Die weit zurückversetzte Lage deutet auf ein Vorleben hin.

Ein wandelbares Haus

Von BIRGIT OCHS, Fotos ANDREAS PEIN
Die weit zurückversetzte Lage deutet auf ein Vorleben hin.

5. Februar 2020 · Erst Druckerei, dann Botschaftsgebäude und nun Zuhause einer vierköpfigen Familie – und das ist dank guter Planung noch nicht das Ende der Geschichte.

Viele Neubaugeschichten beginnen mit dem Satz: Da ist nichts mehr zu machen. Das alte Haus ist marode und der Aufwand viel zu groß, es zu sanieren. Es muss weg. Auch das Architekten-Ehepaar Sandra Scheffl und Xaver Egger hat beim Anblick jener Immobilie, die es zufällig auf einer Radtour durch Berlin-Zehlendorf entdeckte, an Abriss gedacht. Der seit Jahren leerstehende Bau befand sich in jämmerlichem Zustand, nachdem ungebetene Besucher jede Menge Unrat hinterlassen hatten. Der Eingang war zugewuchert, und anstelle von Scheiben verschlossen Bretter die Fensteröffnungen. Alles sehr hässlich. Was schlimmer wog, waren die Wasserschäden, die geplatzte Leitungen im Innern und übergelaufene Dachrinnen an der Außenfassade verursacht hatten. Mit einem „Da ist nichts mehr zu machen“ hätten die neuen Herren auch das Ende der aus den siebziger Jahren stammenden Druckerei besiegeln können. Sie haben sich anders entschieden.

Die Fenster sitzen entweder innen oder außen bündig in der Fassade.
Die Fenster sitzen entweder innen oder außen bündig in der Fassade.
Die Fenster sitzen entweder innen oder außen bündig in der Fassade.
Blick ins Spielzimmer: Auch hier haben die beiden Planer „so viel Rohes wie möglich“ sichtbar gelassen.
Blick ins Spielzimmer: Auch hier haben die beiden Planer „so viel Rohes wie möglich“ sichtbar gelassen.
Blick ins Spielzimmer: Auch hier haben die beiden Planer „so viel Rohes wie möglich“ sichtbar gelassen.

„So heruntergekommen wie das Haus auch war, hatte es trotzdem Charme und die Substanz war ja auch noch intakt“, sagt Xaver Egger, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Berliner Architekturbüros SEHW. „Angesichts des rohen Betons hat es uns richtig in den Fingern gekribbelt, da etwas draus zu machen“, erinnert sich Sandra Scheffl. Seit etwa zweieinhalb Jahren wohnt die Architektenfamilie, zu der zwei Kinder gehören, nun in dem einstigen Gewerbebau. Das kastige Haus ist das zweifellos ungewöhnlichste Gebäude in einer etwas merkwürdigen Gegend. Hier im Südwesten von Berlin, gleich hinter dem Bahndamm der LinieS1, treffen historische Villenensembles auf einfache Siedlungen, ein paar Neubauten und ein bisschen Gewerbe.

Testen Sie unsere Angebote.
Jetzt weiterlesen.

Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

F.A.Z. PLUS:

  Sonntagszeitung plus

05.02.2020
Quelle: F.A.S.