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FAZ plus ArtikelDachausbau

Was für eine schräge Sache!

Von Sabine Hildebrandt-Woeckel
Aktualisiert am 08.01.2020
 - 16:34
Mit maßgeschneiderten Einbaumöbeln den Raum unter den Schrägen optimal nutzen.
Das Dach ist zur begehrten Etage geworden. Doch bei Ausbau und Gestaltung ist Kreativität gefragt – und oft auch viel Geld.

Da sitzt er, der „arme Poet“, in seinem schäbigen Dachzimmer. Mit einer Decke und einer abgewetzten Jacke versucht er sich gegen die Kälte zu schützen, ein Schirm wehrt den Regen ab, der offenbar durch die Dachritzen dringt. Das wohl berühmteste Bild des Malers Carl Spitzweg, das 1839 entstand, lässt sich unter vielerlei Aspekten betrachten und in viele Richtungen deuten. Unstrittig aber stellt es eine Realität der damaligen Zeit dar, in der nicht nur arme Künstler, sondern viele Menschen niederer Stände in schlimmen Behausungen lebten: in schäbigen Hütten, dunklen Hinterhöfen oder eben unterm undichten, zugigen Dach.

Heute sieht das Leben in der Stadt anders aus. Ruhige Hinterhöfe sind heißbegehrt, und das Dachgeschoss, oft als exklusives Penthouse vermarktet, ist seit Jahren gefragtes Luxusobjekt. Die Preise spiegeln das wider. Wer die Maklerportale deutscher Großstädte durchsucht, findet dort regelmäßig 50-Quadratmeter-Penthouses, die deutlich mehr als eine halbe Million Euro kosten sollen. Mitunter blättern Käufer sogar mehrere Millionen für eine weitläufige Wohnung inklusive Dachterrasse hin – und zeigen so, dass sie im wahrsten Wortsinn oben angekommen sind.

Diese Dachwohnungen mit Panoramablick haben mit der Behausung des armen Poeten nichts mehr gemein. Mit neuen Materialien gebaut oder saniert, unterscheiden sie sich im Raumklima oft nicht von anderen Wohnungen, sind außerdem hell und ruhig. Kein Nachbar, der oben lärmt, der Straßenlärm ist weit weg, und nicht selten fährt der Fahrstuhl direkt in die Wohnung. Den Einkauf jedenfalls muss hier niemand mehr die Treppen hinaufschleppen.

Dachgeschoss-Rohlinge sind besonders gefragt

Doch die neuen Bequemlichkeiten sind nicht der einzige Grund, warum das Thema Dachgeschosswohnung immer mehr an Bedeutung gewinnt. „Nachverdichtung“ lautet das Stichwort. In den Städten wird der Wohnraum knapper, und was liegt da näher, als zusätzlichen Wohnraum auf dem Dach zu schaffen – ohne weitere Freiflächen versiegeln zu müssen. Gerade auch aus ökologischer Sicht, findet denn auch Pia A. Döll, Innenarchitektin in Frankfurt und neugewählte Präsidentin des Bundes deutscher Innenarchitekten (bdia), kann das Leben unter dem Dach sinnvoll sein.

Immer mehr Immobilieninteressenten suchen gezielt nach sogenannten Dachgeschoss-Rohlingen, die sie vergleichsweise günstig erwerben und dann nach eigenen Vorstellungen ausbauen können. Doch was so simpel wie sinnvoll klingt, ist in der Realität keineswegs einfach. Erstens gibt es viele juristische Fallstricke, und zweitens müssen jede Menge technische Fragen geklärt werden. Weil sie ursprünglich nicht zum Wohnen vorgesehen waren, sind beispielsweise die Dachböden vieler Altbauten oft nicht besonders tragfähig. Zudem fehlt der Schallschutz. Strom- und Wasserleitungen müssen verlängert werden, was keineswegs immer möglich ist, und in manchen Fällen reicht die Deckenhöhe nicht aus. Entsteht selbst im Zuge des Ausbaus keine Höhe von 2,30 Meter, spielen die Behörden nicht mit. Als kompliziert erweist sich oftmals auch der Zugang. Nicht überall, wo eine Luke ist, passt auch eine Treppe, und erst recht ist es nicht in jedem Fall möglich, Fahrstühle ein- oder anzubauen.

Als echtes Hindernis kann sich außerdem der Brandschutz erweisen. Je nachdem in welcher Etage die Dachwohnung liegt beziehungsweise wie hoch die Decken sind, kann es sein, dass ein zweiter Rettungsweg nötig ist, Fenster oder Türen speziellen Anforderungen genügen müssen, in Altbauten der Denkmalschutz strikte Vorgaben macht und vieles mehr. „Ein Dachausbau kann daher sehr schnell sehr teuer werden“, stellt Fachfrau Döll klar.

Kauft jemand den Dachstuhl in einem Haus mit mehreren Eigentümern, muss ferner geklärt werden, ob und welches Mitspracherecht die anderen Wohnungseigentümer beim Ausbau haben und wie es um die Gewährleistungspflichten des Verkäufers bestellt ist. Nackte Dachböden würden meistens unter Ausschluss der Gewährleistung verkauft, erklärt der Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht Wendelin Monz aus Potsdam. Nachträgliche Mängel können also nicht geltend gemacht werden. „Umso wichtiger ist es, vor dem Kauf genau hinzuschauen“, mahnt der Jurist.

Schrägen richtig nutzen

Und was ist mit den Schrägen? Das schlechte Raumnutzungsverhältnis zählt schließlich zu den größten Nachteilen des Dachgeschosses. „Man bezahlt Fläche, die man faktisch nicht wirklich nutzen kann“, sagt Thomas Aigner, Makler aus München. Hier ist Kreativität gefragt. Innenarchitektin Döll hebt hervor, dass gerade aus gestalterischer Sicht Dachwohnungen mit Schrägen und Ecken viele Möglichkeiten eröffnen.

Es hat sich bewährt, die Flächen unter Schrägen als Ablage und Stauraum zu nutzen. Wichtig hierbei: nicht einfach schon vorhandene Möbel mehr schlecht als recht plazieren, sondern die Schrägen besser großflächig abtrennen, zum Beispiel durch Schiebetüren, hinter denen Kleiderablagen oder sogar Arbeitsflächen verschwinden können. Eine weitere Möglichkeit, den Platz zwischen Boden und tiefem Dachansatz optimal zu nutzen, sind sogenannte Drempel- oder Kniestockschränke. Diese Möbel sitzen passgenau zwischen Boden und Dachansatz. Es gibt sie mit und ohne Türen sowie mit und ohne Rollen. Im Korpus findet von Kleidung über Bettwäsche bis zu Geschirr alles Platz – und als Sitzgelegenheit lässt sich der Drempelschrank ebenfalls nutzen.

Eine andere Möglichkeit, in den Schrägen Stauraum zu schaffen, sind Stoffbahnen. Anders als Schränke sorgen sie für eine luftigere Atmosphäre. Die Konstruktion dafür ist einfach und erinnert an ein Zelt: sowohl unter der Decke als auch in beliebiger Höhe an der Schräge Drahtseile von Wand zu Wand spannen, die Stoffbahnen oben und unten so säumen, dass ein Hohlsaum entsteht. Den Saum jeweils mit dünnen Metallstangen versehen. Diese sorgen dafür, dass sich die Stoffbahn leichter führen lässt und vom tiefer liegenden Drahtseil an gerade nach unten fällt, so dass dahinter viel Platz für Krimskrams entsteht.

Ja nach Raumaufteilung bieten sich Schrägen zudem als Sitz- oder Schlafecke an. Viele Kissen und Decken erzeugen Gemütlichkeit – ganz ohne Baumaßnahme. Wer es nicht mag, direkt unter dem Dach zu schlafen, kann die Schräge auch hier mit Stoffbahnen abdecken und so eine Art Himmelbett schaffen.

Ganz grundsätzlich gilt fürs Dachgeschoss: Weniger ist mehr. Im Zweifel lieber auf Möbel verzichten. Zudem lassen helle Decken, Wände und Möbel den Mansardenraum heller wirken. Gleichzeitig kann es aber auch sehr effektvoll sein, einzelne Schrägen farbig zu streichen und dann mit einer attraktiven Lichtquelle in Szene zu setzen. Apropos Licht. Bei Dunkelheit vergrößern vor dem Fenster oder auf dem Fensterbrett sitzende Lichtquellen den Raumeindruck.

Gute Planung sorgt für ein angenehmes Raumklima

Eigentümer, die neu ausbauen oder an alten Dachgeschosswohnungen größere bauliche Veränderungen vornehmen können, haben jede Menge Gestaltungsmöglichkeiten. Die Optik ist jedoch nur ein Aspekt. Das Raumklima ein anderer. Hier zahlt sich sorgfältige Planung aus. Denn selbst viele neu ausgebaute Dächer heizen im Sommer immer noch stark auf. Innenarchitektin Döll empfiehlt daher, zum einen wo immer möglich eine Querlüftung schaffen oder erhalten. Zum anderen für eine gute Außenbeschattung zu sorgen, etwa durch ein Gründach oder einen Dachgarten. Neben Pflanzen, die für Kühle sorgen, helfen an der Fassade angebrachte Fensterläden, Markisen oder Jalousien, die sommerliche Hitze fernzuhalten.

Außerhalb der heißen Zeiten schaffen Fenster und Freitritte im Dachgeschoss Weite. Tageslicht kommt durch Gauben oder Dachfenster in die Wohnung, die nachts dann das Schlafen unter dem Sternenhimmel ermöglichen. Wenn Balkone baulich nicht möglich sind oder nicht genehmigt werden, können sogenannte Caprio-Dachfenster eine Lösung sein. Scheint die Sonne, lassen sie sich zu Minibalkonen ausklappen. Ist es kalt und nass, dringt dennoch kein Tropfen ins Innere. Der Blick in die Ferne bleibt – Schirm und Jacke aber sind nicht nötig.

Quelle: F.A.S.
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