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FAZ plus ArtikelFertighäuser

Werden Fertighäuser noch gebaut?

Von Birgit Ochs
Aktualisiert am 07.04.2020
 - 08:35
Krise hin oder her: Die Mehrheit der Deutschen träumt vom eigenen Haus.zur Bildergalerie
Fertighäuser sind so gefragt wie nie. Ihr Marktanteil wächst, die Auftragsbücher der Anbieter sind voll. Nun legt die Pandemie das Land lahm.

Bauherrennerven liegen schon zu normalen Zeiten blank. In diesen Wochen aber sorgt die Coronavirus-Pandemie für zusätzliche Anspannung, denn jüngst mehrten sich die Meldungen, dass auf immer mehr Baustellen Arbeiter fehlen und Material knapp wird. Entsprechend wächst auch unter den Kunden der Fertighausanbieter die Sorge, dass der allgemeine Stillstand im Land die Produktion in den Traumhausfabriken und die Montage auf der Baustelle erfasst. Der von langer Hand geplante und herbeigesehnte Umzug in die eigenen vier Wände könnte sich dann auf unbestimmte Zeit verschieben.

Bei Bien-Zenker, der zu den großen Herstellern unter den Holzfertigbauern zählt, kann davon nach Angaben des Unternehmens keine Rede sein. „Wir sind fast zu 100 Prozent im Plan“, versichert Sprecher Sven Keller. Auch Kunden von Schwörer Haus müssten keine Verzögerungen befürchten, gibt Geschäftsführer Johannes Schwörer Entwarnung. Der Fertighausanbieter aus Oberstetten auf der Schwäbischen Alb, der im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben knapp 1000 Häuser fertigte, berät potentielle Bauherren und Kunden dieser Tage ausschließlich per Telefon oder übers Internet. Während Verwaltung und Vertrieb vom Homeoffice aus laufen, arbeiten die Holzbauer in den Produktionshallen im Schichtbetrieb, damit die einzelnen Mitarbeiter mehr Platz haben und den Sicherheitsabstand einhalten können. So halten es momentan auch die anderen Hersteller. Das klappe gut. Zumal sich in den Fertigungshallen auch unter normalen Bedingungen die Arbeiter nur selten um einen Arbeitsplatz drängeln, sondern eher großformatige Bauteile bis hin zur Hauswand bearbeiten. Die Bemusterungstermine, die oft einen ganzen Tag dauern und bei denen die Bauherren alle Details festlegen und die Ausstattung wählen, finden weiter statt. Anders als sonst können zur Zeit aber Kinder, Schwiegereltern und Freunde nicht daran teilnehmen.

Die Krise kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Branche in Deutschland so viel Zuspruch erfährt wie nie zuvor. Schon seit längerem berichten viele Anbieter von vollen Auftragsbüchern. Erst im März meldete der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF), dass im vergangenen Jahr fast 21 Prozent der 2019 genehmigten Ein- und Zweifamilienhäuser in Systembauweise entstanden sind. Zum ersten Mal übertraf diese Bauweise die Marke von 20 Prozent. Vor zwanzig Jahren lag die Quote noch bei 13,5 Prozent. Damit ist das Segment zuletzt deutlich stärker als der Gesamtmarkt gewachsen. Legte dieser im Vergleich zu 2018 nur um 1,3 Prozent auf 101569 neue Ein- und Zweifamilienhäuser zu, verzeichnete die Fertigbausbranche ein Plus von 7,7 Prozent. Vor allem unter Bauherren in Baden-Württemberg und Hessen, aber auch in Bayern ist der Zuspruch für den Holzfertigbau seit jeher besonders hoch. Das Bauen mit Holz hat im Süden Tradition.

Am großen Interesse habe sich bisher nichts geändert, heißt es bei Bien-Zenker – trotz Corona und den Folgen wie Kurzarbeit sowie teils komplett wegbrechender Aufträge für manche Wirtschaftszweige. In Zahlen fassen möchte Sprecher Sven Keller den Erfolg nicht, aber noch im Februar habe der Vertrieb das „beste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte“ erzielt. Auch der März sei sehr gut gelaufen. Womöglich sogar gerade wegen Corona. „Mancher hat jetzt Zeit, sich um das Thema Hausbau zu kümmern, und Aktien haben an Attraktivität verloren“, vermutet Keller.

Vorsichtiger äußert sich Johannes Schwörer. Interesse bestehe nach wie vor, aber im März sei die Zahl der Abschlüsse „deutlich verhaltener“ ausgefallen. Aber „kein Problem“, schiebt der Geschäftsführer nach. Schwörer habe einen „extrem großen Bestand abzuarbeiten“. Derzeit beträgt die Lieferzeit nach Erhalt der Baugenehmigung ein Jahr.

Ähnlich beurteilt Jürgen Dawo, Gründer und Geschäftsführer von Town & Country, die Situation. Der thüringische Franchisegeber setzt auf Massivhäuser in Fertigbauweise. Rund 4400 Verträge haben die Partner im vergangenen Jahr abgeschlossen. Legendär ist Modell „Flair113“, das sich hierzulande wohl so gut verkauft hat wie kein anderes Hausmodell. Dawo sagt: „Der März lief nicht so sonderlich.“

Was ihn allerdings nicht wundere, schließlich hätten viele Menschen gerade andere Sorgen. Allerdings versucht das Unternehmen trotzdem, zögernde Interessenten davon zu überzeugen, dass der Hausbau gerade jetzt eine gute Entscheidung sei. Zwei Argumente des T&C-Marketings: die Zinsen sind nach wie vor historisch niedrig, und „der beste Schutz vor Krisen, wie wir sie jetzt erleben, ist immer noch das Eigenheim“. Der Betrieb auf den Baustellen gehe weiter, versichert Dawo. „Verzögerungen gibt es bei uns momentan keine“.

Es ist dieser Tage nicht leicht einzuschätzen, ob das so für die Mehrheit der Fertighausunternehmen gilt. Manch angefragter Hersteller meldet sich bis Redaktionsschluss nicht zurück. Interessenvertreter bleiben stumm. Etliche Anbieter weisen auf ihrer Homepage ausdrücklich darauf hin, dass Corona den Betrieb nicht weiter beeinträchtige. Andere thematisieren den „Shutdown“ und seine Folgen nur dezent. Und wer sich äußert, schiebt noch ein „Stand jetzt“ nach. Vieles ändert sich schnell in diesen Tagen.

„Probleme können noch kommen“, sagt Eva Reinhold-Postina von der Verbraucherschutzorganisation Verband Privater Bauherren (VPB). Anders als auf Großbaustellen sieht sie die Hausproduktion in der Halle in der gegenwärtigen Situation aber im Vorteil. „Das kann man hygienisch fahren und mit kleinen, geschlossenen Teams“, erläutert sie. Wird ein Mitglied positiv auf Covid-19 getestet, müsse nicht gleich die ganze Truppe in Quarantäne.

Je nachdem wie sich die Lage weiter entwickele, könnte es allerdings zunehmend schwierig werden, die Montagetrupps für die Tage des Aufbaus unterzubringen und zu verpflegen. In einigen Bundesländern und Regionen haben Hotels und andere Herbergsbetriebe schon geschlossen. Gaststätten sind überall zu. Bei Weber Haus etwa heißt es dazu auf der Homepage (Stand Freitag): „Erste Probleme in Sachen Hotelunterbringung für unsere Monteure stellen sich ein, sind jedoch für die nächste Woche organisiert.“

Ob Holzhaus oder Massivbau, im Vorteil sind bisher all diejenigen, die mit Arbeitskräften und Gewerken aus dem Inland arbeiten, wenn nicht gar ausschließlich – wie etwa Schwörer – mit eigenen Mitarbeitern bauen. Wer den Hausbau über Landesgrenzen hinweg betreibt, bekommt das im Zweifelsfall zu spüren. So der Anbieter Danwood S.A. aus Polen. Der Holzfertigbauer macht seit einigen Jahren den deutschen Wettbewerbern im unteren Preissegment Konkurrenz. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 1300 Häuser in Deutschland gebaut. Geschätzter Marktanteil: 6 Prozent. Produziert wird ausschließlich in Bielsk Podlaski. Auch die Montage- und Ausbautrupps kommen aus Polen.

Als die polnische Regierung Mitte März plötzlich die Grenzen schloss, habe sich das auf die Baustellen im Ausland ausgewirkt, sagt Jaroslaw Jurak, Vorstandsvorsitzender von Danwood. Normalerweise baue man jede Woche bis zu 27 Häuser in Deutschland. Die Grenzschließung hat den Takt durcheinander gebracht. „Alle unsere Arbeiter, die zu diesem Zeitpunkt zurück nach Polen kamen, mussten für vierzehn Tage in häusliche Quarantäne, so dass wir etliche geplante Hausmontagen fast von heute auf morgen verschieben mussten.“

Danwood sei aber dabei, die verschobenen Hauslieferungen wieder aufzuholen. Das werde nach Ostern, wenn alle Monteure und Handwerker wieder verfügbar seien, noch besser gelingen, hofft Jurak und versichert, man tue alles, um größere Beeinträchtigungen für die Bauherren zu vermeiden. „Vorausgesetzt, Corona sorgt nicht für weitere Probleme, zum Beispiel bei Materialien.“

Hält der Stillstand weiter an, könnten bald auch jene unter Materialnachschub leiden, deren Geschäft mit den Traumhäusern bisher noch weitgehend reibungslos verläuft. Noch habe man genügend Material, heißt es bei Schwörer. Ein italienischer Fliesenproduzent habe zuletzt sogar noch extra für das Unternehmen vorproduziert, so dass erstmal ein Vorrat da ist.

VPB-Sprecherin Reinhold-Postina mahnt Bauherren vor allem auch mit Blick auf die Haustechnik wachsam zu sein. Nicht jede Komponente lasse sich einfach ersetzen. „Wenn ein bestimmtes Teil nicht lieferbar ist, sollte man unbedingt klären, ob das vorgeschlagene andere Fabrikat wirklich kompatibel ist und zum geplanten Energiekonzept passt“, rät sie. Überhaupt sollten Bauherren auch in der Krise nicht alles „durchwinken“, was die Baufirma vorschlage. Unabhängig von der Fertigbaubranche weiß man beim VBP von Fällen, in denen Bauunternehmen versucht haben, fertige Bauten möglichst schnell abzuwickeln und abzurechnen. Bauherren seien schriftlich aufgefordert worden, den Bau innerhalb einer bestimmten Frist abzunehmen. Zwar solle man auf diese Schreiben reagieren, sich jedoch nicht zur Abnahme drängen lassen und diese auf keinen Fall schriftlich erklären. Auch wenn Bauherren grundsätzlich nicht die besten Nerven haben und von Natur aus ungeduldig sind: „Trotz der Pandemie sollte man auch im Hausbau jetzt nichts überstürzten“, sagt Reinhold-Postina.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Ochs-Koffka, Birgit
Birgit Ochs
Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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