Kakteen im Garten

Auf einen Pieks!

Von Jens Haentzschel
28.04.2022
, 13:18
Kakteen sind vielfältig und lassen sich auch in einem Freiluft-Beet gut anpflanzen.
Kakteen tauchen immer häufiger im Beet auf. Der ideale Standort ist oft dort, wo sich andere Pflanzen quälen. Doch halten die robusten Gewächse das ganze Jahr durch?
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Max Raabe hat ihm neues Leben eingehaucht. In Juli Zehs Theaterstück mutiert er zum beharrlich schweigenden Terroristen. Kirk Douglas nahm seinen Namen an und war dann doch nur ein erfolgloser Ganove. Der Kaktus schmückt längst nicht nur die Fensterbank, er hat Spuren in vielen Kunstgattungen hinterlassen. Als Song vom „Kleinen grünen Kaktus“, als theatrales Dramolett „Der Kaktus“ oder Westernheld wider Willen „Kaktus Jack“. Kaum eine Pflanze hat so eine Karriere hingelegt wie der dornige und ewig entschleunigende Exot. Längst sind Kakteen hippe Designobjekte in Vasenform, als Häkelkunst oder florales Kissenmuster. Der Citroën Cactus hat für seine Form sogar den Red Dot Award ­eingeheimst, die Edelmarke Cartier eine Kaktus-Kollektion herausgebracht. Manch eines der stacheligen Gewächse ist sogar staatstragend. Mexiko hat die Opuntie neben Adler und Schlange auf seiner Nationalflagge verewigt.

Geschätzt als beständige Zimmerbegleiter, haben sich Kakteen und Sukkulenten als Indoor-Lieblinge in jeder Generation durchgesetzt. Sie sind pflegeleicht, wirken zeitlos modern und passen zu jedem Einrichtungsstil. Im Social-Media-Zeitalter sorgen die Hashtags #cactus oder #kaktus für Volltreffer und glänzende User-Augen. Das weiß niemand besser als Amrey Haage, die gemeinsam mit ihrem Bruder Ulrich die sechste Generation der renommierten Kakteen-Gärtnerei Haage in Erfurt bildet.

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Doch zunehmend taucht der Kaktus auch bei uns im Freien auf. Das hat einen banalen Grund. Bei vielen Sammlern wird es zu Hause eng. Amrey Haage kennt noch einen anderen Grund: „Sie wollen einen Teil der Sammlung draußen sehen und entwickeln in wenig nutzbaren Nischen kleine Kakteenbeete.“

Resistent das ganze Jahr lang

Es gibt weit mehr als 150 Arten und Sorten, die so robust sind, dass ihnen Temperaturen bis zu 25 Grad unter null im Winter ebenso wenig ausmachen wie heiße und trockene Sommertage. Längst spielen verschiedene Opuntien neben Dachwurz (Sempervivum), Mauerpfeffer (Sedum) oder Mittagsblume (Delosperma) als sukkulente Begleiter im Garten eine wichtige Rolle. Was daran liegt, dass sie es schon in ihrer Heimat klimatisch ex­trem haben. Viele der erwähnten Pflanzen stammen aus den Hochlagen Nord-, Mittel- oder Südamerikas oder unwirtlichen Wüstenregionen.

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Auch der Klimawandel bewirkt, dass die dornigen Exoten ganzjährig draußen stehen können. Amrey Haage unterscheidet dabei meist zwischen winterharten und nur frostharten Exemplaren. Den Unterschied erklärt sie so: „Letztere überstehen strenge Winter mit extremer Kälte, vertragen aber die Winterfeuchte in unseren Breiten nicht und brauchen in der kalten Jahreszeit einen mobilen oder festen Regenschutz.“ Sofern sie im Kübel, einer Schale oder im Trog wachsen, reichen Dachvorsprung, Carport oder Garage, um sie durch den Winter zu bringen. Zu den frostharten Exemplaren gehören viele Escobaria, Warzenkakteen (Mammillaria), Igelsäulenkakteen (Echinocereus), Agaven oder Palmlilien (Yucca).

Gartengestalter setzen auf stachelige Arten. Im egapark Erfurt hat die Opuntia macrocentra eine Yucca als Nachbarin.
Gartengestalter setzen auf stachelige Arten. Im egapark Erfurt hat die Opuntia macrocentra eine Yucca als Nachbarin. Bild: Jens Haentzschel

Viele Opuntien-Sorten kommen ganzjährig ohne Schutz im Freiland aus und bieten dank zahlreicher Züchtungen eine Vielfalt an Blütenfarbe von Weiß über Rosa, Gelb, Orange bis zu Bordeauxrot. In größeren Gartenanlagen wie dem Findlingspark Nochten, dem Botanischen Garten Halle oder im egapark Erfurt finden sich bereits Freilandbeete. Staudenfreunde in Sachsen-Anhalt planen gerade einen Außenbereich auf der ehemaligen Landesgartenschaufläche rund um das Schloss Zeitz.

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Die Erde will vorbereitet sein

Wer selbst ein Freilandbeet anlegen will, der muss sich zuerst um einen idealen Standort kümmern. Kakteen und Sukkulenten brauchen Sonne satt. Eine Mauer, Hecke oder auch eine Hausfront im Norden schützt gegen den Wind, versorgt die Pflanzen zudem mit abstrahlender Wärme. Der perfekte Platz ist mitunter da, wo sich andere Gewächse mühen und quälen, denn hier setzt sich die Persönlichkeit der winterharten Kakteen samt sukkulenten Begleitern durch: Sie mögen es heißer und trockener als andere.

Der Boden ist Grundlage im Sinne des Wortes. Nur wenn das Substrat stimmt, haben die dornigen Exoten Freude am Wachsen und Gedeihen. Was sie nicht mögen, ist normale Gartenerde, denn die enthält zu viele Nährstoffe. Auch Staunässe wird zur Gefahr, weswegen ein guter Wasserabzug entscheidend ist bei der Gestaltung eines Outdoor-Kakteenbeetes. Auf rund 50 Zentimeter Tiefe sollte ein normaler Gartenboden ausgehoben und dann mit Sand, Splitt, Kies oder Blähton feinkrümeliger und poröser gemacht werden.

In der Kakteengärtnerei Haage gibt es Spezialmischungen für winter- beziehungsweise frostharte Exemplare. „Die sind noch eine Spur durchlässiger als eine Standardmischung und haben weniger Torfanteil“, erklärt Amrey Haage. Ein Unkrautvlies kann zur Sicherheit auf den abgetragenen Boden gelegt werden. Dann hat man zumindest etwas länger vor Unkräutern Ruhe. „Eine Extradrainageschicht aus kleinen Steinen hilft ebenfalls, um das Ablaufen überschüssigen Wassers zu gewährleisten.“ Die Bodenvorbereitung sollte rund zwei Wochen vor der Pflanzung abgeschlossen sein. So hat der Boden Zeit, sich zu setzen.

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Am besten im Frühling in Kombination mit Gräsern pflanzen

Bei der Gestaltung unterscheidet sich eine Fläche mit Kakteen nicht von einem Staudenbeet. Hohe Pflanzen kommen in den Hintergrund, mittlere und kleinere davor. Anders als Stauden wachsen sukkulente Pflanzen langsamer, weswegen sich eine hügelige Landschaft optisch besser eignet als ein flaches Stück Erde. Selbst ein Hang sieht gefälliger aus als eine ebene Fläche. Große Steine sorgen für Struktur und haben einen weiteren Vorteil. Sie speichern im Sommer die Wärme. Davon profitieren die Pflanzen in den mitunter kühlen Nächten. Auch Trittplatten sollten eingeplant werden, damit man beim Jäten von Unkraut festen Stand hat und nicht ständig seine Lieblinge in den Beinen spürt. Ist der Boden durchlässig genug, braucht die Pflanzung keine mineralische Mulchschicht. Viele Experten raten dennoch dazu, um Unkraut am Wachsen zu hindern und ein schnelles Abtrocknen der Oberfläche zu erreichen. Glatte Steine eignen sich besser, weil sie selbst kein Wasser aufnehmen.

Beste Pflanzzeit ist der Frühling. Wer im Sommer winterharte Exemplare auf Märkten kauft, sollte sie erst im Folgejahr draußen ins Beet bringen und die erste Saison in der Garage oder dem Keller überwintern. Wer mag, kann Gräser als Partner mit ins Beet setzen. Blaugras (Sesleria caerulea), Moskitogras (Bouteloua gracilis), Büffelgras (Buchloe dactyloides) oder Blauschwingel (Festuca glauca) eignen sich ebenso wie einige staudige wie halbstrauchige Begleiter wie Wollziest (Stachys byzantina), Sand-Thymian (Thymus serpyllum), Walzen-Wolfsmilch (Euphorbia myrsinites), Lavendel (Lavendula) oder Mannstreu (Eryngium).

Einander ähnelnd und gleichzeitig individuell
Einander ähnelnd und gleichzeitig individuell Bild: Jens Haentzschel

Nach dem Winterschlaf sehen viele Pflanzen schlaff aus, ihre Körper wirken eingeschrumpft. Hier helfen Düngungen für einen guten Start. Allerdings sollte zuvor gegossen werden. Dünger gleich nach dem Winterschlaf würde Kakteen unnötig stressen und schädigen. „Die Wachstumszeit beginnt ab März. Spätestens im April brauchen die Pflanzen Nährstoffe“, erläutert Haage. „Die sollten dann bis in den Juni regelmäßig eingesetzt werden.“ Schon nach wenigen Wochen baut sich das Pflanzengewebe wieder auf und bildet Triebe.

Weil Opuntien richtig Hunger haben, muss hier noch konsequenter gedüngt werden. Damit die Freisteher im Beet im Winter bestens versorgt sind, schwört die Expertin auf einen kalibetonten Dünger im Herbst, quasi als Gute-Nacht-Kuss für die winterliche Ruhezeit. Alles was im Beet geht, kann auch auf große Kübel oder einen Balkonkasten in Klein übertragen werden. In der Gärtnerei gibt es sogar Einkaufswagen mit bunter Kakteenbepflanzung, die bestens durch die Zeit kommt. Einzig das Jäten von Unkraut bleibt im Dornendickicht eine Fleiß- und Schweißarbeit, die nicht ganz ohne Blessuren auskommt.

Quelle: F.A.S
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