Steiler Anstieg trotz Corona

Häuserpreise in Großbritannien auf Allzeithoch

Von Philip Plickert, London
02.09.2020
, 16:25
Viele Analysten hatten mit sinkenden Immobilienpreisen gerechnet, doch trotz der Wirtschaftskrise sind sie im August um 2 Prozent gestiegen. Das liegt auch an Sondereffekten.

Entgegen den Erwartungen vieler ist der britische Immobilienmarkt in der Corona-Krise nicht abgestürzt, sondern seit dem Ende des Lockdowns haben die Preise zugelegt. Im August sind sie sogar so stark gestiegen wie lange nicht, rechnet Nationwide, die größte Bausparkasse des Landes, vor.

„Die Häuserpreise haben nun die Verluste vom Mai und Juni ausgeglichen und sind auf einem neuen Allzeithoch“, sagte Nationwide-Chefvolkswirt Robert Gardner am Mittwoch. Im August ging es um 2 Prozent nach oben, im Vergleich zum Vorjahresmonat sind die Preise nun sogar um 3,7 Prozent höher.

Der Durchschnittswert einer Immobilie auf der Insel liege jetzt bei 224.123 Pfund (rund 250.000 Euro), wobei die Preise in der Hauptstadt London mindestens doppelt so hoch seien. Viele Analysten hatten wegen der tiefen Corona-Rezession, die zu steigender Arbeitslosigkeit führt, sinkende Preise prognostiziert.

Als Gründe nennt Nationwide die während der erzwungenen Corona-Pause des Marktes aufgestaute Nachfrage. Zudem hat die vorübergehende Steuersenkung, die Finanzminister Rishi Sunak zur Belebung des Häusermarktes beschlossen hat, einen Schub gegeben. Die Immobilienkaufsteuer (Stamp Duty) wurde bis 500.000 Pfund Kaufwert von 3 auf 0 Prozent gesenkt. Das entlastet vor allem Käufer kleiner Häuser und Wohnungen und ermutigt Erstkäufer, die zudem von den niedrigen Hypothekenzinsen profitieren. Zudem wurde das staatliche „Help to Buy“-Unterstützungsprogramm verlängert, mit dem Privatkäufer günstige Kredite von den Banken erhalten.

Immobilienmarktfachleute erwarten allerdings nicht, dass die Hausse länger anhält. „Der jüngste Preisanstieg wird wahrscheinlich bald abebben“, sagte Hansen Lu von Capital Economics. Er verweist auf die Wirtschaftskrise. Die Beratungsgesellschaft Capital Economics hatte einen Preisnachlass um 3 bis 4 Prozent bis Jahresende prognostiziert.

Unterdessen wächst der Druck auf Finanzminister Sunak, zur Senkung des gewaltigen Haushaltsdefizits keine Steuererhöhungen zu beschließen. Aus dem Finanzministerium waren entsprechende Überlegungen durchgesickert. Nun machen Ökonomen und viele Politiker der Tory-Partei dagegen Front.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Plickert, Philip
Philip Plickert
Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot