Wohnen in der Kirche

Von BIRGIT OCHS und VERENA MÜLLER (Fotos)

09.04.2019 · Das Zuhause ist den meisten heilig, eine Kirche als Wohnhaus deshalb aber längst nicht jedermanns Sache. Einen Bauherrn aus Reutlingen hat das nicht abgehalten.

E s waren einmal ein Mann und eine Frau, die wünschten sich ein neues Zuhause für ihre wachsende Familie. So beginnen unzählige Baugeschichten, und auch diese, nur dass hier vieles ein bisschen anders als üblich laufen wird, auch das Happy-End. Der Mann heißt David Fuchs, organisiert private Rennsportveranstaltungen und dies seit einigen Jahren von Altenburg, einem Stadtteil von Reutlingen aus. Dorthin pendelt er von seinem, mit dem Auto gut 50 Minuten entfernten Wohnort. Warum also nicht ein Haus für ihn, seine Frau und den Nachwuchs im Reutlinger Norden suchen? Etwas passendes zu finden, entpuppt sich jedoch als schwierig. Die Häuser am Markt findet Fuchs „weder ansprechend, noch günstig“, doch dann stößt er eines Tages auf ein Inserat, das eine Neuapostolische Kirche am Ortsrand von Altenburg nebst gut 900 Quadratmeter großem Grundstück zum Verkauf anpreist. Treffer.

Das Gebäude besteht aus zwei Teilen, einem Anfang der sechziger Jahre errichteten Würfel mit imposantem Pyramidendach, an den man in den frühen Siebzigern einen Flachbau drangeklatscht hat. Mann kann es nicht deutlicher formulieren. „Grundsolide ohne gestalterischen Reiz“, charakterisiert Architekt Christoph Manderscheid den Sakralbau.


„Ich will es unkompliziert, nicht schnieke“
DAVID FUCHS, Hausherr

Verwandelt, ohne sich fremd zu werden: Der Sakralbau steckt noch im Wohnhaus. Foto: Johannes-Maria Schlorke
Die Kirche vor dem Umbau, Innenansicht Foto: Architekturbüro Manderscheid
Die Kirche vor dem Umbau Foto: Architekturbüro Manderschei

Der Planer aus Stuttgart und Fuchs sind seit Jugendzeiten gute Freunde. So ist es keine Frage, mit wem sich der Bauherr an das Vorhaben wagen wird, aus der Kirche ein neues Zuhause zu machen. Dass er das tun will, ist für den Unternehmer nach kurzer Bedenkzeit klar. Obwohl Manderscheid zunächst einen Abriss ins Spiel bringt und seine Frau unschlüssig ist, ob sie diesen Schritt überhaupt gehen will. „Ich hatte Lust, das zu machen und nicht ewig abzuwarten“, sagt David Fuchs. Es klingt selbstverständlich.

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09.04.2019
Quelle: F.A.S.