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Bodenbeläge

Worauf wir zu Hause stehen

Von Nadine Oberhuber
 - 14:23
Vinyl-Böden sind beliebt, hier ausgestellt auf der Messe Domotex in Hannover.

Wenn einem diese Landhausdielen zu Füßen liegen, gerät man ins Grübeln. Sie heißen „Eiche natur“, aber sie fühlen sich unter blanken Füßen so gar nicht holzig an. Eher weich und warm. Und man muss sich schon flach auf den Bauch legen und die Luft tief durch die Nase einziehen, um die Fälschung zu entlarven. Dann nämlich riecht es nicht nach Harz und Öl, sondern nach Chemie. Denn diese „Eiche“ stand nie als Baum im Wald, sie ist ein Kunstprodukt. Ein Belag aus Vinyl, um genau zu sein, was aber mit bloßem Auge nicht sofort zu erkennen ist. Solche Designböden in Holzoptik sind derzeit der Renner in Baumärkten und bei Bodenbelag-Fachhändlern, viele Kunden stehen auf die gedruckten Landhausdielen in Pinie, Nussbaum oder Wildapfel. Am meisten aber auf Eiche rustikal oder Eiche natur.

Eiche auf dem häuslichen Zimmerfußboden geht hierzulande immer, und zwar schon seit Jahrzehnten, sagen Einrichtungsprofis und Anbieter. Auch wenn die Bodenbelagbranche derzeit Teppichböden aus recycelten Fischernetzen zum Trend erklärt, bunte Zementfliesen mit großen Mustern oder Sichtestrich und Kunstharzbeläge. „So etwas ist eher für eine kleine Klientel interessant, die sich mit solchen Materialien als cool abgrenzen will, eine loftartige Wohnatmosphäre sucht oder ihre Individualität unterstreichen will“, schränkt Wohnpsychologe Uwe Linke ein. Seiner Beobachtung nach finden diese Moden hierzulande keine große Anhängerschaft. Linke nennt sie „Spitzentrends“, die von Designern, Stararchitekten und Wohnzeitschriften aufgegriffen werden, sich aber in den Verkaufszahlen kaum widerspiegeln.

Das bestätigt auch Dirk Steinmeier, Manager beim Bodenbelagshersteller Meisterwerke und Marktkenner seit mehr als dreißig Jahren. Derzeit seien ausgefallene Bodenbeläge wie Kork oder Hygge-Teppiche kaum ein Thema und schon gar keine wilden Farben: „Was am besten geht, sind Holzböden aus Naturtönen und helle Eiche. Selbst gekalkte Eiche und dunkle Töne sind eher out. Die einzigen Farben, die wir im Angebot haben, sind rund ein Dutzend Nuancen von Grau. Frisches Steingrau liegt dabei im Trend.“ Der Boden soll sich zurückhalten und die Zeitlosigkeit der Möbel unterstreichen. „Auch was die Grundeinrichtung angeht, leben wir in einer sehr farblosen Zeit“, findet Steinmeier.

Laminat bei Vermietern beliebt

Die Vorliebe für klassische Farben und Materialien ist für Wohnpsychologe Linke schnell erklärt: „In unsicheren Zeiten wollen sich die Leute an Bekanntem festhalten.“ Deswegen gebe es den Rückwärtstrend zum Holzboden – auch wenn der immer öfter nur so aussieht, als ob. Und was macht die Eiche zur unangefochtenen Nummer eins? „Sie steht für Verlässlichkeit und Qualität, gilt außerdem als haltbar und dauerhaft“, erläutert Steinmeier. Vieles von dem, was hierzulande in die Wohn-, Ess-, Schlaf- und Kinderzimmer auf den Boden kommt, besteht auch tatsächlich noch aus Echtholz, aus Parkett in Form von Landhausdielen. Von solchen Holzböden werden allein in Deutschland rund sieben Millionen Quadratmeter produziert. Vor allem Eigenheim- und Eigentumswohnungsbesitzer gönnen sich das echte Material.

Noch beliebter aber ist der Laminatboden, der das Echtholz lediglich imitiert. Den verlegen besonders gern Vermieter, sagen die Verkäufer, weil er billiger ist. Im Land der Mieter kommt da einiges zusammen. Laminat besteht aus einer Holzträgerplatte, die mit bedrucktem Papier beschichtet wird, das die Maserung vorgaukelt. Von solchen Holzimitaten verkaufte die Branche 2017 rund 57 Millionen Quadratmeter. Meist haben die Beläge – ob Echtholz oder Kunststoff – eine sogenannte Einstaboptik mit Brettern von rund zwei Meter Länge und zwanzig Zentimetern Breite. Ganz klassische Maße also.

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Was sich ändert, ist die Struktur: In den vergangenen Jahren überwog beim Parkett die rustikalere Anmutung mit großen Ästen und starker Maserung, sagt Steinmeier. „Die Leute wollten mehr gewachsenes Holz, das sich vom Fake des Laminats abgrenzt“, so erklärt es Einrichtungsberater Linke. Sofort erkennbares, echtes Holzparkett ist so etwas wie ein Statussymbol geworden. Inzwischen seien aber wieder natürliche und unauffällige Maserungen gefragt, beobachtete Steinmeier. Auch, weil dazu besser jede Art von Einrichtung passt.

Neuerdings spielen zudem die eingangs erwähnten Vinylböden eine Rolle. Sie können jede Art von Holzmaserung nahezu perfekt nachahmen, weil sie nicht nur bedruckt sind wie Laminat, sondern auch eine richtige Prägung haben. Bisher ist ihr Marktanteil einstellig, doch laufen sie den anderen Varianten immer stärker den Rang ab, sagen die Branchenverbände: In Österreich verdränge das Vinyl bereits „in substantiellem Ausmaß das Laminat“, meldete jüngst der Branchenradar Bodenbeläge & Parkett. Es habe 2017 auch „erstmals signifikant den Parkettmarkt kannibalisiert“. In Deutschland ging der Laminatabsatz im vergangenen Jahr um 10 Prozent zurück, sagen die Zahlen des Herstellerverbands. „Bedingt durch den anhaltenden Substitutionstrend zu thermoplastischen Böden“, zu denen Vinylbeläge als Weiterentwicklung des PVC-Bodens zählen.

Kunststoffbeläge enthalten laut Zeitschrift „Ökotest“ gesundheitsschädliche Stoffe

Was die Kunden am Kunststoffbelag reizt? Dass er im Vergleich zu Echtholzparkett bei gleicher Optik mit rund 30 Euro je Quadratmeter nur die Hälfte kostet. Laminat geben die Verkäufer zwar noch günstiger ab, schon für 13 bis 15 Euro, aber im direkten Vergleich kann Vinyl punkten: Es sieht mehr nach Holz aus und ist erheblich robuster, das heißt, es zerkratzt nicht so leicht oder bekommt Druckstellen. So werben zumindest die Hersteller. Außerdem ist es leiser, wenn man darauf läuft.

Doch das besonders schlagende Argument: Vinyl ist pflegeleicht. „Die Menschen wollen nicht mehr mit Pflegemitteln hantieren, Holz ölen und bei jedem verschütteten Wasserglas bangen, dass Flecken zurückbleiben“, sagt Verkaufsmanager Steinmeier. Sie wollen auch nicht zusehen, wie sich am Laminat die Ecken aufbiegen oder sich Holz über die Jahre verfärbt und Blumentöpfe Ränder darauf hinterlassen, weiß Wohnpsychologe Linke aus seiner Beratungspraxis. Die meisten Leute wollen ein Material, das möglichst lange durchhält – und das man zudem kinderleicht verlegen kann.

Die vorgeschnittenen Dielen oder Fliesen sind oft auch noch selbstklebend. „Mit dem Vinyl ist das Thema ,Convenience‘ auch bei der Einrichtung auf bundesdeutschem Boden angekommen“, bringt es Herstellervertreter Steinmeier auf den Punkt. Die Bequemlichkeit, die wir beim Kochen längst entdeckt haben, hält nun auch beim Wohnen Einzug.

Trotz aller Vorteile sehen die Einrichtungsprofis den neuen Trend skeptisch. Denn Kunststoffbeläge sind ja nur deshalb so plastisch, fußfreundlich und formbar, weil sie mit künstlichen Zusatzstoffen versehen sind. Vinylböden kommen nicht ohne Weichmacher aus, räumen die Hersteller ein. Es gibt zwar diverse Umweltsiegel, zudem seien die Produkte in den vergangenen Jahren erheblich besser geworden, heißt es. Doch die Zeitschrift „Ökotest“ ist da anderer Ansicht. Sie bewertete im vergangenen Jahr acht von zwölf PVC-Böden als „ungenügend“. Ihrer Ansicht nach enthalten sie gesundheitsschädliche Stoffe, die sie auch freisetzen. Wohnpsychologe Uwe Linke schließt sich dieser Einschätzung an: „Das PVC ist nur auf dem Papier besser geworden, weil über die Jahre die Grenzwerte hoch gesetzt worden sind. Und es dünstet die Weichmacher jahrelang aus.“

Zudem kann es bauphysikalisch zum Problem werden, großflächig die Böden mit solchen Belägen zuzukleistern. Denn das Plastik atmet kaum, kann daher Feuchtigkeit nicht ableiten und begünstigt die Schimmelbildung unterm Belag. Gerade bei älteren Häusern müsse man das beachten, warnen Architekten. „Und der Nimbus, dass Vinyl ewig hält, ist natürlich auch Blödsinn“, sagt Dirk Steinmeier. Irgendwann werde der Boden rausgerissen, entweder aus optischen Gründen oder weil er eben doch abgenutzt sei – spätestens dann wird der Kunststoff zum Problem.

Quelle: F.A.S.
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