Astern

Das sind die Stars im Herbstgarten

Von Christa Hasselhorst
Aktualisiert am 01.11.2020
 - 14:55
Astern verzaubern mit hauchzarten Sternblüten in überschäumender Fülle.zur Bildergalerie
Astern sind Universalisten. Im Garten machen sie fast überall eine gute Figur. Ein Privatgarten in Brandenburg zeigt, wie groß die Vielfalt ist.

Der Name ist Programm: ’Purple Dome‘ ist eine der prächtigsten Astern mit strahlend purpurvioletten Blütenkränzen um knöpfchengroße gelbe Körbchen mittendrin. Kann es einen herbstlichen Garten ohne den Klassiker Astern geben? Nein! Denn im Gegensatz zu den knallbunten Dahlien verzaubern Astern mit ihren hauchzarten Sternblüten in überschäumender Fülle und eher sanften, nostalgischen Farben. Vor allem die magische Farbe Blau in unzähligen Nuancen bis hin zu Violett, Purpur und Rosa kennzeichnet die späte Schönheit.

Dem fragilen Charme der Astern ist auch Christian Höhne verfallen. In seinem Garten im brandenburgischen Dörfchen Wiesenburg ziehen sich Herbstastern als opulent blühende niedrige und hohe Tuffs quer durch den von den Großeltern geerbten Garten. Auf 5000 Quadratmetern lebt der Enddreißiger seine Leidenschaft für unzählige Pflanzen aus, die Aster zählt zu den Lieblingen. Beim Streifzug durch diverse grüne Zimmer stellt Höhne seine blühenden Schätze vor. Dem Laien erscheinen viele auf den ersten Blick gleich, sind doch alle blau, alle violett, alle rosa. Doch Höhne kennt die winzigsten Differenzen im Detail. Da ist die Glattblatt-Aster ’Treffpunkt‘ in zartestem Blauviolett, mit einem feinen „Kranz der Zungenblüten um das gelbe Staubgefäß, das später lila wird“, nennt Höhne ein weiteres Charakteristikum. Daneben prangt die Raublatt-Aster ’Septemberrubin‘, fast anderthalb Meter hoch.

„Halten Sie mal die Nase rein, die duftet sogar“, schwärmt Höhne vor dem mit rubinroten Blüten übersäten aufrechten Busch. Die Sorte braucht viel Sonne, dafür wenig Wasser. Als passenden farblichen Begleiter pflanzte er dazu die Fetthenne ’Herbstfreude‘. Daneben funkelt die kleinblütige Amethyst-Aster ’Herbstleuchten‘ in Purpurrot, „herrliche Farbe, muss man haben, auch wenn sie leider nicht standfest ist“. Besonders verliebt ist der Astern-Fan in alle geheimnisvollen Varianten von Blau, besonders in das der Glattblatt-Aster ’Marie Ballard‘.

Mit voluminösen Horsten macht die Glattblatt-Aster ’Vasterival‘ – der Name ist eine Hommage an den legendären Garten in der Normandie – auf sich aufmerksam. „Sie hat wolkige, riesige Blütenstände, aber wuchert auch sehr, wie viele Astern“, sagt Höhne. Dagegen hilft nur beherztes Auslichten. Der ’Vasterival‘ hat er hohe Gräser als luftig sich wiegende Partner zugesellt. Dafür wählte er drei Sorten Chinaschilf (Miscanthus sinensis): ’Veitshöchheim‘ – „nicht sehr standfest, aber tolle goldgelbe Färbung“ –, ’Makramee‘ mit markanten rostrot gewellten Blüten sowie ’Haiku‘ mit silbrigweißen Blüten. Um das Arrangement zu vervollkommnen, lockt zwischen den Gräsern noch die Glattblatt-Aster ’Karminkuppel‘. „Die ist schlicht unverwechselbar mit ihrem erst strahlenden, dann sanfteren Purpurrosa!“

Astern sind Universalisten im Herbstgarten und machen fast überall bella figura. An Gehölzrändern schenken sie weichgezeichnete Blickpunkte: Hier eignen sich Sorten der Ageratum-Aster wie ’Asran‘ mit fragilen Blüten in blassestem Blauviolett und die Waldaster (A. divaricatus) wie ’Tradeskant‘, deren winzige weiße Blüten wie schaumiger Sprühregen zu braunroten Stengeln kontrastieren. Apart ist die Myrten-Aster (A. ericoides), die je nach Sorte zwischen fünfzehn und hundertfünfzig Zentimeter hoch wird und meist sehr spät blüht. Aufrecht-buschig und mit reich verzweigten Stengeln, hat sie fast nadelförmiges dunkelgrünes Laub und wolkenartige Blütenstände mit winzigen Sternblüten. ’Snowflurry‘ ist zwar ein Winzling mit gerade fünfzehn Zentimetern Wuchshöhe, zieht aber mit ihrem teppichartigen überreichen Blütenflor die Blicke auf sich, ideal als Einfassung und Vordergrund von Rabatten.

Bildschöne Effekte erzeugen die vielen Sorten der kleinwüchsigen Kissenastern (A. dumosus), die mit straffen, engen Stengeln niedrige Blütenkissen bilden. Mit einem Mix aus früh-, mittel- und spätblühenden Sorten erzeugt man einen dicht gewebten Teppich in hinreißendem harmonischen Farbverlauf mit einem Hauch Morbidezza. Das sanfte Farbspiel in üppiger Fülle gepflanzter diverser Astern bildet gerade an einem nebligen Herbsttag zauberhaft melancholische Bilder. Wer kurz vor der Dämmerung noch einmal seine blühenden Schätze betrachtet, kann den Raublatt-Astern gute Nacht sagen: Viele Sorten schließen abends ihre Blütenköpfchen.

Im Asternparadies in Wiesenburg zeigt Höhne unzählige weitere Kleinode. Eine Trophäe ist für ihn jene Novität, die er bei der Staudengärtnerin Christina Macke entdeckte: ’Rosa Baby‘ ist eine Raublatt-Auslese, rund einen Meter hoch. Aparte Blickfänge sind mehrere Sorten, die mit Laub und Stielen in dunklem Violett hervorstechen wie eine neuere Laevis-Hybride namens ’Glow in the Dark‘.

Von der Wildglattblatt-Aster (A. laevis) besitzt der Sammler die Art selbst in verschiedenen Beeten, schätzt ihre sehr lockeren Blütenstände: „Sie geben ein filigranes Bild zu Gräsern und zarten Kontrast zu Astern mit kräftigeren Farben.“ Obendrein sei die reine Art standfest und nicht wuchernd. Schätze in elegantem Weiß sind die Schleieraster (A. cordifolius) ’Ideal‘, „ein kleiner Schopf mit winzigen fragilen Blüten, wie Ministerne, ein Traum“, und ’Schneetanne‘. An dieser Myrten-Aster bewundert er ihre verschwenderische Blütenfülle. Neben ihrer geradezu märchenhaften Ausstrahlung sei sie wie viele ihrer Art auch eine wertvolle Staude für Bienen und Insekten.

Dünger bekommen seine blühenden Lieblinge nur wenig, „viele Sorten neigen zum Umkippen, man sollte nicht zu viel düngen, das beeinträchtigt die Standfestigkeit“, stellt der Kenner klar. Fast am Ende des Rundgangs zeigt Höhne noch eine Preziose in Gelb, die Goldhaar-Aster (A. linosyris): „Sehr originell, winzige goldgelbe, traubige Blütenköpfchen, dazu tannengrünes nadeliges feines Laub“, beschreibt er die Vorzüge. Dahinter entdeckt er einen unbekannten neuen Asternsämling und freut sich: „Astern neigen über ihre gelben Staubgefäße generell stark zur Versamung. Genau das will ich, finde es total spannend, wenn etwas Überraschendes, Neues entsteht, mit anderen Farben und Eigenschaften.“ Seine rund siebzig Arten und Sorten reichen dem leidenschaftlichen Sammler längst nicht. Mehr und Neues ist willkommen, noch ist Platz im Garten.

Tipps vom Astern-Experten

Klaus-Peter Manig ist Staudengärtner in Uebigau in Brandenburg und Fachmann, wenn es um Astern geht.

Die gängigsten Garten-Astern Glattblatt-Astern verbreiten sich durch Ausläufer. Ich bevorzuge Raublatt-Astern, die wuchern nicht und wachsen horstig. Da sie eigentlich Wiesenpflanzen sind und in der amerikanischen Prärie in hohem Gras wachsen, brauchen sie zur Blütezeit unten keine Blätter mehr. Daher verkahlen sie im Garten. Das kann man kaschieren, indem man sie zwischen halbhohe Stauden setzt.

Die Favoriten für Anfänger Bei den Glattblatt-Astern empfehle ich die alte Sorte „Dauerblau“, die ist gesund, wüchsig und robust. Bei den Raublatt-Astern ist ’Alma Pötschke‘ mein Favorit. Die lege ich auch Astern-Anfängern ans Herz, sie ist robust, gesund und hat dieses auffällige leuchtende hellrot.

Spätblühende Sorten Die Sorten der kleinblumigen Aster (Aster ericoides) blühen im Allgemeinen am spätesten.

Heimische Astern Die meisten Herbst-Astern stammen aus Nordamerika, wer Wert auf heimische Arten legt, sollte die im Spätsommer blühende Berg-Aster – botanisch Aster amellus – pflanzen, Sorten wie ’Veilchenkönigin‘ blühen bis weit in den September.

Pflanzzeiten Auch jetzt im Spätherbst können Astern noch problemlos gepflanzt werden. Idealerweise sollten sich die Pflanzen schon bestockt haben, also Triebe an der Basis zeigen.

Standort Bis auf Staunässe, das mögen alle Sorten nicht, gibt es für jeden Standort die passende Aster. Sogar für ganztägigen Schatten, die weiße Herbst-Aster – Aster divaricatus – verträgt obendrein noch Trockenheit. Viele Glattblatt-Astern kommen auch mit einem Standort klar, der mittags im Schatten liegt.

Mehltau Man sollte vor allem auf gesunde Sorten setzen, da kann man sich an den Ergebnissen der Staudensichtungen orientieren. Ansonsten ist man hilflos gegen Mehltau. Das allerdings finde ich persönlich nicht so problematisch: Es ist Herbst, alles vergeht, da müssen Blumen nicht tadellos aussehen.

Quelle: F.A.S.
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