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Coffee Table „Utsuri“

Design aus dem Baumarkt

Von Anne-Christin Sievers
 - 13:26

Wer in Deutschlands Großstädten wohnt, muss sich wegen hoher Preise mit immer weniger Quadratmetern begnügen. Davon kann der japanische Designer und Architekt Yo Shimada ein Lied singen. Mit seinem Studio Tato Architects baut er seit 1997 Privathäuser in Japan, dem Weltmeister im Miniwohnen. Shimada ist daher bestens mit dem Problem vertraut, durch geschickte Grundrisse und platzsparendes Interior Design aus kleinen Flächen das Optimum rauszuholen. Wird der Raum zum Wohnen kleiner, braucht man multifunktionale Möbel, die wenig Platz wegnehmen und sich je nach Situation flexibel an verschiedene Bedürfnisse der Bewohner anpassen. „Aber wenn du Möbel besitzen willst, die genau zu deinem Leben passen, dann musst du sie selbst bauen“, sagt Yo Shimada. Und dabei will er jetzt auch den Deutschen helfen: mit einem Designertisch, den man mit einfachen Materialien aus dem Baumarkt selbst zusammenbauen kann.

Der Coffee Table „Utsuri“ besteht aus drei Platten, die auf verschiedenen Ebenen angeordnet und über die Tischbeine miteinander verbunden sind. Für nur eine Person lässt sich der Tisch klein zusammenfalten, möchte man in größerer Runde mit Freunden daran sitzen, kann man die Module auseinanderschieben und in Form und Länge anpassen. Die Unterseiten der Tische sind mit Neon-Lack in Rot und Gelb besprüht, so reflektieren sie ihre Farbe auf die weiße Oberfläche der darunterliegenden Tischplatte – ähnlich wie Leuchtreklame sich in der Pfütze auf dem Asphalt spiegelt. Daher auch der Name „Utsuri“, was reflektierend bedeutet. „Neon scheint so hell, dass Farben auch an Orten auftauchen, an denen eigentlich keine sind“, sagt der Designer. „Und außerdem finde ich Neon einfach total gut.“ Eine Inspiration für den Utsuri Table habe er direkt in seiner Heimatstadt Kobe gefunden, bei einem Spaziergang durch den Garten von Soraku-En: „Der Tisch erinnert mich an die Blätter eines Baumes, wie sie auf der Wasseroberfläche eines Sees treiben, sich sammeln und übereinanderlegen, um dann wieder auseinanderzudriften.“

In Japan hat der Architekt sogar schon ein ganzes Haus aus standardisierten, ressourcenschonenden Materialien gebaut. Yo Shimada ist aber bei weitem nicht der einzige Designer, der aus Baumarktmaterial eigene Möbel entwirft. So machte der Berliner Architekt Van Bo Le-Mentzel vor einigen Jahren von sich reden, als er seine Serie von Selbstbaueinrichtung „Hartz-IV-Möbel“ vorstellte, die ebenfalls aus günstigen Baumarkt-Teilen bestand und schicke Möbel auch für Geringverdiener verfügbar machen wollte. Und der italienische Designer Enzo Mari veröffentlichte schon 1974 ein Buch unter dem Titel „Selbstgestaltung“ mit 19 Anleitungen für den Bau von Möbeln und gilt so als Vorreiter der Do-it yourself-Bewegung.

Wer beim Utsuri Table einen Bausatz zum schnellen Montieren à la schwedisches Möbelhaus erwartet, wird aber enttäuscht sein. Für Anfänger ist das Tisch-Projekt aus Japan wohl eine Nummer zu groß. Die Materialliste reicht von Bohrmaschine mit Holzbohrer, Japansäge Kataba über Rundstäbe aus Buche, Multiplexplatten aus Birke bis zu Neonspray. Das heißt, man muss schon selbst bohren, Holz fräsen, sägen, lackieren und unbedingt präzise arbeiten, damit das Unikat gelingt. Das Bau-Buch gibt es inklusive der Schablonen zum Ausschneiden der Bauteile, Bauanleitung sowie Material- und Werkzeugliste für 18 Euro bei Hornbach zu kaufen – auch eine Plakette mit der Aufschrift „Gestaltet von Yo Shimada. Gebaut von mir“ ist dabei. Allein die Materialien ohne Werkzeuge und Hilfsmittel kosten rund 120 Euro. Mit dem Coffee Table „Utsuri“ hat die Baumarktkette schon die zweite Designedition eines Architekten angestoßen. Im vergangenen Jahr hatte der Däne Sigurd Larsen einen Lounge Chair aus Baumarktutensilien zum Selberbauen entwickelt.

Quelle: F.A.S.
Anne-Christin Sievers
Redakteurin in der Wirtschaft.
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