Hütten und Paläste

Feldherren am Grill

Von Judith Lembke
11.07.2022
, 12:23
Je größer der Garten, desto mehr Grillspaß.
Im Garten wird jetzt wieder aufgerüstet. Und ganz normale Männer werden im Angesicht der Gasflamme zu Generälen ihrer Würstchenschar.
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Platz ist auf dem kleinsten Balkon. Nicht unbedingt für Pflanzenkübel oder einen Stuhl, aber ein Tischgrill passt immer, wie ein Sommertag im Hof des Mehrfamilienhauses beweist. Mögen die Ersten anfangen, ob der hohen Gaspreise kalt zu duschen, und mag der Wirtschaftsminister noch so oft Energiesparsamkeit an allen Fronten anmahnen – die Propangasflasche für den geliebten Weber-Grill (Profis sagen Webber, weil das Unternehmen aus Palatine, Illinois kommt) muss trotz 8 Prozent Inflation drin sein.

Vorbei sind die Zeiten, in denen am Sonntagnachmittag der olle Kohlegrill angeworfen wurde und ein paar Freunde mit Bratwürstchen beglückt wurden. Die technische Aufrüstung macht auch vor diesem Lebensbereich nicht halt. Kein Wunder, dass die Dinger mittlerweile die Größe einer Feldküche für eine gesamte Kompanie haben, es muss ja auch immer mehr reinpassen: sechs Brenner, Kochfeld für Beilagen, Backburner im Fonds für die perfekten Broiler und genügend Ablagefläche, um das Flank Steak in Stripes zu schneiden und das ganze Zubehör unterzubringen, bei dem jeder Autohändler gelb vor Neid wird. Grillen ist eine ernste Angelegenheit, im Angesicht der Gasflamme wird aus jedem ehemaligen Zivildienstleistenden ein Generalmajor seiner Würstchenschar.

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Analogien zum Militär

Die Analogien zum Militär sind keineswegs übertrieben. Schließlich wirbt der Weber-Wettbewerber Napoleon mit dem Slogan „Für Grillfans und Feldherren“. Und welches Selbstverständnis erwarten die Marken Broil King oder Grillfürst wohl von ihren Kunden? Auch die Marke Burnhard hört sich irgendwie nach dem Männer-Epos Die Hard an, in dem ein Polizist im Alleingang ein ganzes Hochhaus aus Verbrecherhand befreit.

Dabei ist die Tendenz zur Ausweitung ihres Herrschaftsgebiets bei Grillfans nicht nur Selbstzweck, sondern Voraussetzung dafür, das Hobby jederzeit unbeschwert ausüben zu können. Auf dem Balkon der Mietwohnung lässt sich Grillen einfacher verbieten als auf dem eigenen Grundstück und wenn die Wirkungsstätte ein Privatpark ist und nicht der Handtuchgarten eines Reihenhauses – Sie verstehen schon. Was fürs selbstbestimmte Grillen zählt, ist der Abstand zum Nachbarn. Ansonsten drohen Klagen. Und um die Grillfreundlichkeit der deutschen Richter ist es sehr unterschiedlich bestellt. Nach Ansicht des Landgerichts Aachen darf zweimal im Monat in dem am weitesten von allen Nachbarn entfernten Teil des Gartens gegrillt werden. Das Amtsgericht Bonn gönnt Grillfreunden nur ein Barbecue im Monat, und das Landgericht Stuttgart ist mit drei Grillabenden oder sechs Stunden im Jahr besonders knausrig. Für alle anderen Abende bleibt dem grillenden Feldherren nur der Elektrogrill im Miniaturformat. Der passt im Zweifelsfall auch auf den Wohnzimmertisch.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Lembke, Judith
Judith Lembke
Redakteurin im Ressort „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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