FAZ plus ArtikelNeubau oder Altbau?

Mehr Respekt fürs alte Haus!

Von Judith Lembke
27.08.2020
, 09:44
Wir verbieten Plastikstrohhalme, aber beim Bauen herrscht in Deutschland eine Wegwerfmentalität. Warum das nicht nur ökologisch, sondern auch finanziell irrsinnig ist.

Es gibt Flugscham, Fleischscham, Plastikscham – aber Bauscham? Während es aus Gründen der Nachhaltigkeit mittlerweile zum guten Ton gehört, keine Einwegbecher zu benutzen und Gemüse anstatt Würstchen zu grillen, gilt der Neubau nach wie vor als Goldstandard des Wohnens. Gerne soll das Haus energieeffizient sein und wegen der CO2-Bilanz aus Holz anstatt Beton, aber eben neu, vom Rohbau bis zur Badezimmerfliese, am liebsten ganz nach den individuellen Bedürfnissen geplant.

Auch politisch steht der Neubau auf der richtigen Seite. Wer heute in Deutschland die Autoproduktion ausweiten will, wird in einem ökologischen Vorgestern verortet, wer viele Häuser baut, ist Avantgarde. Oberbürgermeister und Planungsdezernenten werden an Bau-Fertigstellungen gemessen, je höher die Zahl, desto besser. Schließlich gilt „bauen, bauen, bauen“ als wirksamstes Mittel, um die steigenden Hauspreise und Mieten in den Ballungsräumen in den Griff zu bekommen.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Lembke, Judith
Judith Lembke
Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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