Bunte Gärten

So schön kann der Herbst sein

Von Christa Hasselhorst
Aktualisiert am 03.10.2020
 - 13:52
Der herbstliche Garten von Bärbel Schröderzur Bildergalerie
Auch wenn es kälter wird, muss im Garten keine Ödnis herrschen. Welches Herbstlaub besonders intensiv leuchtet und wie man Baumrinde gekonnt in Szene setzt, zeigt ein Garten am Niederrhein.

Schon im Vorgarten leuchtet der Baum weithin in vibrierendem Scharlachrot. Wie eine glühende Fackel erhellt der Zimt-Ahorn (Acer griseum) selbst an diesem nebligen, trüben Tag das grüne Entrée und signalisiert: So schön kann Herbst sein. „Ein wunderbarer Baum“, schwärmt Gartenbesitzerin Bärbel Schröder über den frostharten Einwanderer aus Asien, „er färbt am spätesten, und im Verlauf ist alles drin von Orange zu Gelb bis zu diesem tollen intensiven Rot“. In etwas samtigerem Burgunderrot strahlt daneben eine eichenblättrige Hortensie (Hydrangea quercifolia), beide bilden mit ihrem Herbstgewand ein atmosphärisches Duett.

Das Pflanzenpaar ist eine Ouvertüre für den funkelnden Garten dahinter. Der typische Blues des Herbstes wird mit temperamentvollen Farben vertrieben. Hier wetteifern Bäume, Sträucher, Stauden und Gräser mit ihrem Herbstkleid und fügen sich letztlich doch zu einer harmonischen Komposition. Wer zieht die meisten Blicke auf sich? Die Farbpalette beinhaltet das gesamte sogenannte warme Spektrum, das Herz und Seele in dieser eher melancholischen Zeit erwärmt: Gelb von Stroh- über Limonen- bis Buttergelb, Bernstein, Orange und natürlich ein kostbares Goldgelb. Rot von Bordeaux- über Scharlach- bis Granatapfelrot, Violett, Purpur.

Der Herbst ist für Schröder inzwischen fast ihre Lieblingssaison. Als die professionelle Gartengestalterin vor fünfzehn Jahren ihren 550 Quadratmeter großen Privatgarten in Kerken am Niederrhein schuf, rückte diese Saison mehr und mehr in ihr Bewusstsein. „Sicher, der Frühling ist immer schön, weil alles knallfrisch ist. Zum Sommerbeginn strahlt auch noch alles – aber ab August ist vieles erschlafft. Schon lange vor den jüngsten Hitzesommern war mir klar, dass ein Garten auch nach August noch eine Freude sein muss, möglichst bis in den spätesten Herbst.“

Besondere Herbstfärbung und interessante Rinden

Entsprechend hat sie ihre Auswahl getroffen. Bei den Gehölzen hat sie sowohl auf besondere Herbstfärbung als auch auf ausgefallene und interessante Rinden geachtet. Beim Spaziergang durch ihren Garten gibt es etliche außergewöhnliche Arten zu bewundern, die im Herbst zu Stars avancieren. Da ist der aus Asien stammende Blasenbaum (Koelreuteria paniculata ’Coral Sun‘), ein Kleinbaum mit lockerer, rundlicher Krone. Nach orangerotem Austrieb im Frühjahr besticht er jetzt mit buttergelbem Laub. Es ähnelt der Esche, „ich verliebte mich in die Leichtigkeit dieser filigranen Blattstruktur“, so Schröder. Obendrein vertrage der Baum gut Hitze und Trockenheit. Er behält sein Laub am längsten, das sich mit dem sanften Gelb eines breiten Streifens von Kleinem Pfeifengras (Molinia caerulea ’Heidezwerg‘) perfekt ergänzt.

Nur wenige Meter entfernt spielt ein Baum mit malerisch mehrstämmigem Habitus eine weitere Hauptrolle: Der aus China stammende Schlangenhaut-Ahorn (Acer davidii) hat sich in sein gelb-rotes Gewand geworfen. Und punktet nach dem Laubabwurf noch mit attraktiver Rinde, grau-grün gemasert mit weißen Längsstreifen wie hauchdünne Schlangen. Beide Gehölze spiegeln sich mit ihren Kronen in der Wasseroberfläche eines schmalen rechteckigen Beckens.

An einem von mehreren im Oktober noch sonnigen Sitzplätzen bezaubert eine Schönheit, die wegen ihres Zierwerts dank exotisch wirkender Blütenpracht bei uns gerade in Mode kommt. Eigentlich ist die Kräusel- oder Kreppmyrte (Lagerstroemia indica x fauriei) ein ursprünglich in Asien und Australien beheimatetes Gehölz. Bei uns gilt sie als mediterran, denn die meisten Sorten sind frostempfindlich. Meist steht sie daher im Kübel und muss frostfrei überwintert werden. Doch Schröder pflanzte sie direkt in die Erde, mit Erfolg. „Hier am Niederrhein mit generell mildem Klima und immer wärmeren Wintern gedeiht sie gut“, sagt die Optimistin.

Sie holte sich gleich mehrere dieser Objekte neuer Begierde in ihren Garten, vorrangig wegen ihrer aparten Blüten in Rosa, Pink, Flieder, Lachsrosa oder Weiß. „Mein erstes Exemplar hat zwölf Jahre alle Winter überstanden, ich denke, im Frankfurter Raum und an der Weinstraße kann man sie problemlos pflanzen, im Bayerischen Wald wohl eher nicht.“ In Kerken (mit Winterhärtegrad 8) beschert die Sorte ’Tuskegee‘ im Herbst grandioses granatrotes Laub. Das auch Indianerflieder genannte, meist mehrstämmige Gehölz besitzt obendrein eine auffällige Rinde, sie erinnert an jene der Platane und rollt sich auch ähnlich ab.

Schattenspender mit elegantem Habitus

Für Schröder ist die Kreppmyrte einer ihrer Favoriten, und sie zählt die vielen guten Attribute auf: „Sie wird nicht zu groß, hat eleganten Habitus mit der schirmförmigen Krone, spendet schönen Schatten, nach der bezaubernden Blüte glänzt sie mit phantastischer Herbstfärbung, sie verträgt Hitze sehr gut, ich muss sie nicht viel wässern, sie ist relativ unempfindlich.“ Nur Sonne, Sonne und nochmals Sonne verlange sie: „Je mehr Sonne und Wärme, desto kräftiger wird die Herbstfärbung – das gilt übrigens für fast alle meiner Gehölze.“ Neben dem richtigen Standort gibt es ihrer Erfahrung nach noch eine weitere Voraussetzung für eine optimale Färbung des Laubs: „Kalte Nächte und warme Tage.“

Ein weiterer Hauptdarsteller des Herbstes ist ebenfalls Sonnenanbeter. Der Eisenholzbaum (Parrotia persica) wird immer beliebter, vor allem in den Städten, weil er – frosthart und kaum krankheitsanfällig – als idealer Klimawandelbaum gilt. Die Sorte ’Vanessa‘ bietet in Schröders Refugium ein brillantes Schauspiel mit dem verzweigten, vasenförmigen Wuchs und einer bereits ab September startenden Färbung. Sie changiert über Gelb und Rot bis Purpur. Effektvoll ist, wenn man ein Auge für Details hat, auch seine platanenähnliche Borke, die dekorativ abblättert. Davor hat Schröder eine kleine Kostbarkeit gesetzt, die farblich bestens mit dem Eisenholzbaum korrespondiert. Der Japanische Saftbaum oder Talgbaum (Sapium japonicum) ist ein Strauch und laut Schröder eine Rarität. „Er wächst langsam, geht in die Breite und überrascht im Herbst nach erst goldgelber dann mit sehr sattroter Färbung.“

Natürlich dürfen die Klassiker unter den Herbstfärber-Gehölzen nicht fehlen. Aus einer Ecke funkelt ein Japanischer Ahorn (Acer shirasawanum ’Aureum‘), der nach kurzer orange-gelber Färbung rostbraun wird. Der Rote Schlitz-Ahorn (Acer palmatum ’Garnet‘), ein kugeliger Strauch, zieht mit seinem scharlachroten Blattschmuck die Blicke auf sich. Darunter spielt ein weinrotes Purpurglöckchen (Heuchera ’Wild Rose‘) eine anmutige Nebenrolle.

Wogende weiße Wolken

Auch andere Stauden hat Bärbel Schröder danach ausgesucht, ob sie im Herbst noch punkten. Der Sibirische Storchschnabel (Geranium wlassowianum) wird nach der blau-violetten Blütenpracht mit auffällig rot-orangem Laub zum Höhepunkt. Die Gold-Wolfsmilch (Euphorbia polychroma), robuster Hungerkünstler, färbt sich in glänzendes Gelb. Zart und fragil ist die Dreiblatt-Spiere (Gillenia trifoliata). „Hier wirkt nicht die Einzelblüte, sondern die Fülle vieler kleiner Blüten, die wogende weiße Wolken bilden“, schwärmt Schröder, die Herbstsonne färbe die Blätter später gelb-orange und das sogar im Halbschatten.

Zum Finale trumpft noch die Schleier-Wolfsmilch (Euphorbia corollata) auf: „Die bekommt man nur selten, dabei ist sie großartig. Mit weißen Blüten wirkt sie wie Schleierkraut und färbt sich dann in tollem Gelb-Orange.“ Da die Prärie-Pflanze sehr gut auch in trockenen, mageren Böden an sonnigen Standorten gedeihe, sei sie für die Gärtnerin eine Zukunftspflanze, „perfekt für den Klimawandel“. Das fahle Bronzegelb von Japangras (Hakonechloa macra), ein horstbildendes Zwergschilfgras, bildet zwischen den Stauden wuschelige Tuffs. Zu Schröders Lieblingen gehört auch der Blausternbusch (Amsonia hubrichtii). Eine horstige Staude, die Sonne liebt und deren Büschel erst viele sternförmige Blüten in Hellblau bescheren, bevor sich das lancettartige nadelförmige Laub in kraftvolles Gelb färbt.

Vor den Kulissen der immergrünen Formschnitt-Hecken aus Eibe, die das Areal rahmen, kommen viele ihrer Pflanzen besonders gut zur Geltung. „Eibe bietet mit dem unaufdringlichen dunklen Grün einen idealen ruhigen Hintergrund, und man hat im Winter immer noch etwas Grünes.“ Bis dahin genießt Bärbel Schröder die vielen Facetten ihres herbstlichen Spektakels so oft es geht draußen, eingemummelt in eine dicke Jacke und mit einer Tasse Tee. Zahlreiche ihrer funkelnden Bäume hat sie so plaziert, dass sie im Spätherbst und Winter vom Wohnzimmer aus zu bewundern sind, schließlich besitzen etliche dekorative Rinden und malerische Silhouetten. „Am meisten begeistert mich immer noch der Zimt-Ahorn. Seine Laubfärbung hat in all den Jahren noch nie enttäuscht – und die Rinde sieht doch aus wie eine riesige Zimtstange“, sagt sie.

Im nächsten Herbst wird ihr Garten, dessen Gestaltung von vielen Gartenreisen nach England, in die Normandie, Niederlande und Belgien inspiriert wurde, sicher etwas verändert sein. „Er ist mein grünes Labor, und ich experimentiere ständig weiter.“

Quelle: F.A.S.
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