der 39 Jahre junge Emmanuel Macron zumindest schon einmal gewonnen. Beinahe 24 Prozent der Wähler stimmten für ihn, etwas weniger als 22 Prozent für Marine Le Pen, die Vorsitzende des Front National. Der Abstand zwischen beiden ist also auf den ersten Blick nicht sonderlich groß und wer weiß, was bis zur Stichwahl in zwei Wochen noch geschieht.

ANZEIGE

Gleichwohl ist unter Fachleuten aus der Wirtschaft der Optimismus merklich gestiegen, dass mit Macron ein wirtschaftsfreundlicher Globalisierungsbefürworter künftig die zweitgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Währungsunion regieren wird. Die Anleger an den Finanzmärkten haben das zum Beispiel schon einmal ausgedrückt durch einen leicht gestiegenen Euro-Kurs; der Außenwert der Gemeinschaftswährung kletterte vorübergehend auf mehr als 1,09 Dollar. An den Optionsmärkten, auf denen sich Anleger gegen Kursschwankungen absichern, ist die Reaktion deutlich sichtbar. Der französische Aktienindex Cac 40 stieg um mehr als 4 Prozent, der Dax legte um ungefähr 3 Prozent zu und erreichte ein Rekordhoch, der Eurostoxx 50 und der italienische FTSE-Mib-Index kletterten jeweils um etwas weniger als 4 Prozent nach oben.

„Wenn diese Sicht richtig ist, sollte Emmanuel Macron der nächste Präsident Frankreichs werden“, kommentierte Jordan Rochester vom japanischen Finanzhaus Nomura die Wahl gegenüber dem Finanzdienst Bloomberg: „Und das sollte wiederum positiv für die französische Wirtschaft sein und für die wirtschaftliche Stabilität in Europa insgesamt.“

ANZEIGE

„Kein Horror-Ergebnis“

Die Fachleute des auf politische Ereignisse spezialisierten Analysehauses Eurasia Group bemessen infolge des Wahlausgangs die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Macron gewinnt, nun auf 60 Prozent, nachdem sie seine Siegchancen zuletzt sogar noch reduziert hatten. Sie führen für die neue Einschätzung mehrere Gründe an: Die hohe Wahlbeteiligung und das schlussendlich doch eher enttäuschende Abschneiden der Front-National-Chefin sind zwei davon.

Video starten Video
Wahl in Frankreich
Macron gegen Le Pen in der Stichwahl

Denn trotz der für Macron guten Umfragewerte zweifelten sie zuvor zum Beispiel daran, wie groß der Rückhalt für den Kandidaten Macron in der Bevölkerung wirklich ist. Sie verwiesen darauf, dass dessen Bewegung „En Marche!“ noch ziemlich jung ist und Macron eben nicht wie Le Pen oder Fillon über einen etablierten Parteiapparat verfügt, der für ihn Wahlkampf macht.

ANZEIGE

Durch den Terroranschlag in der vergangenen Woche hatte sich außerdem zusehends die Erwartungshaltung herausgebildet, Le Pen könnte aus der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen doch als stärkste Kandidatin hervorgehen. Und vielleicht sogar jene 28 Prozent erreichen oder übertreffen, die ihre Partei während der Regionalwahlen im Jahr 2015 erzielt hatte. Nun ist sie deutlich darunter geblieben. „Allein der Gedanke an eine Le-Pen-Präsidentschaft ist genug, um viele Wähler auch tatsächlich dazu zu bewegen, ihre Stimme abzugeben für ihre Gegner“, erklärt Eurasia-Group-Europaexperte Mujtaba Rahman.

Dabei nennt er nicht nur die Haltung der Partei zum Zweiten Weltkrieg als Begründung, sondern beispielsweise auch die Sicht der Parteichefin auf den Euro. „Die französische Sicht auf die EU ist feindseliger geworden in den vergangenen Jahren, aber mehr als zwei Drittel der Wähler fühlen sich der Gemeinschaftswährung verbunden.“ Le Pen selbst nicht - sie will den Euro zumindest in seiner bisherigen Form abschaffen, auch wenn sie selbst gelegentlich daran zweifelt.

Macrons Sieg ist kein Selbstläufer

Macrons Sieg sei aber durchaus kein Selbstläufer, mahnt Rahman zugleich. „Macrons kompromissloses Bekenntnis zur EU, zu Einwanderung und zu 'Offenheit' bieten Le Pen eine ideale Möglichkeit, die Stichwahl zu einem Referendum über den Status Quo zu machen.“ Bis zu ein Drittel der Wähler, die nun den Mitte-Rechts-Kandidaten Fillon gewählt haben, könnten sich seiner Ansicht nach nun Le Pen anschließen, und außerdem wohl auch ein eher kleiner Teil der Wählerschaft des linken Kandidaten Jean-Luc Mélenchon.

In Deutschland ist das Wahlergebnis meist erfreut aufgenommen worden. „Frankreich hat sich für einen pro-europäischen Politiker als Topkandidaten ausgesprochen. Das ist gut so“, sagte Dieter Kempf, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI): „In der Stichwahl müssen sich die Franzosen nun klar entscheiden: für oder gegen Europa - für oder gegen den Rückzug ins Nationale.“

ANZEIGE

Unter deutschen Ökonomen überwiegt ebenfalls die Zuversicht auf die Stichwahl. „Mit Emanuel Macron steht der führende Kandidat für Wirtschaftsreformen und ein starkes Europa. Die Chancen sind sehr hoch, dass Macron sich im zweiten Wahlgang durchsetzen wird“, kommentierte Marcel Fratzscher, Chef des Forschungsinstituts DIW, gegenüber dem Finanzdienst Reuters das Ergebnis.

„Das ist sehr gut“

Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank findet: „Dass die Wahl auf Macron fiel, ist ein Zeichen dafür, dass sich die Franzosen eine Neuausrichtung der Politik wünschen.“ Das sei auch ein „Weckruf für Berlin und Gesamteuropa, die politischen Ansätze der Vergangenheit kritischer zu überprüfen - von der Erweiterung der EU bis zur Demokratisierung der Institutionen und der Wiederbelebung des europäischen Geistes“.

ANZEIGE

„Es ist nicht zu einem Horror-Ergebnis gekommen, das die Stabilität der Währungsunion bedroht hätte. Es werden nicht Links- und Rechtsradikale gemeinsam in die zweite Runde gehen. Das ist sehr gut“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Die Kommentare der Fachleute sind auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass sich abseits der politischen Unwägbarkeiten zumindest die neuen Wirtschaftsdaten aus Frankreich durchaus Grund für Zuversicht stimmt. Stimmungsindikatoren deuten auf gute Geschäfte hin und lassen es als möglich erscheinen, dass die französische Wirtschaft in der ersten Jahreshälfte vielleicht sogar schneller zulegen wird als die deutsche.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Armbruster, Alexander (ala.)
Alexander Armbruster
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Kapitalanalge
Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
Sprachkurse
Lernen Sie Englisch
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
Zertifikate
Ihre Weiterbildung im Projektmanagement
ANZEIGE