Kolumne Hütten & Paläste

Kampf dem Krümel

Von Kim Maurus
09.09.2021
, 14:06
Eine nicht enden wollende Schlacht: Der Kampf gegen die Krümel.
Nichts hasst sie mehr als Dreck. Krümel und Staub sind ihre ärgsten Feinde. Beim Gedanken zu zelten war ihr deswegen mulmig. Sie wähnte sich schon umzingelt von Gegnern. Aber dann kam alles anders als erwartet.
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Die Krümel sind ihr Feind. Und die Haare. Und der Staub. Egal, wie oft sie zum Staubsauger greift, es ist, als liege ein Fluch über der Wohnung, denn die Widersacher sind sofort wieder da. Die Krümel sitzen hämisch unter dem Esstisch, die Haare provozieren in Grüppchen im Bad, und der Staub macht sich grinsend auf dem schwarzen Nachttisch breit. „Na“, ruft er ihr zu, „hast du mich vermisst?“

Ihre Freunde lachen schon über sie. Sie sagen, anstatt andauernd zu saugen, zu wischen oder zu schrubben, solle sie sich mal entspannen. Aber was wissen die schon? Kaum gönnt sie sich mal eine Pause, sind die Feinde wieder da. Sie zu beseitigen ist Sisyphusarbeit. Gleich morgen muss sie es wieder tun. Und danach wieder. Und wieder. Das ist ermüdend, so wie es eine nicht endende Schlacht eben ist. Ihre einzige Hoffnung ist, dass der Partner ihr vielleicht zuvorkommt. Das ist diese Art von Hoffnung, die sich hartnäckig hält, obwohl sie jede Woche aufs Neue enttäuscht wird. Den Partner stören die Feinde einfach nicht so sehr. Er sieht sie noch nicht mal! Oder er sagt: „Ach, das reicht doch morgen oder übermorgen.“

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Was für ein Narr! Wer wartet schon, bis sich die Gegner vermehrt haben? Bis die Gegenspieler nicht nur auf dem Boden und dem Regal warten, sondern weiter nach vorne dringen, in die letzten Winkel der Wohnung, wo man sie nicht mehr sieht und vertreiben kann? Neulich etwa fand sie ein Stück Zwiebelschale im Schlafzimmer. Und dann noch, obendrein, ein Haar im Kühlschrank.

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Zu allem Übel steht dann auch noch der Sommerurlaub an, eigentlich ein Grund zur Freude. Sie aber verschlägt es auf den Campingplatz, dorthin, wo einem die Feinde besonders nahe kommen. Im Zelt ist man sozusagen von ihnen umzingelt.

Zu Beginn müht sie sich ab, sie auch hier zu bekämpfen. Ihr neuester Gegner ist nun das Gras, das immer wieder im Zelt auftaucht. Und überall sind Sand, Steine, Erde, all der Dreck haftet inzwischen sogar an ihr (!). Aber die Antagonisten sind übermächtig. Ihr bleibt nur, aufzugeben und es einfach mal zu versuchen: entspannen und den Dreck ignorieren.

Doch dann stellt sie erstaunt fest, dass die Krümel unter ihrem wackligen Campingtisch einfach verschwunden sind, ohne dass sie einen Finger gerührt hat. Dieses Mal hat sie tatsächlich Hilfe bekommen, und das ausgerechnet von einem Feind, den sie zu Hause in ihrer Wohnung fast noch mehr fürchtet als den Schmutz. Auf dem Rasen vor ihrem Zelt räumen tatsächlich Ameisen die Krümel weg. „So ist das also“, denkt sie, „wenn man sich mit dem einen Feind gegen den anderen verbündet.“ Und hofft dennoch, dass sich keines der Krabbeltiere in ihr Gepäck verirrt, wenn sie wieder abreist.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Maurus, Kim
Kim Maurus
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