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Die Wohlstandsfalle

Von MAJA BRANKOVIC
Illustration: Mart Klein und Miriram Migliazzi

09.09.2019 · Mensch und Natur leiden immer mehr unter unserem Wirtschaftssystem. Ist bald die Grenze des Wachstums erreicht?

N ationalstolz lässt sich messen – nicht anhand der Größe des Heeres oder der Anzahl gewonnener Schlachten, sondern anhand einer ökonomischen Zahl. Bruttoinlandsprodukt heißt sie, was sperrig klingt, nach Datenfluten in einer verstaubten Behörde und einschläfernd langweiliger Bürokratie. Und das stimmt ja auch, denn ermittelt wird die Kennziffer in mühevoller Sammelarbeit im Statistischen Bundesamt in Wiesbaden. Man kann diese Zahl auch Wirtschaftsleistung oder Wirtschaftskraft nennen, was vielleicht etwas konkreter klingt, aber trotzdem wenig Charme versprüht.

Doch nichts gilt den Nationen dieser Welt so sehr als Leistungsnachweis wie dieses Bruttoinlandsprodukt. Wenn es steigt, gilt ein Land als gesund und kraftvoll, und seiner Regierung sagt man nach, sie mache zumindest nicht alles verkehrt. Sobald sich das Wachstum aber gegen null bewegt oder gar in den negativen Bereich abrutscht, läuten die Alarmglocken schrill. Dann werden Anleger unruhig, die politischen Kämpfe größer und der Ruf nach Konjunkturprogrammen wie Steuererleichterungen oder einer staatlichen Investitionsoffensive lauter.


„Für eine Wirtschaft gibt es nur zwei Alternativen: Wachstum oder Schrumpfung.“
MATHIAS BINSWANGER, ÖKONOM

Letzteres ist gerade in Deutschland passiert. Man ahnte schon, dass da nichts Gutes kommen würde aus der Wiesbadener Behörde, als man auf die Zahlen für das zweite Quartal wartete. Die Märkte hatten sich weniger zuversichtlich gezeigt. Dem Arbeitsmarkt schien etwas die Puste auszugehen. Die Unzufriedenheit der Unternehmen angesichts der politischen Großbaustellen Handelskrieg und Brexit war so groß wie seit der Euro-Krise nicht mehr. Dann folgte Gewissheit: Das Bruttoinlandsprodukt – oder BIP – ist im Vergleich zum Jahresbeginn um 0,1 Prozent zurückgegangen. Schlusslicht im Euroraum, schlechter noch als Italien. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, waren sich Fachleute auch gleich einig: Ein Ausrutscher war das nicht. Stattdessen droht das Ende des fast zehnjährigen Aufschwungs und das Abgleiten in eine Rezession.



„Unsere Gesellschaft ist instabil“

Eine Welt ohne Wachstumszwang – schön und gut, aber wie soll so ein System überhaupt aussehen? Ein Gespräch mit dem Forscher Tim Jackson

Tim Jackson
wurde mit seinem Buch „Wohlstand ohne Wachstum“ bekannt, das mittlerweile als Standardwerk auf dem Gebiet der Wachstumskritik gilt. Jackson ist Professor für Nachhaltige Entwicklung an der Universität Surrey und berät die britische Regierung.
Foto: Peter Nygaard Christensen

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Quelle: F.A.Z. Woche